Gemischtes

Chinesen bauen in Erfurt die größte Batterie-Fabrik der Welt

Lesezeit: 2 min
09.02.2019 21:07
Der chinesische Batterie-Produzent CATL will in Erfurt die größte Batterie-Fabrik der Welt bauen.
Chinesen bauen in Erfurt die größte Batterie-Fabrik der Welt

Mehr zum Thema:  
Benachrichtigung über neue Artikel:  

Inhalt wird nicht angezeigt, da Sie keine externen Cookies akzeptiert haben. Ändern..

Eigentlich sollte die Kapazität seiner in Erfurt geplanten Batterie-Fabrik 14 Gigawattstunden (GWh) betragen. Doch jetzt korrigiert der weltgrößte Batterie-Hersteller, „Contemporary Amperex Technology“ (CATL), seine Pläne, und zwar sehr weit nach oben: Die Kapazitäten sollen mehr als das Siebenfache betragen, als ursprünglich geplant. „Spätestens ab 2026 könnten wir im dreistelligen Gigawatt-Bereich sein“, verkündete CATL-Europa-Chef Matthias Zentgraf auf dem CAR-Symposium in Bochum.

Rückblick: Im Sommer letzten Jahres wurde bekannt, dass CATL auf einem 82 Hektar großen Gelände in Erfurt eine Batterie-Fabrik errichten will. Die thüringische Landeshauptstadt hatte sich gegen Konkurrenten aus Polen, Ungarn und Slowenien durchgesetzt, weil – so Zentgraf – „Qualifikationen und Loyalität der thüringischen Arbeitnehmer stärker ausgeprägt sind“. Eine Viertel Milliarde Euro wollte CATL in die Hand nehmen. Jetzt dürfte die Investitionssumme um einiges höher ausfallen.

Der Grund für den Ausbau ist der Umstand, dass der Umschwung von Verbrennungsmotor auf Elektro-Antrieb voraussichtlich weitaus rascher vonstattengehen wird, als noch vor kurzer Zeit absehbar. Unter anderem haben VW sowie Daimler angekündigt, dass für sie die Zukunft des Autos in der E-Mobilität liegt. Darüber hinaus hat die EU strenge CO2-Vorgaben erlassen. Dem Handelsblatt sagte Zentgraf: „Im vergangenen Jahr hat sich einiges getan, die neuen CO2-Ziele führen zu einer schneller anziehenden Nachfrage nach E-Autos, als wir gedacht hatten.“

Die Fabrik in Erfurt könnte die mit der größten GWh-Kapazität der Welt werden. Die derzeit leistungsfähigste Batterie-Fabrik ist die „Tesla Gigafactory“ in Reno (US-Bundesstaat Nevada). Ihre Produktion kommt der von 20 GWh pro Jahr gleich – also ein Fünftel von dem, was in Thüringen geplant ist. Ausgebaut werden soll die Kapazität der Gigafactory auf 35 GWh im Jahr - also rund einem Drittel der in Erfurt geplanten Leistung.

CATL wurde 2011 von dem damals 43-jährigen Ingenieur Robin Zeng gegründet, der bis heute größter Anteilseigner sowie Vorstandsvorsitzender ist. Das Unternehmen hat seinen Sitz in der 420.000-Einwohner-Stadt Ningde an der Südost-Küste Chinas. Kerngeschäft sind die Produktion von Batteriemanagement-Systemen, Energiespeichern und Lithium-Batterien für Elektroautos sowie das Recyceln von gebrauchten Batterien. CATL beschäftigt rund 15.000 Mitarbeiter, von denen fast jeder vierte im Bereich Forschung und Entwicklung tätig ist. Der Jahresumsatz beträgt circa 3,5 Milliarden Euro, wobei die Erlöse im Jahr 2018 im Vergleich zu 2017 um rund 60 Prozent anstiegen.

2014 eröffnete das Unternehmen seine erste Auslands-Niederlassung, und zwar in München. 2017 folgten Niederlassungen in den USA, Kanada, Frankreich und Japan. Am 12. Juni 2018 ging CATL an die Börse. Gleich am ersten Tag stieg der Wert der Aktie von 25,14 Yuan (3,92 Euro) auf 36,20 Yuan (5,64 Euro). Mit einer Steigerung von 44 Prozent entspricht das dem höchsten Kursanstieg, der am ersten Handelstag eines neu gelisteten Unternehmens nach chinesischem Recht erlaubt ist. Ohne diese Einschränkung wäre nach Einschätzung von Marktexperten eine noch weitaus höhere Steigerung möglich gewesen. Mittlerweile liegt der Aktienkurs bei 78,40 Yuan (10,24 Euro). CATLs Marktkapitalisierung liegt damit bei knapp 15 Milliarden Euro.

