Politik

EZB-Stresstest: Deutsche und italienische Banken im Fokus

Lesezeit: 2 min
28.10.2018 10:16
Italienische und deutsche Banken stehen im Fokus des Interesses für die Ergebnisse des Stresstests der EZB.
EZB-Stresstest: Deutsche und italienische Banken im Fokus

Mehr zum Thema:  
Banken > EZB > NordLB >
Benachrichtigung über neue Artikel:  
Banken  
EZB  
NordLB  

Am kommenden Freitag erfahren die wichtigsten Banken Europas, wie sie beim diesjährigen Stresstest der Aufseher abgeschnitten haben. 48 Geldhäuser aus 15 EU-Ländern und Norwegen mussten sich der Belastungsprobe unterziehen. Aus der Euro-Zone waren 37 Banken dabei, alleine aus Deutschland acht. Durchfallen konnte bei dem Stresstest offiziell niemand. Rückschlüsse auf die Widerstandskraft jeder einzelnen getesteten Bank werden Experten und Öffentlichkeit dennoch ziehen können. Die EU-Bankenaufsicht EBA will wie bei früheren Übungen publizieren, wie sich der simulierte Stress auf Bankbilanzen und Kapitaldecke ausgewirkt hat.

Kritisch beäugt werden dürften wieder die italienischen Banken, die schon bei der letzten großen Prüfung vor zwei Jahren alles andere als gut aussahen. Doch auch die Ergebnisse von Deutscher Bank und NordLB werden Bankanalysten, Ratingexperten und andere Spezialisten genau unter die Lupe nehmen. Denn schließlich fiel die größte heimische Bank im Sommer beim Stresstest der US-Notenbank durch - als einziges Institut. Allerdings sind die Belastungsproben diesseits und jenseits des Atlantiks nur sehr eingeschränkt vergleichbar, wie es unter anderem vom Bankenverband BdB heißt.

Die Lage der NordLB bleibt ungewiss: Sie ging mit der dünnsten Kapitaldecke von allen deutschen Banken in den Stresstest. Ihr Problem: Ein Berg von faulen Schiffskrediten sorgte 2017 für einen Rekordverlust von fast zwei Milliarden Euro und auch für dieses Jahr erwartet man in Hannover rote Zahlen. Seit Monaten suchen die Träger - die Länder Niedersachsen, Sachsen-Anhalt und diverse Sparkassen - nach Wegen, die dünne Kapitaldecke der Bank aufzupolstern, auch mit Hilfe externer Investoren. Sechs Interessenten sind Finanzkreisen zufolge im Rennen - neben der Commerzbank und der Helaba mehrere Finanzinvestoren, die mit der Übernahmen den Sektor der öffentlichen Banken aufmischen könnten.

Mit Spannung werden die Ergebnisse für Italiens Banken erwartet. Der eskalierende Haushaltsstreit der Regierung in Rom mit der EU-Kommission hat sie bereits unfreiwillig ins Rampenlicht gezerrt. Denn an den Börsen sind im Zuge des Konflikts die Risikoaufschläge der italienischen Staatsanleihen zu vergleichbaren Bundestiteln zeitweise so hoch gestiegen wie zuletzt während der Euro-Schuldenkrise 2012. Volkswirten zufolge haben italienische Institute rund zehn Prozent ihrer Bilanzsumme in solche Staatspapiere angelegt. "Wenn sie an Wert verlieren, schlagen sie eine Delle in die Kapitalposition der Banken", warnte EZB-Präsident Mario Draghi unlängst.

Ratingagenturen haben bereits reagiert. Standard & Poor's (S&P) senkte am Freitag unter Verweis auf die Haushaltspläne der italienischen Regierung den Rating-Ausblick für das Land auf "negativ" von zuvor "stabil". Damit droht in einem nächsten Schritt die Herabstufung der Kreditwürdigkeit. Die Bewertung selbst blieb zunächst bei "BBB" und damit zwei Stufen über dem Ramschstatus. Moody's hatte das Land am 19. Oktober auf eine Stufe über dem Ramsch-Niveau heruntergestuft. Nach Einschätzung des Branchenverbands Assiom Forex müssten einige Banken bei ihren Aktionären um neues Kapital nachsuchen, sollte der Kursverfall der Staatsanleihen anhalten.

Die großen italienischen Geldhäuser haben zwar in den vergangenen Jahren einige Fortschritte beim Abbau fauler Kredite in ihren Bilanzen erzielt. Als Hinterlassenschaft der jahrelangen Finanzkrise schleppten sie Ende Juni aber immer noch rund 159 Milliarden Euro an solchen Wackelkrediten mit sich herum. Das drückt auf die Gewinne und bremst auch ihre Bereitschaft, neue Darlehen auszureichen. Vier italienische Institute nehmen diesmal an dem Stresstest teil. Neben den Großbanken Unicredit und Intesa Sanpaolo sind dies die Banco BPM und die UBI Banca. Nicht dabei ist diesmal allerdings Banca Monte dei Paschi di Siena. Das Institut aus der Toskana hatte 2016 beim Stresstest am schlechtesten von 51 geprüften Finanzhäusern abgeschnitten.

