Gemischtes

EU-Austritt: Wer folgt den Briten?

Lesezeit: 2 min
06.05.2019 13:05
Es ist nicht unwahrscheinlich, dass andere Völker Europas den Briten folgen werden. Wenn man sich die 28 EU-Staaten anschaut, so findet man zwei klare Kandidaten für einen baldigen EU-Austritt.
EU-Austritt: Wer folgt den Briten?
Illustration: Timo Würz

Mehr zum Thema:  
Benachrichtigung über neue Artikel:  

Laut einer aktuellen Umfrage im Auftrag des Europäischen Parlaments drohen freilich keine weiteren Austrittskämpfe. Denn in allen EU-Staaten seien derzeit nur relativ wenige Menschen der Ansicht, dass die Mitgliedschaft in der EU „eine schlechte Sache“ ist – selbst in Großbritannien.

Auch in der Vergangenheit sahen die Zahlen der EU zu Großbritannien ähnlich aus. Demnach hätte es im Jahr 2016 eigentlich gar keine Mehrheit für einen Brexit geben dürfen. Doch die Mehrheit gab es tatsächlich – wenn auch denkbar knapp.

Nun könnte man einwenden, dass die Zahlen des EU-Parlaments nicht aussagekräftig sind. Doch das wäre falsch. Denn sehr wohl kann man den Zahlen entnehmen, dass ein Austrittsvotum erfolgreich sein kann, sobald etwa ein Fünftel der Bürger dies will.

Mit Sicherheit kein Austrittskandidat ist also Deutschland. Denn hierzulande sagen nur 5 Prozent, dass die EU-Mitgliedschaft schlecht sei – laut den Zahlen des Europäischen Parlaments. Noch weniger EU-Gegner gibt es demnach nur in Litauen und Luxemburg.

Relativ viele EU-Gegner gibt es hingegen in Griechenland, wo 21 Prozent die Union als „schlechte Sache“ ansehen, in Tschechien mit 18 Prozent, in Italien mit 17 Prozent und auch in Österreich mit 16 Prozent. Sind also hier in Zukunft größere Austrittskämpfe zu erwarten?

Eine Besonderheit bei den Briten ist, dass sie der zweitgrößte Nettozahler der EU sind. Im Jahr 2017 zahlten sie 5,35 Milliarden Euro mehr nach Brüssel, als sie von dort zurückerhielten. Beim größten Nettozahler Deutschland war der negative Saldo sogar doppelt so hoch.

Jedenfalls gibt es unter den Ländern mit relativ vielen EU-Gegnern – Griechenland, Tschechien, Italien und Österreich – genau zwei, die mehr nach Brüssel überweisen, als sie von dort in Form von Subventionen oder Investitionen wieder zurückerhalten.

Die Italiener sind mit einem Minus von 3,58 Milliarden Euro der viertgrößte Nettozahler der EU (hinter Frankreich). Aber auch die Österreicher bringen immerhin 930 Millionen Euro mehr nach Brüssel mit, als sie von dort wieder mitnehmen.

Italien und Österreich haben also nicht nur relativ viele EU-Gegner, sondern auch einen finanziellen Anreiz, aus der Union auszutreten. Zudem ist ihr gemeinsamer Nachbar, die Schweiz, ein Vorbild, wie man als europäischer Staat außerhalb der EU existieren kann.

***

Wenn Sie weitere spannende Hintergrundinformationen über das Dilemma um Großbritannien erfahren wollen, bestellen Sie hier unser neues DWN-Magazin im Kombi Jahresabonnement für nur 149,90 Euro. Lesen Sie uns, verteilen Sie uns, empfehlen Sie uns.

Oder werten Sie Ihr Online-Abo auf das DWN Kombi Jahresabo auf. Sie erhalten unbegrenzten Zugriff auf sämtliche DWN-Artikel im Netz, den täglichen exklusiven Newsletter und das DWN-Printmagazin monatlich per Post zugeschickt. Schreiben Sie uns einfach eine Email an leserservice@deutsche-wirtschafts-nachrichten.de.

Sie sind an älteren Ausgaben interessiert? Dann stöbern Sie doch in unserem Archiv aller erschienenden DWN-Magazin-Ausgaben.

