Politik

USA drohen an Nord Stream 2 beteiligten Firmen mit Sanktionen

Der US-Botschafter in Deutschland droht Firmen, die am Pipeline-Projekt Nord Stream 2 arbeiten, mit Sanktionen.
09.01.2019 17:18
Lesezeit: 2 min

Die USA drohen Spezialfirmen, die am Pipeline-Projekt Nord Stream 2 arbeiten, mit Sanktionen: Unternehmen, die sich an dem Projekt beteiligen, seien "immer in Gefahr, da Sanktionen durchaus möglich sind", sagte der US-Botschafter in Deutschland, Richard Grenell, dem Handelsblatt vom Montag. Die Zeitung zitierte Branchenkreise, wonach solche Strafmaßnahmen einen "neuralgischen Punkt" träfen: "Es dürfte so gut wie unmöglich sein, adäquaten Ersatz zu finden."

Nord Stream 2 soll ab Ende 2019 russisches Gas durch die Ostsee nach Deutschland transportieren. Die Bauarbeiten haben bereits begonnen. Die USA hätten Spezialfirmen ins Visier genommen, die die Leitung auf dem Grund der Ostsee verlegen, berichtete das Handelsblatt unter Berufung auf deutsche und US-Regierungskreise.

Betroffen wären demnach die Allseas Group mit Sitz im schweizerischen Châtel-Saint-Denis sowie das italienische Unternehmen Saipem aus der Nähe von Mailand. Allseas verlege über 90 Prozent der Pipeline-Rohre, zitierte das Handelsblatt Branchenkreise. Saipem dagegen habe seinen Teil der Arbeit bereits erledigt.

Im Rahmen der Nord Stream 2 AG kooperieren ENGIE, OMV,Uniper, Wintershall und Shell. Auf Nachfrage, wie die Aussagen des US-Botschafters Richard Grenell einzuschätzen sind, verwies ein Sprecher von Shell auf die Nord Stream 2 AG.

Ein Sprecher der Nord Stream 2 AG sagte den Deutschen Wirtschaftsnachrichten: "Als Projektentwickler können wir diese politischen Statements nicht kommentieren. Das Nord Stream 2-Projekt wird auf der Basis der Genehmigungen von vier Ländern und dem darin implementiertem nationalen sowie internationalen Recht umgesetzt."

Der Finanzvorstand von Uniper, Christopher Delbrück, sagte den Deutschen Wirtschaftsnachrichten: "Trotz anhaltender Kritik macht auch das Projekt Nord Stream 2 kontinuierlich Fortschritte. In den deutschen und finnischen Gewässern sind inzwischen über 100 Kilometer Rohre für die Erdgaspipeline verlegt worden. Das Projekt bewegt sich im Zeitplan. Die Verlegung ist in allen Ländern genehmigt – bis auf Dänemark. Die Opposition aus den USA gegen das Projekt sowie die Sanktionsmaßnahmen gegen Russland halten derweil an. Wir beobachten die Risiken hier weiterhin genau. Bis Ende September 2018 hat Uniper rund 500 Millionen Euro zur Finanzierung des Projektes zur Verfügung gestellt."

Ein Sprecher des Bundeswirtschaftsministeriums führte aus: "Die Verhandlungen zwischen EU-Kommission, Russland und Ukraine zum Thema Gastransit laufen derzeit noch. Zu möglichen US-Sanktionen gegen Nord Stream 2 liegen uns keine neuen Erkenntnisse vor."

Ein Sprecher der EU-Kommission sagte: " Die Kommission hat ihren Standpunkt zu Nord Stream 2 mehrfach dargelegt, dieser Standpunkt gilt unverändert. Die Kommission möchte sicherstellen, dass Nord Stream 2, wenn es gebaut wird, transparent und diskriminierungsfrei arbeitet und ein angemessenes Maß an Regulierungsaufsicht hat, im Einklang mit den Grundprinzipien des internationalen und EU-Energierechts."

