Politik

Elf Tote nach Attentat auf Synagoge in Pittsburgh

Lesezeit: 2 min
28.10.2018 00:27
Bei einem Attentat auf die Synagoge von Pittsburgh sind am Samstag elf Menschen ums Leben gekommen.

Mehr zum Thema:  
Benachrichtigung über neue Artikel:  

Ein 46 Jahre alter Mann hat am Samstag bei einem Attentat auf eine Synagoge in Pittsburgh (US-Bundesstaat Pennsylvania) elf Menschen getötet. Sechs weitere wurden verletzt, sagte Wendell Hissrich, Direktor für Öffentliche Sicherheit der Stadt Pittsburgh. Unter den Verletzten sind vier Polizisten. Der Attentäter selbst wurde angeschossen und wird im Krankenhaus behandelt. Sein Social-Media-Profil deutet darauf hin, dass es sich um einen Waffennarren mit rechtsgerichteter Gesinnung handelt. Augenzeugen zufolge soll er beim Eindringen in die Synagoge gerufen haben: «Alle Juden müssen sterben.»

Das Attentat ereignete sich während einer Taufzeremonie in dem Gotteshaus am jüdischen Feiertag Sabbat. Kinder wurden jedoch nach offiziellen Angaben nicht verletzt. Dennoch sagte der FBI-Agent Bob Jones: «Es ist der schlimmste Tatort, den ich in 22 Jahren Berufserfahrung gesehen habe.» Die Tat wird von den Behörden als Hassverbrechen eingestuft. Der Angreifer hatte mehrere Schusswaffen bei sich. Nach ersten Erkenntnissen besaß er sie legal.

Die «Tree-of-Life»-Synagoge in Pittsburgh gilt als ein konservatives jüdisches Gotteshaus, das jedoch offen für Neuerungen sei, wie der Präsident der jüdischen Gemeinde im Großraum Pittsburgh, Jeff Finkelstein, am Ort des Geschehens sagte. Normalerweise finden sich dort am Samstagmorgen rund 50 bis 60 Gläubige ein. Auch in anderen Gegenden der USA wurden sofort die Sicherheitsvorkehrungen für jüdische Einrichtungen erweitert.

In Squirrel Hill, wo die Synagoge steht, leben seinen Angaben zufolge rund 50 Prozent der im Großraum Pittsburgh ansässigen Juden. Finkelstein zeigte sich erschüttert: «So etwas sollte nicht passieren, nicht in einer Synagoge, nicht in unserem Viertel.»

US-Präsident Donald Trump forderte nach den tödlichen Schüssen von Pittsburgh schnellere Todesurteile für Mörder. «Sie sollten wirklich den ultimativen Preis zahlen», sagte Trump am Samstag über Menschen, die Gläubige in Gotteshäusern erschießen. «Sie sollten nicht Jahre über Jahre darauf warten.» Vizepräsident Mike Pence schloss sich der Auffassung an.

Der Präsident sprach sich zudem für bewaffnetes Sicherheitspersonal bei Gottesdiensten aus. «Ein Verrückter ging hinein und sie hatten keinen Schutz», sagte Trump über die Gemeindemitglieder. «Bewaffnete Posten hätten ihn sofort stoppen können.»

Der israelische Premierminister Benjamin Netanjahu verurteilte die Schüsse scharf. «Mein Herz ist gebrochen und ich bin angewidert von der mörderischen Attacke auf eine Synagoge in Pittsburgh», sagte Netanjahu in einem Video-Statement. «Das gesamte israelische Volk trauert mit den Familien der Toten.» Er sicherte den Betroffenen und Hinterbliebenen Unterstützung zu. «Wir stehen zusammen mit dem Amerikanischen Volk im Angesicht dieser furchtbaren antisemitischen Brutalität», sagte er. Der israelische Generalkonsul in New York, Dani Dayan, hatte zuvor erklärt, das Geschehen werde als innere Angelegenheit Israels betrachtet, auch wenn es Tausende Kilometer von Israel entfernt passiert sei.

