Politik

Facebook startet gedrucktes Magazin

Lesezeit: 2 min
10.07.2018 01:44
Facebook gibt sein eigenes gedrucktes Magazin heraus.
Facebook startet gedrucktes Magazin

Mehr zum Thema:  
Benachrichtigung über neue Artikel:  

Facebook hat sein eigenes gedrucktes Magazin auf den Markt gebracht. Das berichtet CNN. Die Publikation heißt „Grow“ (Wachse)  und trägt den Untertitel „Das Vierteljahres-Magazin für Führungskräfte“. Der Inhalt steht unter dem Motto „Grow your business. Grow your network. Grow your mind“ (Erweitere dein Geschäft. Erweitere dein Netzwerk. Erweitere deinen Horizont). Auf der Titelseite ist der neue Kreativ-Direktor von H&M abgebildet, Oscar Olsson, ein bärtiger, tätowierter Hipster, der als neuer „Einzelhandels-Guru“ bezeichnet wird. Im Inneren des Hefts finden sich in erster Linie Interviews mit jungen, coolen Führungskräften sowie Artikel über Unternehmen und neue Businesstrends. Eine Story handelt vom Einstieg des weltweit größten Spirituosen-Herstellers Diageo in das Geschäft mit kleinen, von Hand gebrannten Spirituosen, eine andere vom Technologie-Boom im Mittleren Osten.

Das Magazin wird nicht im Zeitschriftenhandel angeboten. Stattdessen wird es direkt an ausgewählte Kunden verschickt, liegt an Business-Lounges von Flughäfen und Bahnhöfen aus und wird auf speziellen Veranstaltungen verteilt.

Facebook sagt, es habe in den letzten Jahren regelmäßige Treffen von jungen, aufstrebenden Entscheidungsträger aus der Wirtschaft organisiert. Diesen Treffen läge die Gründung von „Grow“ zugrunde. Zitat: „Die Geburtsstunde liegt dreieinhalb Jahre zurück. Alles begann bei einem Treffen auf dem Lande in England. Anschließend fragten die Newcomer, die Gründer und Kreativen uns immer wieder, wann wir sie und ihre Ideen endlich zu einem großen Ganzen verbinden würden.“ Das sei nun geschehen. Weiter führt Facebook aus: „Grow ist darauf abgestimmt, Inhalte in verschiedenen Formaten zu transportieren, die genau zu unserer Zielgruppe passen. Wir wissen, dass Entscheidungsträger während der Arbeit nur begrenzt Zeit haben, zu lesen. Also haben wir eine Printversion entwickelt, die sich besonders gut dafür eignet, beim Reisen gelesen zu werden.“

Facebook bezeichnet „Grow“ ausdrücklich nicht als Magazin. Stattdessen handele es sich um ein „Marketing Programm“. Facebooks Marketing-Chefin für Nordeuropa, Leila Woodington, sagt: “Wir verkaufen keine Anzeigen, wir lassen uns den Inhalt nicht bezahlen. Grow dient ausschließlich Marketingzwecken.“ Allerdings werden auf einer der Seiten von „Grow“ ein Chefredakteur genannt sowie Berufsbezeichnungen, wie sie für Print-Produkte üblich sind. Das Editorial der ersten Ausgabe stammt nicht von einem Journalisten, sondern von der Facebook-Werbe-Chefin für Nordeuropa, Nicola Mendelsohn. Sie gebraucht in ihrem Grußwort den Begriff „Magazin“.

Die Frage, ob es sich bei „Grow“ um ein Magazin handelt oder nicht, ist ausgesprochen wichtig. Genau wie andere große Online-Unternehmen (beispielsweise Google und Twitter) hat Facebook stets vehement bestritten, ein Medien-Unternehmen zu sein. Stattdessen sei es lediglich ein Technologie-Unternehmen, das digitale Kanäle bereitstellt.

Das kann man allerdings auch anders sehen. Facebook hat in der Vergangenheit immer wieder in den Nachrichtenfluss eingegriffen, beispielsweise Hassreden und – angebliche – Pornografie zensiert. Das ist die Art von Tätigkeit, wie sie gewöhnlich von einer Redaktion ausgeübt wird. Jetzt noch das Erscheinen von „Grow“ – da stellt sich die Frage, ob es sich bei dem Konzern nicht doch um ein Medien-Unternehmen handelt. Wäre Facebook ein solches Unternehmen, könnte man es für den Inhalt von Nachrichten viel stärker zur Verantwortung ziehen, als das derzeit der Fall ist. Beispielsweise könnte Facebook für die Verbreitung von Fake-News zur Rechenschaft gezogen werden.

Mehr Meldungen im Tech-Report der DWN.

Inhalt wird nicht angezeigt, da Sie keine externen Cookies akzeptiert haben. Ändern..


Mehr zum Thema:  

DWN
Ratgeber
Ratgeber 5 Immobilienweisheiten – oder wie Sie den Wert Ihrer Immobilie steigern können

Aufgrund der hohen Nachfrage zeigen Immobilien eine äußerst positive Wertentwicklung. Mit ein paar Maßnahmen lässt sich der Preis der...

DWN
Deutschland
Deutschland Hohe Gerichte sind sich einig: Ein Recht auf Barzahlung gibt es nicht

Das Bundesverwaltungsgericht und der Europäische Gerichtshof bringen das Bargeld weiter in Bedrängnis.

DWN
Weltwirtschaft
Weltwirtschaft Zinswende: Der globale Schuldenturm vor dem Kollaps

In den USA steigen die Zinsen, während die Wirtschaft schwächelt und zahlreiche positive Entwicklungen der letzten Jahrzehnte zu Ende...

DWN
Politik
Politik In den Straßen von San Francisco: DWN-Leser gerät in die Mühlen der US-Justiz

DWN-Leser Horst Zeck berichtet, wie er es in Kalifornien mit Polizei und Justiz zu tun bekam.

DWN
Finanzen
Finanzen Kommt die Vermögensabgabe – und wie schützen sich Anleger?

Immer mehr Stimmen fordern einen Corona- oder Ukraine-Lastenausgleich – also eine verpflichtende Vermögensabgabe, die die exorbitanten...

DWN
Finanzen
Finanzen Wie man Wein zu Geld machen kann

Im Zeitalter mickriger Renditen locken Investitionen in gute Tropfen. Aber wie empfehlenswert ist die Geldanlage in Wein?

DWN
Weltwirtschaft
Weltwirtschaft Ukraine-Krieg ist es nicht: Das sind die wahren Gründe für die hohen Energiepreise

Die Hoffnung, dass nach dem Ende des Ukraine-Kriegs die Preise wieder sinken, wird sich nicht erfüllen.

DWN
Technologie
Technologie DB Schenker plant Roboter-Küstenschiff ohne Besatzung

Autonome Autos werden noch eine Zeitlang auf sich warten lassen - die Entwicklung von autonomen Schiffen ist schon viel weiter...

DWN
Politik
Politik Die Stärke des Rubels ist nur eine Inszenierung: Verscherzt Putin es sich mit dem russischen Volk?

Russland macht die Welt glauben, dass niemand dem Rubel etwas anhaben kann. Doch in Wahrheit hält die russische Zentralbank den Kurs...