US-Präsident Donald Trump hat wiederholt gewarnt, Deutschland werde "total abhängig von russischer Energie". Er wirft den Deutschen vor, Russland Milliarden für Gaslieferungen zu zahlen und sich dann von den USA vor Moskau verteidigen zu lassen. In Berlin und Brüssel gibt es aber schon länger den Verdacht, dass Washington auch einen Absatzmarkt für seine wachsenden Schiefergasvorkommen sucht. Wegen der Transportkosten über den Atlantik ist das US-Gas bisher aber nicht konkurrenzfähig.

Scharfe Kritik an der Pipeline kommt auch aus Polen. Außenminister Jacek Czaputowicz forderte erneut den Stopp der Bauarbeiten. Die Pipeline zerstöre den Effekt der EU-Sanktionen gegen Russland und bedrohe die Unabhängigkeit der Ukraine. "Wenn der russische Gas-Transit durch die Ukraine wegfällt, verliert das Land nicht nur erhebliche Einnahmen, sondern vor allem die Garantie eines Schutzes vor weiteren russischen Aggressionen."

Mehr zum Thema
article:fokus_txt
X

DWN Telegramm

Verzichten Sie nicht auf unseren kostenlosen Newsletter. Registrieren Sie sich jetzt und erhalten Sie jeden Morgen die aktuellesten Nachrichten aus Wirtschaft und Politik.
E-mail: *

Ich habe die Datenschutzerklärung gelesen und erkläre mich einverstanden.
Ich habe die AGB gelesen und erkläre mich einverstanden.

Ihre Informationen sind sicher. Die Deutschen Wirtschafts Nachrichten verpflichten sich, Ihre Informationen sorgfältig aufzubewahren und ausschließlich zum Zweck der Übermittlung des Schreibens an den Herausgeber zu verwenden. Eine Weitergabe an Dritte erfolgt nicht. Der Link zum Abbestellen befindet sich am Ende jedes Newsletters.

DWN
Finanzen
Finanzen Saab-Aktie: Neue Drohnenkiller-Rakete Nimbrix soll den Markt revolutionieren
31.08.2025

Saab hat eine neue Waffe entwickelt, die Drohnen und ganze Schwärme zerstören soll. Mit dem Projekt „Nimbrix“ hofft der...

DWN
Wirtschaft
Wirtschaft Zwischen Stagnation und Rezession: Was es konkret heißt, dass die deutsche Wirtschaft schrumpft
31.08.2025

Deutschlands Wirtschaft steckt weiter fest: Das Bruttoinlandsprodukt schrumpft stärker als erwartet, die Rezession dauert an. Während...

DWN
Immobilien
Immobilien House Flipping: Wie Sie mit sanierungsbedürftigen Objekten Geld machen können
31.08.2025

Der USA-Trend findet auch hierzulande immer mehr Anklang: Beim House Flipping geht es darum, möglichst günstig Immobilien zu erwerben,...

DWN
Technologie
Technologie Fachkräftemangel? Roboter bauen schon heute Häuser – schneller, günstiger, sicherer
31.08.2025

Die Baustelle der Zukunft: Roboter, Drohnen und autonome Helfer übernehmen Aufgaben rund um den Bau – präzise, effizient und 24 Stunden...

DWN
Politik
Politik Was will Trump, der „amerikanische Erdogan“?
31.08.2025

Donald Trump greift die Fed und Amerikas Institutionen frontal an – mit Folgen, die weit über die USA hinausreichen. Droht Europa ein...

DWN
Politik
Politik Trump-Krise: Rebellion im Herzen der MAGA-Bewegung
31.08.2025

Donald Trump sieht sich mit der größten internen Rebellion seiner Amtszeit konfrontiert. Der Epstein-Skandal droht, seine Machtbasis in...

DWN
Immobilien
Immobilien Immobilienerwerb: Umfrage offenbart Wissenslücken beim Immobilienkauf
31.08.2025

Der Kauf eines Hauses oder einer Wohnung kann schnell Hunderttausende Euro kosten, doch viele Menschen kennen wichtige Bedingungen nicht....

DWN
Finanzen
Finanzen Polen setzt auf Atomenergie: Orlen verspricht den Bau des ersten SMR-Reaktor Europas
31.08.2025

Polen baut Europas ersten Small Modular Reactor (SMR) vom Typ BWRX-300. Während Warschau auf Kernkraft setzt, könnte Deutschland bald...