Für die griechischen Institute Alpha Bank, Eurobank, die National Bank of Greece (NBG) sowie die Piraeus Bank wurde die Belastungsprüfung vorgezogen. Die EZB wollte vor Ablauf des dritten Rettungsprogramms für das schuldengeplagte Land im August Klarheit über deren Lage erhalten. Das im Mai bekanntgegebene Ergebnis fiel glimpflich für sie aus: Der Test ergab, dass in einem Krisenszenario das harte Kernkapital der vier Banken bis 2020 zusammen um etwa 15,5 Milliarden Euro schrumpfen würde. Bei keinem der Institute wurde aber eine Kapitallücke festgestellt. Gut geht es Hellas Instituten allerdings noch längst nicht. Ende Juni lag der Anteil fauler Kredite in ihren Büchern noch bei fast 45 Prozent.

Inhalt wird nicht angezeigt, da Sie keine externen Cookies akzeptiert haben. Ändern..


Mehr zum Thema:  
Banken > EZB > NordLB >

DWN
Deutschland
Deutschland Corona-Beschlüsse: Bund und Länder verordnen harte Maßnahmen

Bund und Länder haben sich auf neue Maßnahmen für Dezember geeinigt. Lesen Sie die Einzelheiten hier.

DWN
Deutschland
Deutschland DWN Aktuell - Demonstrationen im Kreis Hildburghausen: Polizei setzt Tränengas ein, erste Anzeigen durch neues Infektionsschutzgesetz

Der Kreis Hildburghausen in Thüringen soll derzeit die bundesweit am stärksten von Corona betroffene Region sein. Gegen die dort...

DWN
Politik
Politik Reisen nur noch mit Corona-Impfung? Digitaler Gesundheitspass wird zur Realität

Alsbald soll beim internationalen Flugverkehr ein digitaler Gesundheitspass, der dann wegen der Corona-Krise als Impfpass dienen soll, zum...

DWN
Weltwirtschaft
Weltwirtschaft Die Weltwirtschaft wird sich bis 2025 nicht erholen

Eine Erholung der Weltwirtschaft dürfte bis zum Jahr 2025 nicht eintreten. Mit einer Aufhebung der Mobilitäts-Beschränkungen ist ab dem...

DWN
Politik
Politik Kanzlerin Merkel mahnt: „Es wird eine schwierige Zeit“

Bundeskanzlerin Angela Merkel stimmt das deutsche Volk im Verlauf der Corona-Pandemie auf schwere Zeiten ein.

DWN
Politik
Politik Blockade der Corona-Milliarden: Der Ton zwischen Brüssel, Warschau und Budapest wird rauer

Im Streit um die von Brüssel geforderte Verknüpfung der Auszahlung von Corona-Milliardenhilfen mit der „Rechtstaatlichkeit“ der...

DWN
Politik
Politik Lagebericht Syrien: Türkische Söldner in Hinterhalt gelockt, Israel greift Region Damaskus an

Kurdische Söldner sollen türkische Milizen am Dienstag in einen Hinterhalt gelockt haben. Israel griff syrischen Medienberichten zufolge...

DWN
Finanzen
Finanzen Neues Währungssystem: Pandemie begünstigt die Einführung des digitalen Dollars

Die Pandemie hat viele Zentralbanken davon überzeugt, dass sie digitale Währungen ausgeben müssen. Die US-Notenbank Fed will so schnell...

DWN
Weltwirtschaft
Weltwirtschaft Neueste Zahlen für die USA: Arbeitslosigkeit steigt, Wirtschaft zieht an

Daten zeichnen seit einigen Wochen ein zwiespältiges Bild von der wirtschaftlichen Lage Amerikas: während die Arbeitslosigkeit steigt,...

DWN
Deutschland
Deutschland Bürger in Not: Bis zu 110.000 Privatinsolvenzen im kommenden Jahr erwartet

Im kommenden Jahr wird die Zahl der Privatinsolvenzen nach zehn Jahren des Sinkens nach Einschätzung der Wirtschaftsauskunftei...

DWN
Politik
Politik Berlins Oberbürgermeister Müller meint über neue Corona-Situation: „Geht in vielen Bereichen um Leben und Tod“

Berlins Oberbürgermeister Michael Müller meint angesichts der jüngsten Corona-Beschränkungen: „Wir sind in einer Situation, wo es...

DWN
Politik
Politik Lockdown-Vorgabe für die Deutsche Bahn: Einzel-Reservierungen sind nur noch für Fensterplätze möglich

Aus den Beschlüssen des Lockdown-Gipfels geht hervor, dass Einzel-Reservierungen bei der Deutschen Bahn nur noch für Fensterplätze...

DWN
Finanzen
Finanzen So erfüllt sich Ihr Traum vom Eigenheim

Das Eigenheim als Altersvorsorge? Viele Deutsche träumen davon. Doch nur wenige besitzen hierzulande tatsächlich die Immobilie, die sie...

DWN
Unternehmen
Unternehmen Kein Licht am Ende des Tunnels: Jede elfte Firma sieht sich von Insolvenz bedroht

Die Corona-Krise sorgt zunehmend für Finanzprobleme bei Unternehmen. Über alle Branchen hinweg sieht sich nach einer Umfrage des...