Politik

Erfolg für Trump: Merkel will US-Flüssiggas nach Deutschland bringen

Lesezeit: 2 min
24.10.2018 00:54
Bundeskanzlerin Merkel scheint auf die Forderung von US-Präsident Trump einzugehen, dass auch Deutschland verstärkt US-Flüssiggas beziehen solle.
Erfolg für Trump: Merkel will US-Flüssiggas nach Deutschland bringen

Mehr zum Thema:  
Benachrichtigung über neue Artikel:  

Bundeskanzlerin Angela Merkel hat laut Wall Street Journal eine teilweise Kehrtwende in der Energiepolitik vollzogen. Die Zeitung berichtet, Merkel habe im Oktober einer Gruppe von Abgeordneten mitgeteilt, dass die Bundesregierung beschlossen habe, den Bau eines 500 Millionen Euro teuren Flüssiggas-Terminals in Norddeutschland mitzufinanzieren, heißt es in dem Bericht des WSJ.

Deutschland bezieht den größten Teil seines Gases aktuell aus Russland. Merkel hat sich für den Ausbau der Nord Stream 2-Pipeline eingesetzt, mit der Russlands bestehende Gasexportkapazität trotz des Drucks aus Washington auf Deutschland verdoppelt werden könnte. US-Präsident Donald Trump hatte kritisiert, dass Deutschland sich von Russland beim GAs abhängig machen würde, während die Nato Deutschland gegen Russland schützen müsse.

In ihren Gesprächen mit ihren Abgeordneten hat Merkel ihre Entscheidung als "strategisch" bezeichnet, berichtet das WSJ. Die Frage nach dem Bau eines Flüssiggas-Umschlagterminals in Deutschland wurde aufgrund wirtschaftlicher Probleme eines solchen Projekts immer wieder verschoben.

Nun erhielt das Projekt jedoch die Freigabe, was Trump auch prompt als Erfolg seiner Forderungen verbuchte: "Wir schaffen Arbeitsplätze und vertiefen auch die transatlantischen Beziehungen. Die USA sind fest entschlossen, US-amerikanisches LNG nach Europa und nach Deutschland zu bringen", sagte der US-Botschafter in Deutschland, Richard A. Grenell, dem WSJ. Die Zeitung schreibt, es ist noch nicht klar, welche Art von Unterstützung Berlin dem LNG-Terminal angedeihen lassen werde. Allerdings habe die Bundesregierung zugesichert, die Entwicklung zu beschleunigen.

Auch in Polen wird der "Kurswechsel" Merkels begrüßt, wie Radio Poland berichtet. Die Polen haben sich immer entschieden gegen Nord Straem 2 ausgesprochen und sind in der Energiepolitik engster Verbündeter der US-Regierung. Polen will eine eigene Pipeline für Erdgas nach Norwegen errichten und Energiehub in Europa werden. Polen steht damit in direkter Konkurrenz zu Deutschland, dass mit Nord Stream 2 selbst eine dominante Rolle im europäischen Energiemarkt spielen könnte.

Wojciech Jakóbik, Chefredakteur der Website BiznesAlert.pl, sagte laut Radio Poland, Merkel sei offen für Initiativen zur Energiediversifizierung und könnte dafür gewonnen werden,die geplante Baltic Pipe-Gasverbindung von Norwegen nach Polen zu unterstützen. Der polnische Präsident Andrzej Duda traf sich am Dienstag mit deutschen Regierungsvertretern in Berlin und sollte unter anderem mit mit Präsident Frank-Walter Steinmeier und Bundeskanzlerin Merkel über Nord Stream 2 diskutieren.

Die 1.200 Kilometer lange Nord Stream 2-Pipeline, die 2019 fertiggestellt werden soll, soll jährlich rund 55 Milliarden Kubikmeter Erdgas von Russland nach Deutschland unter der Ostsee liefern und Polen, die baltischen Staaten und die Ukraine dabei umgehen. Die Baltic Pipe ist ein geplantes neues Energieprojekt, das Polen mit Norwegen über Dänemark verbinden soll, um die Gaslieferungen zu diversifizieren und die Abhängigkeit des Landes von Russland zu verringern. Nach der Eröffnung der Baltic Pipe könnte Polen spätestens im Jahr 2022 jährlich 17 Milliarden Kubikmeter Gas aus anderen Quellen als Russland importieren, teilte ein Beamter im April laut Radio Poland mit.

Inhalt wird nicht angezeigt, da Sie keine externen Cookies akzeptiert haben. Ändern..


Mehr zum Thema:  

DWN
Ratgeber
Ratgeber Bestens geplant: Einkommensvorsorge für Beamte

Die neue Allianz Einkommensvorsorge schützt Beamte und alle, die es werden wollen, vor den finanziellen Risiken einer Berufs- oder...

DWN
Finanzen
Finanzen Südostasiens Mitfahrdienst Grab legt mit US-Vehikel größten SPAC-Börsengang aller Zeiten hin

Der Trend zu „Börsengängen durch die Hintertür“ steuert auf einen ersten Exzess zu.

DWN
Politik
Politik Bundesregierung bereitet Corona-Sondergesetze vor - Polizei-Hundertschaften riegeln Berliner Regierungsviertel ab

Die Bundesregierung hebelt den Föderalismus in Deutschland ab einer Inzidenz von 100 aus. Die Inzidenz steigt jedoch zwingend bei mehr...

DWN
Politik
Politik US-Senat will Konfrontationskurs gegen China mit neuem Gesetz verschärfen

In den USA bereitet ein Senatsausschuss ein gegen China gerichtetes, weitreichendes Gesetzespaket vor. Sollte es angenommen werden, droht...

DWN
Technologie
Technologie Chinas digitale Zentralbankwährung wird ein Ablaufdatum haben

Chinas Notenbank ist mit den Tests ihrer digitalen Währung weit vorangeschritten. Aus der neuen Technologie ergeben sich für die...

DWN
Politik
Politik „Bausteine einer anderen Gesellschaftsordnung“: BDI identifiziert den totalitären Charakter der Grünen

Der Bundesverband der deutschen Industrie warnt vor den im Parteiprogramm der Grünen verankerten Zielen. Diese liefen nicht nur der...

DWN
Deutschland
Deutschland Der Feldzug gegen den Verbrennungsmotor stößt zunehmend auf Widerstand

Angesichts der massiven Schäden für den Wohlstand und die Arbeitsmärkte der europäischen Staaten regt sich verstärkt Widerstand gegen...

DWN
Deutschland
Deutschland Lobbyverein „Deutsche Umwelthilfe“ reicht Klage gegen Weiterbau von Nord Stream 2 ein

Der Lobbyverein „Deutsche Umwelthilfe“ versucht erneut vor Gericht, einen Weiterbau der Ostsee-Pipeline zu verhindern.

DWN
Weltwirtschaft
Weltwirtschaft EZB und IWF wollen das Bargeld mit einem fiesen Trick abschaffen

Es ist eindeutig. Die EZB und der IWF wollen die vorhandene Geldmenge in zwei Parallel-Währungen splitten – Bargeld und digitales Geld....