Gemischtes

Autoabsatz in China sinkt zehnten Monat in Folge

Lesezeit: 2 min
09.04.2019 17:25
Der chinesische Automobilmarkt rutscht in eine beträchtliche Abschwungphase hinein.
Autoabsatz in China sinkt zehnten Monat in Folge

Mehr zum Thema:  
Benachrichtigung über neue Artikel:  

Die deutsche Autoindustrie bleibt angesichts des schwächelnden chinesischen Automarktes unter Druck. Der einst so rasant wachsende wichtigste Einzelmarkt der deutschen Autobauer bleibt auch im zehnten Monat nacheinander auf Talfahrt. Im März gingen die Verkäufe an Privatkunden im Land im Vergleich zum Vorjahresmonat um 12 Prozent auf 1,78 Millionen Wagen zurück, wie der Branchenverband China Passenger Car Association (PCA) am Dienstag in Peking mitteilte. Das war nach den Daten des Verbands der zehnte Rückgang in Folge.

Im vergangenen Jahr hatte der chinesische Automarkt zum ersten Mal seit über zwanzig Jahren einen Rückgang verzeichnet. Vor allem der Zollstreit zwischen den USA und China verunsicherte die chinesischen Verbraucher und ließ sie beim Kauf zögern.

Zudem warteten die Kunden zuletzt auch auf eine angekündigte Mehrwertsteuersenkung zum 1. April und die nicht mehr so rasant wachsende chinesische Konjunktur dämpfte die Kauflust. Im Februar waren die Verkäufe von Limousinen, SUVs, Minivans und kleineren Mehrzweckfahrzeugen mit minus 18,5 Prozent noch stärker eingebrochen, im Januar um 4 Prozent.

Am stärksten betroffen von der Flaute in China sind die im Land starken Massenhersteller - insbesondere deutsche Marken wie Volkswagen. Die Kernmarke des weltgrößten Autoherstellers liefert fast jedes zweite Auto in China aus, im März setzte es daher auch weltweit einen weiteren herben Absatzdämpfer. Weil die Auslieferungen in China um knapp 10 Prozent unter dem Vorjahresmonat lagen, führte das auch insgesamt zu einem Absatzrückgang von 7,2 Prozent auf 542 700 Autos der Marke VW. Neben der Schwäche in China belasten auch Verkaufsrückgänge in Europa die Gesamtbilanz des bisherigen Jahres.

Premiumautobauer wie Daimler und BMW rechnen hingegen auch weiter mit Wachstum in dem Land. Daimlers Hausmarke Mercedes-Benz konnte in China den nahezu einzigen Lichtblick im März verbuchen, weil die Verkäufe um 5,9 Prozent zulegten. Bei den Luxuskarossen von Mercedes spielt der Preis eine weniger wichtige Rolle für die Käufer als bei den kleineren Pkw - auch weil die Autos aus dem höheren Segment deutlich stärker als Geschäftswagen genutzt werden. Große, lange Wagen gelten chinesischen Geschäftsleuten als Statussymbol.

Für die VW-Tochter Audi sah es ebenfalls etwas besser aus als für die Stammmarke der Konzernmutter. Während weltweit ein leichter Auslieferungsrückgang von 0,5 Prozent im März zu Buche stand, konnte Audi auf dem chinesischen Festland und in Hongkong um 2,3 Prozent zulegen. Ohne China wäre das Minus insgesamt also deutlich stärker ausgefallen. BMW hat seine Absatzzahlen noch nicht vorgelegt. Zu kämpfen hat allerdings auch der Sportwagenbauer Porsche, der im ersten Quartal zehn Prozent weniger Autos in China los wurde.

Abseits der aktuellen Entwicklungen sieht die Autobranche in China aber weiter den absehbar wichtigsten Markt, auch wenn sich die Nachfrage dort in diesem Jahr schwächer entwickle. «Das Potenzial und die Chancen für Bosch in China bleiben mittel- und langfristig dennoch enorm», sagte etwa der Bosch-Kfz-Geschäftsführer Stefan Hartung am Montagabend vor Journalisten in Stuttgart.

Der Markt ist nach Einschätzung des weltgrößten Autozulieferers weit von einer Sättigung entfernt. Während in Deutschland 690 Autos auf 1000 Einwohner kämen, seien es in China nur 170. Besonders bei den Mobilitätsdienstleistungen werde man einen Anstieg sehen, so Hartung. Der chinesische Automarkt werde sich zu einem Leitmarkt für moderne Mobilität entwickeln.

