Das Militär übernimmt die Macht im Sudan

Lesezeit: 4 min
11.04.2019 15:01
Das Militär im Sudan hat geputscht. Einen Tag zuvor hatten die USA, Großbritannien und Norwegen in einer Erklärung einen "politischen Wandel" gefordert.
Das Militär übernimmt die Macht im Sudan
Der Nil als Lebensader des Sudan und weiterer Staaten. (Grafik: GPF)

Das Militär im Sudan hat nach Angaben des Verteidigungsministers Awad Ibn Auf am 11. April 2019 die Macht in dem Land übernommen. Es werde eine von den Streitkräften geführte zweijährige Übergangsphase geben, nach der eine Wahl stattfinden soll, teilte Ibn Auf, der auch Vizepräsident ist, am Donnerstag in einer TV-Ansprache mit. Er verkündete zudem einen Ausnahmezustand für drei Monate. Der aktuelle Präsident Omar al-Baschir sei festgenommen worden und an einem sicheren Ort.

USA, Großbritannien und Norwegen forderten Wechsel

Einen Tag zuvor hatten die USA, Großbritannien und Norwegen eine gemeinsame Erklärung veröffentlicht.

Aus der Erklärung, die auf der Webseite des britischen Außenministeriums eingesehen werden kann, geht hervor: “Die im Dezember 2018 begonnenen Proteste im Sudan erreichten am 6. April eine neue Intensität und Unterstützung der Bevölkerung. Sie wachsen weiter und die Forderung nach einem politischen Wandel von den mutigen und widerstandsfähigen Menschen im Sudan wird immer klarer und kraftvoller. Es ist an der Zeit, dass die sudanesischen Behörden ernsthaft und glaubwürdig auf diese Forderungen reagieren. Das sudanesische Volk fordert einen Übergang zu einem politischen System, das inklusiv ist und eine größere Legitimität hat. Die sudanesischen Behörden müssen jetzt reagieren und einen glaubwürdigen Plan für den politischen Übergang vorlegen (...) Wir fordern die sudanesischen Behörden auf, alle politischen Gefangenen freizulassen, die Anwendung von Gewalt gegen friedliche Demonstranten einzustellen, alle Einschränkungen der Freiheiten aufzuheben, den Ausnahmezustand aufzuheben und einen glaubwürdigen politischen Dialog in einem förderlichen Umfeld mit allen wichtigen sudanesischen Akteuren zu ermöglichen.”

Anschließend unterbreiten die drei Länder dem Sudan unter der Bedingung eines politischen Übergangs ein Angebot: “Wenn die sudanesischen Behörden diese Schritte unternehmen, wird die Troika (die Vereinigten Staaten, das Vereinigte Königreich und Norwegen) einen solchen politischen Prozess unterstützen und könnte rechtzeitig daran arbeiten, einige der langfristigen wirtschaftlichen Herausforderungen des Sudan zu lösen (...) Wir fordern die sudanesischen Behörden sowie die Opposition auf, sich ihrer Verantwortung zu stellen.”

Seit Monaten demonstrieren Zehntausende gegen Baschir. Ausgelöst wurden die Demonstrationen durch die schwere Wirtschaftskrise. Doch die Proteste richteten sich zunehmend gegen den 75 Jahre alten Präsidenten selbst.

Nur wenige Tage vor dem ersten Ausbruch der Proteste im Sudan reiste Baschir im Dezember 2018 nach Damaskus, um den syrischen Präsidenten Baschar al-Assad zu treffen. Die beiden Präsidenten betonten auch die Notwendigkeit, "neue Prinzipien für die Beziehungen zwischen den Arabern zu schaffen, die auf der Achtung der Souveränität der Länder und der Nichteinmischung in innere Angelegenheiten basieren", meldet die syrische staatliche Nachrichtenagentur SANA.

Der ägyptische Präsident Abdel Fattah el-Sisi sagte, dass der Machterhalt Baschirs für Ägyptens nationale Sicherheit notwendig sei. "Ägypten unterstützt uneingeschränkt die Sicherheit und Stabilität im Sudan", so Baschir.

Der Sudan und seine geopolitische Bedeutung

Der Sudan ist ein riesiges Land zwischen Nord- und Zentralafrika, das vor der Unabhängigkeit des Südsudan das größte Land des Kontinents war. Das Land hat eine Einwohnerzahl von 40,5 Millionen Menschen, so der US-Informationsdienst Stratfor.