Der Jüdische Weltkongress (WJC) zeigte sich schockiert. Bei dem Vorfall handele es sich um einen «abscheulichen Terrorakt», sagte WJC-Präsident Ronald Lauder laut Mitteilung am Samstag in New York. «Das war ein Angriff nicht nur auf die jüdische Gemeinde, sondern auf ganz Amerika.»

Die Schüsse von Pittsburgh sind der vorläufige Höhepunkt einer Reihe antisemitischer Straftaten in den vergangenen Jahren. In Europa gab es in den vergangenen zwei Jahrzehnten mehrere Anschläge auf jüdische Einrichtungen. Bei einem Terroranschlag auf eine Synagoge im tunesischen Djerba wurden 2002 21 Menschen getötet, darunter 12 Deutsche.

2012 griff ein Mann eine jüdische Schule in Toulouse an und ermordete drei Kinder, einen Lehrer und drei Soldaten. Der Angreifer starb dann im Kugelhagel der Polizei. Er hatte sich selbst als Al-Kaida-Anhänger bezeichnet. 2014 verübte ein Islamist einen Anschlag auf das Jüdische Museum in Brüssel, vier Menschen kamen ums Leben. In Paris tötete ein Islamist 2015 vier Menschen in einem jüdischen Supermarkt.


Mehr zum Thema:  

DWN
Politik
Politik Keiner traut sich Scholz die Wahrheit zu sagen: SPD ringt um Konsequenzen aus Wahl
17.06.2024

Nach dem desaströsen Wahlergebnis rumort es unter den Genossen. Niedersachsens Ministerpräsident Stephan Weil betont aber, der Kanzler...

DWN
Weltwirtschaft
Weltwirtschaft Abfindung in Kleinbetrieben: So setzen Sie Ihre Ansprüche durch!
17.06.2024

Warum ist der Kündigungsschutz in Kleinbetrieben weniger umfassend? Und welche Rolle spielen Abfindungen dabei? Ist es überhaupt...

DWN
Weltwirtschaft
Weltwirtschaft Chinas Exportillusion: Warum der Weg aus der Wirtschaftskrise nicht im Ausland liegt
17.06.2024

In nicht einmal einem Monat werden sich Wirtschaftslenker, führende Regierungsvertreter und Spitzen der Zivilgesellschaft und...

DWN
Finanzen
Finanzen Urlaub im Ausland: Große Preisunterschiede bei Hotels und Restaurants
17.06.2024

Urlaub in Südeuropa kann viel günstiger sein! Sparen Sie bis zu 55 Prozent bei Hotels und Restaurants im Vergleich zu Deutschland....

DWN
Technologie
Technologie BYD greift mit Plug-in-Hybriden den europäischen Markt an – Was bedeutet das für die Konkurrenz?
17.06.2024

Deutschland, das Autoland, bereit den Chinesen Kopfschmerzen, denn der Elektroautomarkt läuft nicht wie erwünscht für die...

DWN
Politik
Politik Rückkehr zur Wehrpflicht nicht durchsetzbar: Pistorius verzweifelt an Ampel-Koalition
17.06.2024

Bundesverteidigungsminister Boris Pistorius (SPD) hat lange überlegt, wie er Regierung und Bundestag von der Rückkehr zur Wehrpflicht...

DWN
Technologie
Technologie Elektronische Patientenakte: Pflicht ab 2025 – Chancen und Herausforderungen
17.06.2024

Seit Januar 2021 können alle gesetzlich Versicherten eine elektronische Patientenakte (ePA) nutzen. Ab 2025 wird sie verpflichtend. Kann...

DWN
Politik
Politik Rentenerhöhung: Endlich mehr Geld trotz anhaltender Inflation
16.06.2024

Die Renten in Deutschland steigen ab dem 1. Juli um 4,57 Prozent, gleich für Ost und West. Ursache sind ein stabiler Arbeitsmarkt und gute...