Politik

Druck aus Russland: al-Nusra könnte Region Idlib verlassen

Lesezeit: 3 min
28.09.2018 01:40
Die al-Nusra-Front will offenbar die entmilitarisierte Zone in Idlib verlassen.
Druck aus Russland: al-Nusra könnte Region Idlib verlassen

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Die syrische Armee (SAA) führte am Mittwoch in Hama Angriffe gegen Söldner-Verbände der al-Nusra-Front (heute Hayat Tahrir al-Scham - HTS) aus, so die syrische staatliche Nachrichtenagentur SANA. Die Angriffe erfolgten, als al-Nusra-Söldner versuchten, von der al-Latamina-Linie in Richtung eines syrischen Militärpostens in der Nähe der Stadt al-Latamina vorzudringen. al-Nusra zielte direkt darauf ab, über Idlib diverse Gebiete in Hama anzugreifen. Im Grenzgebiet zwischen Idlib und Hama befinden sich noch al-Nusra-Stellungen und Stellungen der Islamischen Partei Turkestan (TIP), die sich aus Söldnern aus China zusammensetzt.

Der englischsprachige Dienst von Reuters meldet, dass die al-Nusra-Söldner sich mittlerweile bereit erklärt haben sollen, die entmilitarisierte Zone in Idlib, die von Russland und der Türkei beschlossen wurde, verlassen wollen. Ein Vertreter der FSA sagte der Nachrichtenagentur: "Die Dinge entwickeln sich gut und Hayat Tahrir al-Scham hat zugesichert, dass es das Abkommen umsetzen wird, aber ohne eine Zustimmung abzugeben."

Ein anderer hochrangiger Vertreter der "bewaffneten Opposition" sagte, er erwarte, dass al-Nusra den Deal umsetzt und die Risiken eines Showdowns in Idlib ablehnt, weil das Abkommen zwischen Russland und der Türkei nicht verlangt, dass die al-Nusra-Söldner ihre Waffen niederlegen müssen. "Ich sehe voraus, dass es innerhalb der gesetzten Frist umgesetzt wird", sagte Ahmed Toma, ein prominenter syrischer Oppositioneller, der an den von Russland gesponserten Friedensgesprächen in der kasachischen Hauptstadt teilnahm. Die Frist ist für den 15. Oktober 2018 angesetzt.

Abdul Salam Abdul Razzak von der Nationalen Befreiungsfront (NLF), die von der Türkei unterstützt wird, meint, dass es bei der Umsetzung des russisch-türkischen Deals keine großen Hindernisse geben werde. Reuters wörtlich: "Eine andere hochrangige Rebellenquelle sagte, monatelange türkische Geheimdienstbemühungen konzentrierten sich darauf, eine Minderheit ausländischer Dschihadisten innerhalb Tahrir al-Schams von einer Mehrheit ihrer syrischen Anhänger zu trennen, die schließlich rehabilitiert werden könnten."

RFS Media (die Nachrichtenagentur der Freien Syrischen Armee - FSA) meldet, dass am Mittwoch zwei Offiziere des Nachrichtendiensts der syrischen Luftwaffe durch eine Landminenexplosion im Yarmouk-Becken im östlichen Vorort Daraa getötet wurden.

Das US-Magazin Foreign Policy führt aus:

"Der Iran, Israel, Russland, die Türkei und die USA sind immer noch in dem Konflikt engagiert, während Katar und Saudi-Arabien raus zu sein scheinen. Drei separate regionale Kämpfe zwischen den verbleibenden Spielern - in Idlib, in der Nähe der Golanhöhen und in den östlichen Gebieten Syriens - werden die Zukunft des Landes bestimmen (...) Im Moment befindet sich der wichtigste der drei Kämpfe - Idlib - in der Frühphase. Diese Provinz im Nordwesten Syriens ist fast zwei Drittel so groß wie der Libanon und sehr bergig. Im Westen überragt sein hoher Boden die syrische Küstenebene. In der Stadt Latakia befindet sich eine russische Marinebasis und eine weitgehend alawitische Bevölkerung. Im Osten grenzt Idlib an Aleppo -  Syriens größte Stadt vor dem Krieg und Ziel eines brutalen Kampfes zwischen dem Regime und dem Islamischen Staat im Jahr 2016. Nach Süden schauend grenzt das Gebiet an die Stadt Hama, die 1982 von Präsident Hafez al-Assad in seiner Kampagne zur Ausrottung der syrischen Muslimbruderschaft zerstört wurde. In den Jahren 2016 und 2017 wechselten die Dörfer nördlich der Provinzhauptstadt mehrmals den Besitzer, bis die syrische Armee sie sicherte. Im Norden liegt die türkische Grenze".

Das bergige Gelände Idlibs gibt Söldnern die Möglichkeit, relativ isoliert vom Rest Syriens agieren zu können. "Es ist eine natürliche Gegend für Dissidenten (...) Es ist daher nicht verwunderlich, dass einer der ersten Feuergefechte im syrischen Bürgerkrieg in der Nähe der Stadt Dschisr al-Schugur im Westen von Idlib stattfand, wo Aufständische (Söldner, Anm. d. Red.) einen militärischen Außenposten  angegriffen und mehr als 120 Menschen getötet hatten. Nach vier Jahren des Kampfes verlor das syrische Regime 2015 die Kontrolle über Idlib. Im Jahr 2017, als die USA dschihadistische Kräfte aus Rakka im Osten Syriens vertrieben, flüchteten die Überlebenden nach Idlib (...) Das Assad-Regime hat seinerseits schon seit einiger Zeit versucht, Idlib zurück zu erobern. Assad ist entschlossen, Syrien unter seiner Herrschaft zu einem einheitlichen Ganzen zusammenzufassen, und Idlib galt lange als sein nächstes Ziel nach den Siegen in Aleppo und Daraa (...) Militante Kämpfer sprechen oft davon, Idlib als Sprungbrett für einen fortwährenden Kampf gegen Assad zu nutzen. Wie militante Kämpfer diese Bedrohung ohne Luftschutz, Panzer oder schwere Artillerie ausführen würden, ist natürlich ein Geheimnis, aber das Regime hat ihre Haltung ernst genommen. Damaskus hat seine Bereitschaft signalisiert, bald gegen die Rebellen (Söldner, Anm. d. Red.) in Idlib vorzugehen, aber ein Trommelschlag aus Warnungen der USA, der UN, der Türkei und anderer gegen eine rücksichtslose Offensive scheint den erwarteten Angriff vorerst abgeschreckt zu haben. Aus Sicht des Regimes bedeutet die Verzögerung eine pragmatische Zurückhaltung. Eine Kampagne in Idlib wäre arbeitsintensiv, und dem Regime fehlt es an Menschenpotenzial. Es wäre auch schwierig, denn die ausländischen Kämpfer, besonders die Zentralasiaten, die seit Jahren in Syrien gelebt und gekämpft haben, können nirgendwohin gehen und würden bis zum Tod kämpfen (...) Es ist also kein Wunder, dass die Dinge auf Eis gelegt wurden."

 

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