Auch Rivale ZF Friedrichshafen will sein Engagement in China noch verstärken. Die dortigen Produktions- und Entwicklungskapazitäten würden ausgebaut, teilte das Unternehmen am Dienstag mit. Derzeit unterhält ZF nach eigenen Angaben 32 Produktionsstandorte in China. Ziel sei es, in den kommenden Jahren das komplette Produktportfolio für die lokalen Bedürfnisse entwickeln und in China fertigen zu können.

China gilt als Vorreiter für die Elektromobilität, weil immer mehr Kommunen die Zulassung von Verbrennungsantrieben in den smoggeplagten Megacities des Landes beschränken. Auch deswegen und wegen der schärferen Kohlendioxid-Abgasregeln in der EU setzen viele deutsche Autobauer in den kommenden Jahren verstärkt auf Elektroantriebe. In der kommenden Woche trifft sich die Branche wieder auf der wichtigen Automesse in Shanghai. Die Trends in China werden immer mehr auch zum Taktgeber der Industrie weltweit.

Inhalt wird nicht angezeigt, da Sie keine externen Cookies akzeptiert haben. Ändern..


Mehr zum Thema:  

DWN
Politik
DWN
Politik
Politik China ist überlegen - Europa und die USA müssen dies endlich anerkennen

Der deutsche Ökonom Daniel Gros stellt eine provokante These auf: Chinas Aufstieg hat kaum etwas damit zu tun, dass der Staat die...

DWN
Politik
Politik Festnahmen und Polizeigewalt nach Protesten gegen Sicherheitsgesetz in Frankreich

Bei den massiven Demonstrationen gegen ein umstrittenes Sicherheitsgesetz und Polizeigewalt in Frankreich sind Dutzende Protestierende...

DWN
Politik
Politik Urteil: Merkel muss Auskünfte zu Geheimgesprächen mit Journalisten erteilen

Das Verwaltungsgericht Berlin hat entschieden, dass Angela Merkel Auskünfte über Geheimgespräche zwischen dem Kanzleramt und...

DWN
Finanzen
Finanzen So erfüllt sich Ihr Traum vom Eigenheim

Das Eigenheim als Altersvorsorge? Viele Deutsche träumen davon. Doch nur wenige besitzen hierzulande tatsächlich die Immobilie, die sie...

DWN
Finanzen
Finanzen Finanzpolitik der USA versinkt im Chaos: Jeder gegen jeden, alle wollen die Macht

DWN-Kolumnist Michael Bernegger analysiert, wie die größte Volkswirtschaft der Welt durch einem finanzpolitischen Machtkampf gelähmt...

DWN
Politik
Politik Über den Umweg EU-Erweiterung: Will sich die Nato noch weiter ausdehnen?

DWN-Kolumnist Ronald Barazon analysiert die Bestrebungen, zwei weitere Länder in die EU aufzunehmen.

DWN
Politik
Politik Vor Corona: EU erarbeitete Aktionsplan zur umfassenden Impfung der Bevölkerung

Die EU-Kommission hatte zwei Jahre vor der Corona-Pandemie eine „Roadmap zur Impfung“ für die öffentliche Gesundheit ausgearbeitet....

DWN
Politik
Politik „Nachhaltige“ Finanzierung und grüne Planwirtschaft: Hinter dem Great Reset stecken Sozialisten im Schafspelz

In nicht allzu ferner Zukunft dürfen Anleger vermutlich nur noch Wertpapiere „nachhaltiger“ Unternehmen kaufen. Die Big Player...

DWN
Technologie
Technologie Autonomes Fahren verringert Zahl der Unfälle um 90 Prozent

Die Zahl der Toten und Verletzen sowie der wirtschaftliche Schaden würden massiv zurückgehen.

DWN
Politik
Politik Demonstranten zünden Frankreichs Zentralbank an

Im Verlauf der regierungskritischen Massenproteste in Frankreich haben Demonstranten in Paris das Gebäude der französischen Zentralbank...

DWN
Deutschland
Deutschland Radio Russkij Berlin: "Wir senden für die größte Migrantengruppe in Deutschland"

"Radio Russkij Berlin" geht für die russischsprachigen Migranten in Deutschland, die mittlerweile eine lukrative Kundengruppe bilden, auf...

DWN
Technologie
Technologie Durchbruch bei menschlicher Kopf-Transplantation liegt in greifbarer Nähe

In den kommenden Jahren könnte Neurologen und Robotik-Experten zufolge die erste menschliche Kopftransplantation stattfinden. Doch an...

DWN
Deutschland
Deutschland Der ständige Vorwurf der „Verschwörungstheorie“ treibt die Deutschen zur Weißglut

Der inflationär erhobene Vorwurf der „Verschwörungstheorie“ gegen die Bürger ist hochgefährlich. Die Urheber dieser Kritik bewirken...