Finanzen

Stromanbieter BEV meldet Insolvenz an

Lesezeit: 2 min
31.01.2019 13:45
Der Stromanbieter BEV ist insolvent. Das Unternehmen war in der Vergangenheit mehrfach in die Kritik geraten.
Stromanbieter BEV meldet Insolvenz an

Mehr zum Thema:  
Benachrichtigung über neue Artikel:  
Energie  

Die Pleite des Energieversorgers BEV könnte dazu führen, dass Kunden auf Ansprüchen gegenüber dem insolventen Unternehmen sitzenbleiben - Sorgen vor einem Abschalten ihrer Anschlüsse sind aber unbegründet. "Kunden brauchen keine Angst zu haben, plötzlich im Dunklen oder Kalten zu sitzen", betonte Katja Henschler von der Verbraucherzentrale Sachsen am Mittwoch. Die Verbraucher erhielten "ab sofort" Strom vom örtlichen Grundversorger, der laut Gesetz zu einer lückenlosen Weiterversorgung in der so genannten Ersatzversorgung verpflichtet ist.

Verbraucher, die Ansprüche aus nicht bezahlten Boni oder Guthaben gegenüber der BEV hätten, können nach Angaben der Verbraucherzentrale "momentan nur hoffen", dass sie das Geld ausbezahlt bekommen. Sofern das Insolvenzverfahren eröffnet werde, bleibe den Kunden nur die Anmeldung der Ansprüche zur Insolvenztabelle. Dort können alle Gläubiger - also auch Geldgeber des Unternehmens oder Mitarbeiter - ihre Ansprüche anmelden.

Die Bayerische Energieversorgungsgesellschaft (BEV) hatte am Mittwochabend mitgeteilt, dass sie bereits am vergangenen Freitag einen Antrag auf Eröffnung eines Insolvenzverfahrens gestellt hatte. Das Amtsgericht München ordnete daraufhin ein vorläufiges Insolvenzverfahren an und bestellte einen vorläufigen Insolvenzverwalter.

Als Grund gab das Unternehmen an, dass die zuletzt gestiegenen Energie-Beschaffungskosten den Versorger "in Schwierigkeiten" gebracht hätten. Die Verbraucherzentrale Sachsen vermutet indes, dass happige Preiserhöhungen vor dem Jahreswechsel zu einer massiven Abwanderung von Kunden führten.

BEV habe den Grundpreis im Dezember "um beinahe 100 Prozent" erhöht - und infolge von Kündigungen wohl viele Kunden verloren, erklärte Henschler. Ähnliche Fälle aus der Vergangenheit ließen nun vermuten, dass Kunden mit "verschleppten Jahresrechnungen, fehlenden Boni- oder Guthabenauszahlungen und unscheinbaren Preiserhöhungen" konfrontiert werden könnten.

Bestünden Forderungen der BEV gegenüber Kunden, sollten diese die Rechnung zunächst genau prüfen, raten die Verbraucherschützer. In jedem Fall sollten Rechnungsbeträge nicht mehr gegenüber der BEV gezahlt werden, sondern allenfalls auf das Konto des vorläufigen Insolvenzverwalters.

Die BEV richtete unter www.bev-inso.de eine Website ein, auf der Fragen zum Stand des Verfahrens beantwortet werden. Dort hieß es am Donnerstag unter anderem, dass für Kunden der nächste Lastschrifteinzug für den Monat Februar 2019 "nicht mehr erfolgen" werde und die BEV "insolvenzbedingt" ihren Zahlungsverpflichtungen etwa zur Erstattung von Guthaben nicht nachkommen könne.

Der Energieversorger Eon teilte mit, dass allein seit Anfang Januar "bereits mehr als 10.000 betroffene Kunden" der BEV zu Eon gewechselt seien. Von den Turbulenzen um die BEV sind in Deutschland demnach mehrere zehntausende Kunden betroffen, viele davon in Bayern, aber auch in Mittel- und Norddeutschland.

"Bereits in den vergangenen Jahren kam es auf dem Energiemarkt durch Insolvenzen von Billig-Anbietern wie Care Energy, Teldafax, Flexstrom und zuletzt im Dezember der Deutschen Energie GmbH zu Verunsicherungen", erklärte Eon.

Die Verbraucherzentrale Sachsen rät Kunden, bei der Wahl des Anbieters "nicht immer auf das scheinbar günstigste Angebot" zu springen und sich von Bonuszahlungen nicht zu einem überstürzten neuen Stromvertrag verlocken zu lassen. Verbraucher sollten stattdessen alle Konditionen genau prüfen und verschiedene Anbieter vergleichen.

Inhalt wird nicht angezeigt, da Sie keine externen Cookies akzeptiert haben. Ändern..


Mehr zum Thema:  

DWN
Unternehmen
Unternehmen Weniger Administration, mehr Weiterentwicklung: Digitale bAV-Verwaltung für mehr „Human“ im HR

Was macht einen Arbeitsplatz attraktiver als andere. Sicherlich mehr als nur das monatliche Gehalt. Langfristiges Denken kann sich für...

DWN
Weltwirtschaft
Weltwirtschaft Energie-Krise und Lieferengpässe: Wer sind die Profiteure?

Mittelstand und Verbraucher zahlen die Zeche für Energie- und Lieferkrise. Doch es gibt auch Profiteure.

DWN
Finanzen
Finanzen Ist Bitcoin digitales Gold?

Das Weltwährungssystem gerät zunehmend in Bedrängnis – selbst Gold ist in Verruf geraten. Bitcoin springt in die Bresche und zeigt –...

DWN
Politik
Politik DWN-INTERVIEW: Polnischer Vize-Außenminister: "Lukaschenko will uns alle in Europa gegeneinander ausspielen"

Polen sieht sich einem Flüchtlingsstrom gegenüber, gleichzeitig verschlechtert sich das Verhältnis zur EU massiv - mittlerweile...

DWN
Finanzen
Finanzen So schützen sich Hauskäufer vor dem Platzen der Immobilienblase

Die Wohnimmobilienpreise steigen derzeit so kräftig wie nie. Doch damit könnte bald Schluss sein. Experten mahnen zur Vorsicht beim...

DWN
Politik
Politik Merkel Abschiedsbesuch bei Erdogan: Die Staats-Chefs necken sich - und finden warme Worte füreinander

Bundeskanzlerin Angela Merkel hat voraussichtlich zum letzten Mal den türkischen Präsidenten Recep Tayyip Erdogan besucht.

DWN
Deutschland
Deutschland Antifa-Kämpfer greifen Corona-Demonstranten an, schlagen 65-Jährigen fast tot: Mehrjährige Haftstrafen

Das Stuttgarter Landgericht hat zwei Antifa-Kämpfer zu mehrjährigen Haftstrafen verurteilt.

DWN
Technologie
Technologie Ein merkwürdiges Gespann: Was bahnt sich zwischen VW und Tesla an?

VW in Person von Vorstands-Chef Herbert Diess und Tesla in Person von CEO Elon Musk loben sich gegenseitig überschwenglich - um sich fast...

DWN
Politik
Politik CORONA-TICKER: Wissenschaftliche Gesellschaft empfiehlt Impfung für Kinder und Jugendliche "allgemein und uneingeschränkt"

Im Folgenden lesen Sie den Corona-Ticker für Sonnabend, den 16. Oktober, den wir selbstverständlich laufend für Sie aktualisieren.