Politik

EU will Abhängigkeit vom US-Dollar verringern

Die EU-Kommission will die Verwendung des Euro mit einem Programm weltweit fördern und die Rolle des Dollar beschränken.
05.12.2018 13:54
Lesezeit: 1 min

Die EU-Kommission will die Abhängigkeit Europas vom US-Dollar verringern. Sie startete am Mittwoch eine Initiative, um die "weltweite Rolle des Euro" zu stärken. Brüssel will dazu Gespräche mit Marktteilnehmern im Bereich der Einfuhr von Öl und Gas starten, wo bisher weitgehend in Dollar gezahlt wird. Auch beim Einkauf von Rohstoffen, Nahrungsmitteln und Flugzeugen will die Kommission "mögliche Aktionen zur Förderung der Nutzung des Euro" prüfen.

Die EU-Behörde startet dazu demnächst eine Befragung der Marktteilnehmer. Die Ergebnisse will sie im Sommer kommenden Jahres zusammenfassen und Schlüsse ziehen.

Weltweit ist der Euro schon jetzt die zweitwichtigste Währung hinter dem US-Dollar und hat im internationalen Zahlungsverkehr stark aufgeholt. Sein Anteil an internationalen Zahlungen lag laut Kommission 2017 bei 36 Prozent. Der Dollar kam demnach auf 40 Prozent. Bei Devisenreserven stand der Euro jedoch nur bei rund 20 Prozent, der Dollar dagegen bei 60 Prozent.

Dominant ist der Dollar vor allem bei Geschäften im Energiebereich. "Die EU ist der größte Energieimporteur der Welt", erklärte EU-Energiekommissar Miguel Arias Cañete. Sie gebe pro Jahr rund 300 Milliarden Euro für Einfuhren von Öl und Gas aus. 85 Prozent davon werden in Dollar gezahlt.

Diese Abhängigkeit von der US-Währung bringe für Europa "Unsicherheiten, Risiken und Kosten mit sich", erklärte die Kommission. Für Cañete könnte eine stärkere Nutzung des Euro auch "das Risiko von Versorgungsunterbrechungen verringern und die Autonomie europäischer Firmen stärken".

Die Kommission verwies aber darauf, "dass die Nutzung einer Währung letztlich von den Marktteilnehmern getroffen wird". Es sei auch nicht Ziel der Initiative, "in die wirtschaftliche Freiheit einzugreifen oder die Wahlmöglichkeiten zu beschränken".

Eine stärkere Rolle des Euro könne aber auch die Widerstandsfähigkeit der internationalen Finanzmärkte stärken, argumentiert Brüssel. Als "zusätzliche Option" bei den Währungen könne die Gemeinschaftswährung die Weltwirtschaft "weniger verletzlich für Schocks machen".

Für europäische Haushalte und Firmen könne eine größere Rolle des Euro als Reservewährung auch niedrigere Zinsen bedeuten, erklärte die Kommission. Bei Unternehmen könne der Einsatz des Euro zudem das Risiko verringern, von juristischen Schritten aus Drittstaaten zur Durchsetzung von Sanktionen getroffen zu werden. Genannt wurden dabei auch die wiedereingeführten US-Sanktionen nach der Aufkündigung des Atomabkommens mit dem Iran.

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