Seit der Erklärung der Unabhängigkeit vom Vereinigten Königreich im Jahr 1955 hat der Sudan Schwierigkeiten gehabt, seine ausgedehnten Territorien mit einer Fläche von etwa 2,4 Millionen Quadratkilometer und ethnisch-regionalen Spaltungen zu bewältigen. Khartum, die Hauptstadt des Landes, kann als relativ isolierter Stadtstaat betrachtet werden, der die riesigen Flächen und Menschen beherrschen muss, die ihn umgeben. Da sich die Grenzen Sudans nicht vollständig an die verschiedenen ethnischen Gruppen anpassen, haben die internen ethnischen Konflikte auch regionale Konflikte angeheizt. Ethnische Gruppen in der Darfur-Region im Westsudan drangen in den benachbarten Tschad vor und trieben die beiden Länder dazu, über Jahre hinweg einen Stellvertreterkrieg zu führen, indem Rebellen finanziert und bewaffnet wurden.

Der Nil

Der Nil verfügt über zwei Quellflüsse, die aus dem Blauen und dem Weißen Nil bestehen. Der aus Äthiopien kommende Blaue Nil und der Weiße Nil treffen bei Khartum, der Hauptstadt der Republik Sudan, und Omdurman aufeinander. Von da aus fließt der Nil in Richtung Ägypten und dann ins Mittelmeer.

Häfen und Landwirtschaft

Die größten Handelshäfen des Sudan sind Port Sudan und Sevakin. Das Bashayer-Ölterminal befindet sich in der Nähe der beiden Häfen. Das Bashayer-Ölterminal dient dem Export von Öl, so die in Ankara ansässige Association of Researchers on Africa (AFAM).

Die landwirtschaftliche Produktion ist der Eckpfeiler der sudanesischen Wirtschaft. Das Land verfügt über 126 bis 168 Millionen Hektar an Flächen, die besonders fruchtbar sind. 80 Prozent der Beschäftigten sind in der Landwirtschaft tätig, während 40 Prozent des BIP auf die Landwirtschaft entfallen. Im ganzen Land wurden Staudämme errichtet, die fast 60 Prozent der Wasserressourcen in den landwirtschaftlichen Sektor umleiten, berichtet die sudanesische Botschaft in Washington D.C.

Öl und Gold

Die Ölproduktion im Sudan begann erstmals in den 1960er Jahren im Roten Meer. Im Jahr 1999 wurde die Bentui-Savakin-Pipeline fertiggestellt, so dass Öl exportiert werden konnte. Im Jahr 2012 wurde bekanntgegeben, dass der Sudan über Ölressourcen im Volumen von fünf Milliarden Barrel verfügt. Die Ölproduktion erreichte im Jahr 2010 514.000 Barrel. Doch als der Südsudan am 9. Juli 2011 seine Unabhängigkeit vom Sudan erklärte, verlor das Land nicht nur 20 Prozent seiner Bevölkerung, sondern vor allem 75 Prozent seiner Ölreserven. Es entstand ein problematische Situation. Während sich die Ölinfrastruktur im Norden des Landes befindet, beherbergt der Süden des Landes die meisten Ölreserven. Die aktuelle Ölproduktion im Sudan liegt bei etwa 130.000 Barrel pro Tag.

Im Sudan befinden sich zudem 76.000 Goldminen. Eine Million Menschen sind in diesem Sektor beschäftigt. Im Jahr 2015 erreichte der Sudan eine Goldproduktion von 85 Tonnen und war damit der drittgrößte Goldproduzent Afrikas. Im Jahr 2017 erreichte das Land eine Goldproduktion von 107 Tonnen und wurde damit der zweitgrößte Goldproduzent Afrikas. Über den Goldsektor nimmt das Land den Großteil der Devisen ein, so AFAM.

Der unabhängige Staat Südsudan

Der Südsudan ist ein Binnenstaat in Ost-Zentralafrika, dessen Hauptstadt Juba ist. Das Land grenzt im Norden an den Sudan, im Osten an Äthiopien, im Süden an Kenia, Uganda und der Demokratischen Republik Kongo sowie im Westen an Zentralafrikanischen Republik. Seit der Unabhängigkeit von Sudan im Jahr 2011 erlebte das Land eine anhaltende Instabilität, einschließlich Bürgerkrieg und Hungersnot. Der Mangel an einem Zugang zum Meer hat auch die wirtschaftlichen Aussichten des Landes aufgrund der damit verbundenen hohen Import- und Exportkosten eingeschränkt. Die Verkehrsverbindungen in ganz Zentral- und Ostafrika sind zwar schlecht, aber die logistischen Probleme des Südsudans werden naturgemäß durch Instabilität und Gewalt verstärkt.

Der Südsudan verfügt jedoch über nachgewiesene Ölreserven, die seit Jahrzehnten das Interesse von anderen Staaten in der Region wecken. Dennoch hat die Unwahrscheinlichkeit, dass die im Land herrschenden Feindseligkeiten bald enden werden, zusammen mit der weiteren Erosion von Jubas Kontrolle über das Territorium die Investitionen in die Ölindustrie erheblich erschwert, berichtet Stratfor. Dementsprechend gibt es wenig Chancen, dass der Südsudan seine tiefgreifenden strukturellen Mängel abstellen und die Kämpfe unter den großen ethnischen Gruppen in Kürze beenden wird.


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