Berlin: Tausende Schüler schwänzen Unterricht für ‚Klimaschutz‘

Lesezeit: 2 min
25.01.2019 11:01
Vor der entscheidenden Sitzung der Kommission zum geplanten Ausstieg aus der Kohlekraft mobilisiert eine bislang unbekannte Organisation tausende Schulschwänzer, um öffentlich Druck für den Kohle-Ausstieg aufzubauen.
Berlin: Tausende Schüler schwänzen Unterricht für ‚Klimaschutz‘

Zur womöglich entscheidenden Sitzung der Kohlekommission am Freitag in Berlin - welche auf Wunsch der Bundesregierung einen Fahplan für den Ausstieg aus der Kohlekraft erarbeiten soll - sind nach erstem Angaben der Initiatoren des Aktionsnetzwerks Fridays for Future kamen bis zu 4500 junge Menschen aus ganz Deutschland zusammengekommen.

Zudem wollten die Vertreter der Organisation nach eigenen Angaben mit Mitgliedern der Kohlekommission zusammenkommen, die über die Zukunft der Kohleverstromung in Deutschland entscheiden soll. Die Schüler wollten einen offenen Brief übergeben, in der sie eindringlich zu einem schnellstmöglichen Kohleausstieg aufrufen.

Bereits am vergangenen Freitag beteiligten sich laut Fridays for Future mehr als 25.000 Schüler in Deutschland an Streiks und schwänzten die Schule. Inzwischen gibt es angeblich hundert Ortsgruppen der Organisation. Wer die Organisation steuert und finanziert, ist nicht klar. In den meisten Medien wird geschrieben, dass die Schüler angeblich von der 16-jährigen schwedischen Aktivistin Greta Thunberg inspiriert werden.

Auffallend ist, dass die Bewegung auftauchte, als die Kohle-Kommission bei ihren Verhandlungen um einen Ausstieg aus der Kohlekraft in die Phase konkreter Entscheidungen trat.

Thunberg war am Freitag am Weltwirtschaftforum in Davos. Dort sagte sie: „Ich will, dass ihr handelt, als wenn euer Haus brennt, denn das tut es“, berichtet die dpa. „Ich will eure Hilfe nicht, ich will nicht, dass ihr ohne Hoffnung seid. Ich will, dass ihr in Panik geratet, dass ihr die Angst spürt, die ich jeden Tag spüre.“

Bundeswirtschaftsminister Peter Altmaier (CDU) hat Verständnis für die streikenden Schüler geäußert, die am Freitag vor seinem Ministerium in Berlin demonstrieren wollen, berichtet AFP. "Ich werde mit den Beteiligten reden und auf sie zugehen", sagte Altmaier dem Spiegel am Rande des Weltwirtschaftsforums in Davos. Er freue sich immer, wenn "gerade junge Menschen vom Demonstrationsrecht Gebrauch machen". Der Minister fügte hinzu: "Ob sie das während der Schulzeit tun müssen, sollen sie mit ihren Lehrern klären."

Brandenburgs Ministerpräsident Dietmar Woidke hat zum Auftakt der entscheidenden Sitzung der Kohlekommission hingegen auf die Gefahr stark steigender Strompreise hingewiesen. Dies sei die Konsequenz, wenn man auf den günstigen Energieträger Kohle verzichte, sagte der SPD-Politiker am Freitag in der ARD. "Und wir müssen dann die Ehrlichkeit haben zu sagen, er wird auf 35, 40 oder sogar 50 Cent steigen." Die Strompreise in Deutschland haben inzwischen ein Allzeithoch erreicht.

Für die Umweltschutzorganisation Greenpeace bekräftigte Martin Kaiser im SWR, der Kohleausstieg sei wichtig für den Klimaschutz. Ein Fortschreiten der Erderwärmung hätte katastrophale Folgen für Landwirtschaft und Umwelt und würde die weltweiten Fluchtbewegungen verstärken.

Die Kohlekommission der Bundesregierung tagt seit Freitagmorgen im Bundeswirtschaftsministerium. Daneben sollen die Vertreter von Industrie, Gewerkschaften, Wissenschaft und Umweltverbänden auch den konkreten Weg zum Ausstieg beraten. Im Entwurf für den Abschlussbericht sind bereits milliardenschwere Hilfen für den Strukturwandel, Entschädigungen für Kraftwerksbetreiber sowie der Schutz vor höheren Stromkosten für Industrie und Verbraucher verankert. Im Gegenzug verlangen Umweltgruppen ein Enddatum um das Jahr 2030.

Stein- und Braunkohlekraftwerke sicherten 2018 mehr als ein Drittel der Stromerzeugung in Deutschland. Es folgt eine Übersicht über die Bedeutung des Brennstoffs für Versorger in Deutschland.

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