Aufsicht beruhigt: Lage der US-Banken ist stabil

 

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04.01.2019 02:06
Die US-Aufsicht versucht, die Märkte wegen der Lage der US-Banken zu beruhigen. An den Börsen zeigte die Meldung allerdings keine Wirkung.
Aufsicht beruhigt: Lage der US-Banken ist stabil

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Die US-Einlagensicherung FDIC macht sich nach eigenen Angaben trotz der jüngsten Verwerfungen an der Wall Street keine Sorgen um die Verfassung amerikanischer Banken. "Die jüngsten Bewegungen am Markt haben uns keinerlei Grund zur Besorgnis gegeben", sagte die Chefin der Aufsichtsbehörde, Jelena McWilliams, am Donnerstag der Nachrichtenagentur Reuters. "Nichts von dem, was im Dezember passiert ist, hat uns beunruhigt."

Erst zu Weihnachten hatte US-Finanzminister Steven Mnuchin bei den Banken die Liquiditätslage abgefragt. Die US-Regierung braucht wegen der Wahlversprechen von Präsident Trump erhebliche Summen zur Finanzierung.

Das jüngsten Negativ-Botschaften aus der US-Wirtschaft lassen am Finanzmarkt Zweifel aufkommen, ob die US-Notenbank die Zinsen wie geplant weiter anheben wird. Die Rendite der zweijährigen US-Staatsanleihen fiel am Donnerstag erstmals seit 2008 unter den derzeitigen effektiven US-Zinssatz von 2,4 Prozent. "Das ist eine große Sache", sagte Ian Lyngen, US-Zinsexperte bei BMO Capital Markets, der Agentur Reuters. "Der Markt sagt der Fed damit, dass sie irgendwann in den kommenden 24 Monaten nicht nur ihren Zinserhöhungskurs stoppen muss, sondern sogar aktiv mit Zinssenkungen beginnen muss."

Zu dem Rendite-Rutsch und dem erneuten Kursrückgang am US-Aktienmarkt hatten am Donnerstag ein verfehltes Umsatz-Ziel von Apple und unerwartet schwache US-Konjunkturdaten beigetragen. Schon in den vergangenen Wochen standen die Märkte unter Druck, auch angesichts von Sorgen über den Zustand der US-Wirtschaft.

Die US-Notenbank hat die Zinsen 2018 viermal angehoben auf die aktuelle Spanne von 2,25 bis 2,5 Prozent. Für das laufende Jahr hat sie zwei weitere Anhebungen angekündigt.

Der US-Aktienmarkt hat 2018 erstmals seit einer Dekade Verluste hinnehmen müssen. Besonders im Dezember war es zeitweise steil bergab gegangen. Die USA sind seitdem darauf bedacht, keinen Zweifel an der Stärke ihrer Banken aufkommen zu lassen. So hatte am Mittwoch das Büro der US-Bankenaufsicht OCC mitgeteilt, die US-Geldhäuser seien gut aufgestellt, um noch schlechtere Marktbedingungen zu verkraften. Finanzminister Steven Mnuchin hatte bereits vor eineinhalb Wochen gesagt, er habe mit den Chefs der sechs größten US-Banken telefoniert und diese hätten erklärt, genug Geld für die Kreditvergabe zur Verfügung zu haben.

US-Präsident Donald Trump hatte am Mittwoch den jüngsten Kursrutsch am US-Aktienmarkt als "Panne" bezeichnet und gesagt, sobald die verschiedenen Handels-Verträge der USA mit anderen Ländern unterschrieben seien, werde es an den Märkten wieder bergauf gehen.

Mit schwachen Umsätzen im wichtigen Weihnachtsgeschäft hat Apple am Donnerstag die Anleger weltweit verschreckt. Außerdem drückten maue US-Konjunkturdaten auf die Stimmung. Die US-Industrie verlor überraschend deutlich an Schwung und schürte damit unter Investoren Sorgen um die Wirtschaft. "Die Rezessionsängste verstärken sich zu Beginn des neuen Jahres", sagte Analyst Jochen Stanzl vom Online-Broker CMC Markets.

Der Dow-Jones-Index der Standardwerte schloss 2,8 Prozent tiefer auf 22.686 Punkten. Der breiter gefasste S&P-500 sank um 2,5 Prozent auf 2447 Zähler. Der Index der Technologiebörse Nasdaq verringerte sich um drei Prozent auf 6463 Stellen. Alle drei Indizes schlossen nur knapp über ihren Tages-Tiefs.

Dax und EuroStoxx50 gingen jeweils etwa eineinhalb Prozent tiefer auf 10.416,66 beziehungsweise 3958,27 Punkten aus dem Handel.

Der Einkaufsmanager-Index für die US-Industrie fiel im Dezember auf 54,1 Punkte von 59,3 im Vormonat. Derart stark war das Barometer seit Oktober 2008 nicht mehr eingebrochen. Es liegt nun auf dem niedrigsten Niveau seit November 2016.

Bei Apple blieb der Umsatz im abgelaufenen Quartal mehrere Milliarden Dollar unter dem selbstgesteckten Ziel. Grund hierfür sei unter anderem ein enttäuschender iPhone-Absatz in China. Dies passe in das Bild einer Konjunkturabschwächung in der Volksrepublik, sagte Marktanalyst Milan Cutkovic vom Brokerhaus AxiTrader. Apple-Aktien brachen zehn Prozent ein. Zudem trennten sich Investoren auch von Firmen, deren Geschäft stark von der weltweit zweitgrößten Volkswirtschaft abhängt. Die Titel des Airbus-Rivalen Boeing und des Baumaschinen-Herstellers Caterpillar verloren jeweils fast vier Prozent.

Die Papiere von Celgene gewannen dagegen fast 21 Prozent. Der Pharmakonzern Bristol-Myers Squibb will die Biotechfirma für 74 Milliarden Dollar übernehmen. Bristol-Titel brachen um rund 13 Prozent ein.

Ein Quartalsumsatz unter Markterwartungen brockte Delta Air Lines einen Kurssturz ein. Die Aktien der US-Fluggesellschaft fielen fast neun Prozent.

An der New York Stock Exchange wechselten rund 1,01 Milliarden Aktien den Besitzer. 1546 Werte legten zu, 2160 gaben nach und 158 blieben unverändert. An der Nasdaq schlossen bei Umsätzen von 2,57 Milliarden Aktien 937 im Plus, 2135 im Minus und 145 unverändert.

Die US-Kreditmärkte waren als sicherer Hafen gefragt und legten zu. Die zehnjährigen Staatsanleihen gewannen 29/32 auf 104-29/32. Die Rendite sank auf 2,5587 Prozent. Der 30-jährige Bond erhöhte sich um 1-15/32 auf 109-7/32 und rentierte mit 2,9107 Prozent.

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