Die von CATL im Jahr 2017 produzierten Batteriezellen haben eine Leistung von zwölf Gigawattstunden (GWh). Drei Jahre zuvor waren es lediglich zwei GWh gewesen. CATL hat sich damit innerhalb weniger Jahre zum größten Batteriezellen-Hersteller der Welt aufgeschwungen, vor Panasonic (10,2 GWH) und BYD (4,7 GWh). Bis 2020 soll die Produktion auf ein Volumen zwischen 50 GWh und 90 GWh ausgeweitet werden. Derzeit plant das Unternehmen den Bau einer Gigafabrik in China, die ein Produktionsvolumen von 50 GWh haben und in einigen Jahren eröffnet werden soll.

CATL hat mit BMW einen langfristigen Vertrag über die Lieferung von Batteriezellen im Wert von vier Milliarden Euro geschlossen. Dazu soll das Erfurter Werk mit Lieferungen im Wert von 1,5 Milliarden Euro beitragen. Darüber hinaus haben die Chinesen im Frühjahr 2018 Lieferverträge mit Daimler sowie mit VW im Milliardenhöhe unterzeichnet.

Weitere Meldungen aus dem Tech-Report der DWN finden Sie hier.

Inhalt wird nicht angezeigt, da Sie keine externen Cookies akzeptiert haben. Ändern..


Mehr zum Thema:  

DWN
Unternehmen
Unternehmen Weniger Administration, mehr Weiterentwicklung: Digitale bAV-Verwaltung für mehr „Human“ im HR

Was macht einen Arbeitsplatz attraktiver als andere. Sicherlich mehr als nur das monatliche Gehalt. Langfristiges Denken kann sich für...

DWN
Finanzen
Finanzen IWF wird ehrlich: Aktien sind wegen Corona-Hilfen überbewertet – Gefahr einer großen Finanzkrise

Der IWF teilt mit, dass die Corona-Hilfen durch die Zentralbanken und die Regierungen zu einer Überbewertung von Aktien geführt hätten....

DWN
Finanzen
Finanzen Schutz vor Hyperinflation? Goldbefürworter Peter Schiff warnt Anleger vor Bitcoin

Der US-Ökonom Peter Schiff warnt Anleger davor, Bitcoins zu kaufen, um sich vor einer Hyperinflation zu schützen. Er meint, Gold sei die...

DWN
Finanzen
Finanzen Über 20.000 Dollar pro Gold-Unze schwirren auf dem Markt herum

Aufgrund der ultralockeren Geldpolitik der Fed betragen die Dollar-Gold-Ratio über 20.000 Dollar und die Dollar-Silber-Ratio über 3.000...

DWN
Finanzen
Finanzen Der neue Bitcoin-ETF ist eine Falle – wie einst der erste Gold-ETF

Der erste Bitcoin-ETF hat den Handel aufgenommen. Doch der Goldexperte Tom Luongo warnt Anleger. Denn er kennt diese Falle aus dem...

DWN
Politik
Politik Ende der Ära Merkel: Wie die Welt den Regierungswechsel sieht

Kanzlerin Merkel verabschiedet sich von der Weltbühne. Bei ihrem letzten G20-Gipfel in Rom hat sie mit Finanzminister Scholz schon ihren...

DWN
Finanzen
Finanzen Corona-Krisenprogramm der EZB wird im März 2022 enden

Das Corona-Krisenprogramm PEPP der EZB wird aus Sicht von EZB-Chefin Christine Lagarde im ersten Quartal des kommenden Jahres enden.

DWN
Deutschland
Deutschland Elektro-Busse lösen bundesweit schwere Brände aus

In den vergangenen Wochen hat die Selbstentzünding von E-Bussen in mehreren deutschen Städten schwere Brandkatastrophen ausgelöst.

DWN
Politik
Politik Lagebericht Syrien: Russland zerstört Hauptquartier türkischer Söldner, Ankara bereitet Großangriff auf US-Verbündete vor

Während die türkische Armee einen neuen Feldzug gegen US-Verbündete in Syrien vorbereitet, verstärkt Russland den Druck auf die...