Inhalt wird nicht angezeigt, da Sie keine externen Cookies akzeptiert haben. Ändern..


Mehr zum Thema:  

DWN
Politik
Politik „Great Reset“: Wie das Weltwirtschaftsforum China seit Jahren hofiert und lobt

Seit Jahren bauen das Weltwirtschaftsforum unter Klaus Schwab und China ihre Beziehungen aus. Das Forum hat eine eindeutig positive...

DWN
Finanzen
Finanzen Großinvestoren schichten von Gold nach Bitcoin um

Daten aus den vergangenen Wochen deuten darauf hin, dass Privatinvestoren im großen Stil von Gold nach Bitcoin umschichten. Der aktuelle...

DWN
Finanzen
Finanzen Mehrere Zahlungsausfälle erschüttern Chinas Anleihemarkt

In den vergangenen Tagen konnten mehrere staatlich kontrollierte Unternehmen ihre Verbindlichkeiten nicht mehr bedienen. Ausländische...

DWN
Politik
Politik Klare Botschaft an alle: USA entsenden Langstrecken-Bomber in den Nahen Osten

Von der Öffentlichkeit weitgehend unbemerkt, haben die USA Langstrecken-Bomber in den Nahen Osten entsendet. Die Mission sollte als...

DWN
Politik
Politik Das große Geschäft mit den Impfstoffen hat begonnen

Die EU einigt sich mit dem US-Hersteller Moderna, Bill Gates‘ Impfallianz erhält hunderte Millionen Dosen des Herstellers AstraZeneca...

DWN
Finanzen
Finanzen Jetzt ist es soweit: Bundesregierung erwägt Einführung eines Corona-Soli

Medienberichten zufolge erwägt die Bundesregierung, einen Corona-Soli einzuführen, um den wirtschaftlichen Schaden der Corona-Krise...

DWN
Politik
Politik Corona-Ticker: Auf diese Maßnahmen haben sich die Bundesländer für Weihnachten und Silvester geeinigt

Die Bundesländer haben sich auf zahlreiche Maßnahmen für den Dezember geeinigt. Lesen Sie alle Einzelheiten im Liveticker.

DWN
Weltwirtschaft
Weltwirtschaft Ifo-Index zum Geschäftsklima sinkt deutlich

Die deutschen Unternehmen blicken im November branchenübergreifend skeptisch in die Zukunft.

DWN
Unternehmen
Unternehmen Sahra Wagenknecht: „Altmaier und Laschet müssen den Ausverkauf von Thyssenkrupp stoppen“

Die Links-Politikerin Sahra Wagenknecht fordert Wirtschaftsminister Peter Altmaier und den NRW-Ministerpräsidenten Armin Laschet auf, den...

DWN
Finanzen
Finanzen So erfüllt sich Ihr Traum vom Eigenheim

Das Eigenheim als Altersvorsorge? Viele Deutsche träumen davon. Doch nur wenige besitzen hierzulande tatsächlich die Immobilie, die sie...

DWN
Unternehmen
Unternehmen RWE will in den Niederlanden Wasserstoff aus Reststoffen erzeugen

RWE ist bisher gut durch die Pandemie gekommen. Jetzt setzt das Unternehmen ein lukratives neues Projekt um.

DWN
Weltwirtschaft
Weltwirtschaft Eskalation bei Daimler: Betriebsrat ruft alle 170.000 Mitarbeiter zum Widerstand gegen Stellenabbau auf

Die politisch geforderte Wende zur Elektromobilität wird bei Daimler zehntausende Stellen kosten. Nun hat die Auslagerung der...

DWN
Finanzen
Finanzen Deutsche Börse stellt neue Regeln für den Dax vor: Ethische Fragen werden ausgeklammert

Die Deutsche Börse hat heute neue Regeln für die deutschen Aktienindizes vorgestellt. Der Leitindex Dax umfasst nun 40 Titel, zudem...

DWN
Politik
Politik Erdogan fordert „Ehrlichkeit“ von der EU im Umgang mit der Türkei

Der türkische Präsident Erdogan hat sich am vergangenen Sonntag positiv über die EU geäußert. Die Türkei habe sich immer als ein Teil...