Finanzen

Sparkassen: Präsident fordert Sparkassen-Zentralbank

Lesezeit: 2 min
05.02.2019 17:22
Der Präsident der Sparkassen, Helmut Schleweis, fordert eine Verschmelzung der Sparkassen in Deutschland.

Mehr zum Thema:  
Benachrichtigung über neue Artikel:  

Sparkassen-Präsident Helmut Schleweis wirbt trotz massiven Widerstands weiter für eine Super-Landesbank. "Wir brauchen eine Sparkassen-Zentralbank", sagte Schleweis am Montagabend im Internationalen Club Frankfurter Wirtschaftsjournalisten (ICFW). Durch die fünf Landesbanken gebe es zu viele Doppelungen. "An den wichtigen Auslandsstandorten wie Singapur oder New York haben wir fünf Filialen, da reicht eine."

Die regionale Nähe der Landesbanken biete nicht mehr die Vorteile, die sie vielleicht in der Vergangenheit gehabt habe. "Wenn Zeiten sich ändern, muss man sich anpassen", forderte Schleweis. "Wir können zum einen Synergien im großen Umfang heben und wir können zum anderen Risiken abbauen."

Bei einigen wichtigen Entscheidungsträgern stößt Schleweis aber bisher auf Widerstand. So hatten das Land Baden-Württemberg und die Stadt Stuttgart, die zusammen die Mehrheit an der LBBW besitzen, Kritik an den Plänen des Sparkassen-Präsidenten geübt. Die "große Mehrzahl" der Sparkassen stehe aber hinter seinem Vorschlag, behauptet Schleweis. Bei anderen müsse er noch Überzeugungsarbeit leisten. "Aber ich glaube, dass es durchaus gelingen kann." Zu den konkreten Schritten auf dem "schwierigen Weg" zu einem Sparkassen-Zentralinstitut schwieg Schleweis ebenso wie zum möglichen Zeitplan.

Überzeugungsarbeit muss Schleweis auch in Brüssel leisten, wo die EU-Kommission die Rettung der NordLB genehmigen muss. "Da viel öffentliches Geld dabei ist, ist das eine gewisse Herausforderung", sagte Schleweis. Die Eigentümer müssen den Wettbewerbshütern unter anderem darlegen, dass das Geschäftsmodell einer geschrumpften NordLB bestehen kann. Welche konkreten Vorschläge man in Brüssel mache, bespreche man noch unter den Trägern. Die Eigentümer arbeiteten hart daran, und er sei optimistisch, grünes Licht zu erhalten.

Wenn eine Lösung für die NordLB gefunden werde, sei es widersinnig, wenn sie bei einer künftigen Landesbanken-Konsolidierung nicht dabei sein sollte, sagte Schleweis. Dabei könnte jedoch Widerstand des Miteigentümers Niedersachsen drohen. Niedersachsens Finanzminister und NordLB-Aufsichtsratschef Reinhold Hilbers hatte vergangene Woche zwar erklärt, Niedersachsen stehe bereit, mit der künftigen NordLB einen Beitrag zur Konsolidierung des Landesbankensektors zu leisten. Er stellte aber klar: "Eines ist sicher, dass wir uns nicht filetieren lassen."

Die Zahlen der fast 400 Sparkassen in Deutschland für 2018 seien "sehr zufriedenstellend", sagte Schleweis. "Das Jahresergebnis liegt im bisherigen Bereich." Die Sparkassen seien sowohl bei den Einlagen als auch im Kreditgeschäft stark gewachsen. Die Zinsspanne sei weiterhin leicht rückgängig, aber bei weitem nicht so stark wie prognostiziert. Das Provisionsergebnis sei leicht gestiegen, die Kosten verharrten auf dem bisherigen Niveau. Die Kostensteigerungen durch höhere Löhne seien durch Personalabbau aufgefangen worden. Auch für Kreditausfälle habe man keine größeren Rückstellungen treffen müssen. Die Gruppe sei für einem möglichen Konjunkturabschwung ganz gut gerüstet. "Die Sparkassen haben ihr Eigenkapital in den letzten zehn Jahren verdoppelt", sagte Schleweis.

 


Mehr zum Thema:  

DWN
Unternehmen
Unternehmen Liquidität: Baubranche leidet unter übler Zahlungsmoral der Behörden
18.06.2024

Die deutsche Baubranche kämpft neben der Wohnungsbau-Krise vor allem mit der schlechten Zahlungsmoral der öffentlichen Hand. Ausgerechnet...

DWN
Politik
Politik Umfrage Thüringen-Wahl: AfD und BSW bei fast 50 Prozent - schwierige Regierungsbildung droht
18.06.2024

Rund zweieinhalb Monate vor der Thüringen-Wahl zeigt sich eine schwierige Regierungsbildung. In einer aktuellen Umfrage des Instituts...

DWN
Weltwirtschaft
Weltwirtschaft Rockwell Automation: Cybersicherheit dominiert Prioritätenliste der Automobilindustrie
18.06.2024

Eine neue Studie von Rockwell Automation zeigt, dass Cybersicherheit für Automobilhersteller oberste Priorität hat. Aber warum ist das so?

DWN
Technologie
Technologie Globalisierung Gesundheitswesen: Das gelbe Impfbuch aus Papier wird digital
18.06.2024

Milliarden Covid-Impfzertifikate haben als Nachweise ihre Gültigkeit verloren. Der traditionelle Impfpass soll an die Stelle der...

DWN
Politik
Politik EU-Spitzenposten: Keine Einigung - von der Leyen braucht Geduld
18.06.2024

Der Poker um die Besetzung der EU-Spitzenposten nach der Europawahl geht in die Verlängerung: Die Staats- und Regierungschefs der...

DWN
Unternehmen
Unternehmen Mittelstandsumfrage: Betriebssoftware ist das Herzstück der Digitalisierung in Unternehmen
18.06.2024

Ein neuer Report zeigt: ERP-Systeme sind entscheidend für die Digitalisierung im Mittelstand. Während KI und Cloud weniger wichtig sind,...

DWN
Finanzen
Finanzen DAX-Erholung auf wackligen Beinen, US-Dollar im Aufwind, Gold leidet - der DWN-Marktreport
18.06.2024

Die DAX-Erholung hat sich im frühen Dienstagshandel zunächst fortgesetzt, alles bleibt aber eine wacklige Angelegenheit. Am Gesamtmarkt...

DWN
Politik
Politik Verteidigungsausgaben Deutschland 2024: Nato-Ziele erreicht
18.06.2024

Deutschland hat der Nato für das aktuelle Jahr geschätzte Verteidigungsausgaben von 90,6 Milliarden Euro gemeldet und würde damit klar...