Finanzen

Wirtschaft in Europa schraubt Erwartungen zurück

Lesezeit: 2 min
03.12.2018 11:37
Die Unternehmen in der Eurozone erwarten einen deutlichen Abschwung der Konjunktur.

Mehr zum Thema:  
Benachrichtigung über neue Artikel:  

Die Geschäfte der Industrie in der Euro-Zone sind im November so schwach gewachsen wie seit über zwei Jahren nicht mehr. Der Einkaufsmanagerindex fiel um 0,2 auf 52,0 Punkte, wie das Institut IHS Markit am Montag zu seiner monatlichen Umfrage unter Hunderten Firmen mitteilte. Das Barometer hielt sich zwar über der Wachstumsschwelle von 50, doch fiel es zugleich auf den tiefsten Stand seit August 2016.

"Die Hoffnungen, dass es sich lediglich um eine kurzfristige Delle handelt, werden konterkariert vom schlechtesten Ausblick auf die Geschäftsentwicklung der kommenden zwölf Monate seit der Staatsschuldenkrise 2012", sagte Markit-Chefvolkswirt Chris Williamson. "So wie es aussieht, stellen sich die Unternehmen auf eine anhaltend schwache Nachfrage ein."

Pessimistisch gestimmt sind die Manager nicht nur wegen Handelskonflikten und höheren Zöllen, sondern auch wegen der gestiegenen politischen Unsicherheit. "Mit der Folge, dass die Unternehmen in zunehmenden Maße Risiken scheuen und ihre Ausgaben, insbesondere Investitionen, gekürzt haben", erklärte Williamson. Den stärksten Nachfragerückgang meldeten im November die Hersteller von Investitionsgütern wie Anlagen und Maschinen.

Die deutsche Industrie kann sich dem Abwärtstrend nicht entziehen, im Gegenteil: Ihr Barometer fiel um 0,4 auf 51,8 Punkte und damit auf den schlechtesten Wert seit mehr als zweieinhalb Jahren. "Aufgrund der nach wie vor schwächelnden Automobilindustrie sowie der anhaltenden geopolitischen Spannungen verzeichneten die deutschen Industrieunternehmen erneut ein spürbares Minus im Auftragseingang, und zwar insbesondere bei den Exportordern", sagte Markit-Experte Phil Smith.

Im dritten Quartal war die deutsche Wirtschaftsleistung bereits aufgrund der Abschwächung in der Weltwirtschaft mit etwa 0,2 Prozent zurückgegangen.

Der deutschen Wirtschaft droht Ökonomen zufolge ein schwaches Jahr 2019. Das Bruttoinlandsprodukt dürfte dann nur noch um 1,2 Prozent wachsen und damit so langsam wie seit 2013 nicht mehr, sagen sowohl das arbeitgebernahe Institut der deutschen Wirtschaft (IW) als auch die Commerzbank-Volkswirte voraus. 2017 hatte es noch zu 2,2 Prozent gereicht, im zu Ende gehenden Jahr werden 1,5 Prozent erwartet. Die Bundesregierung rechnet sowohl für dieses als auch für nächstes Jahr mit 1,8 Prozent. "International droht weiterhin Ungemach: Der drohende Handelskonflikt, den die USA befeuern, und der Brexit bremsen die deutsche Konjunktur", sagte IW-Experte Michael Grömling am Montag. "Das trübt die Aussichten für 2019."

So gehen nur noch 23 Prozent der mehr als 2250 vom IW befragten Unternehmen im Exportgeschäft von einem Zuwachs aus. Im Frühjahr waren es noch 31 Prozent. Diese gedämpfte Zuversicht dürfte auf die Inlandskonjunktur überspringen. "Die Investitions- und Beschäftigungserwartungen haben sich ebenfalls merklich eingetrübt", so die IW-Forscher.

Treiber für die Konjunktur bleibt laut Commerzbank der private Konsum. Dieser sollte von der steigenden Beschäftigung und ordentlichen Lohnzuwächsen profitieren. Außerdem sorge die lockere Geldpolitik der Europäischen Zentralbank weiter für günstige Finanzierungsbedingungen, die auch die Bauinvestitionen beflügeln dürften.


Mehr zum Thema:  

DWN
Weltwirtschaft
Weltwirtschaft Die Beziehungen sind keine Einbahnstraße: Was China von Deutschland benötigt
22.06.2024

Wirtschaftsminister Robert Habeck (Grüne) besucht gerade China, um auf gut Wetter beim Thema Strafzölle zu machen - Stichtag in der EU...

DWN
Finanzen
Finanzen Erben und Vererben - steuerliche Aspekte im Überblick
22.06.2024

Erbschaften und Schenkungen sind in Deutschland nicht nur mit emotionalen, sondern auch mit steuerlichen Herausforderungen verbunden....

DWN
Weltwirtschaft
Weltwirtschaft Seltene Erden: Gigantisches Vorkommen in Norwegen entdeckt
22.06.2024

Im Süden Norwegens wurde ein bedeutender Rohstofffund gemacht. In einem urzeitlichen Vulkanschlot entdeckten Geologen das größte...

DWN
Unternehmen
Unternehmen Chinas Elektroriese BYD: Das Geheimnis des Erfolgs von Wang Chuanfu
22.06.2024

BYD hat Tesla als größten Hersteller von Elektroautos abgelöst, und hinter diesem Erfolg steht Wang Chuanfu. Während Elon Musk weltweit...

DWN
Weltwirtschaft
Weltwirtschaft OECD: Geburtenrate hat sich innerhalb von 60 Jahren halbiert
22.06.2024

Starker Geburtenrückgang: In Deutschland und anderen Ländern bekommen Frauen deutlich weniger Kinder als früher. Das hat gravierende...

DWN
Technologie
Technologie Fraunhofer-Institut: Elektro-Lastwagen bald wettbewerbsfähig
22.06.2024

Laut einer Studie des Fraunhofer-Instituts könnten Batterie-Lastwagen schon bald kostentechnisch mit Diesel-Lkw mithalten. Der Hauptfaktor...

DWN
Technologie
Technologie Digitalisierung im Gesundheitswesen lahmt weiterhin
22.06.2024

Obwohl in Deutschland das Gesetz zur Beschleunigung der Digitalisierung des Gesundheitswesens (Digital-Gesetz/DigiG) Ende 2023...

DWN
Politik
Politik Der Chefredakteur kommentiert: Keine Hausaufgaben mehr? Die Grünen und ihr verhängnisvoller Irrweg
21.06.2024

Liebe Leserinnen und Leser, jede Woche gibt es ein Thema, das uns in der DWN-Redaktion besonders beschäftigt und das wir oft auch...