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Unternehmen: Rezession überstehen durch Rückzug ins Kerngeschäft

Lesezeit: 4 min
05.05.2019 14:03
Unternehmen, die die nächste Rezession ohne große Probleme überstehen wollen, sollten sich auf ihr Kerngeschäft konzentrieren. Unnötiger Ballast sollte abgeworfen werden.
Unternehmen: Rezession überstehen durch Rückzug ins Kerngeschäft

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Obwohl eine genaue Bestimmung des Zeitpunkts des Ausbruchs der nächsten Rezession unmöglich ist, können sich Unternehmen auf diesen Fall vorbereiten.

Bain & Company nennt ein Beispiel für eine erfolgreiche Vorbereitung:

Bei der US-Großhandelskette Costco Wholesale Corp. zog die Vorbereitung auf die globale Finanzkrise 2008 eine Neuorientierung nach sich. Das Unternehmen vereinfachte sein Sortiment und setzte beim Vertrieb in seinen Shops auf Effizienz, berichtet Bain & Company.

Durch die Zentralisierung der Rezeptabfüllzentren wurden die Kosten für die Laden-Apotheken gesenkt. Das Unternehmen verbesserte seine bereits marktführenden Kategorienverwaltungs-Praktiken, um seine Lagerbestände zu beschränken. Hinzu kam, dass das Unternehmen seine Lieferkette straffte (Supply Chain Security). Diese Flexibilität ermöglichte es Costco, seine Ladenangebote anzupassen, um sie im Zuge der Rezession für zahlungskräftige Kunden attraktiver zu machen. Aus einer Position der Stärke heraus vergrößerte der Einzelhandels-Riese seine Reichweite in der Rezession um 20 neue Lagerhallen und steigerte sowohl Umsatz als auch Margen. Somit bot die Rezession nicht nur Risiken, sondern vor allem neue Chancen für das Unternehmen.

Entscheidend ist, dass sich ein Unternehmen in der Vorbereitungsphase auf eine Rezession auf sein Kerngeschäft konzentriert. Dabei ist hervorzuheben, was das Unternehmen im Zusammenhang mit seinen Produkten von allen anderen Wettbewerbern unterscheidet. Ein rücksichtsloser Fokus auf das Kerngeschäft macht hier einen entscheidenden Teil des Erfolgs aus. Das bedeutet, Anstrengungen zur Vereinfachung des Kerngeschäfts durch Verringerung der Komplexität und Effizienzsteigerung zu forcieren. Die Führungsebene eines Unternehmens sollte darüber nachdenken, welche Geschäfte, die nicht zum Kerngeschäft gehören, ausgelagert (Outsourcing) werden sollten.

Die einfache Frage lautet: „Welche geschäftlichen Hebel müssen wir unter welchen Bedingungen in Gang setzen und welche Prioritäten setzen wir?” Um diese Frage im Detail zu beantworten, müssen szenariospezifische Aktionspläne für einen Zeitraum zwischen zwölf und 24 Monaten erstellt werden.

Empfehlungen von Thomas Huckabee Inc.

Das Durchspielen von verschiedenen Szenarien ist nach einem Bericht der Wirtschaftsprüfungsgesellschaft Thomas Huckabee Inc. der erste wichtige Schritt für die Vorbereitung auf eine Rezession. Stresstests sind an dieser Stelle angebracht.

Die Gesellschaft empfiehlt: “Machen Sie ein Brainstorming mit Ihrem Team und entwickeln Sie eine umfassende Liste möglicher Szenarien. Dazu gehören immer Ihr Verwaltungsrat und Ihr Top-Management. Ihre Präsenz verschafft nicht nur unschätzbare Einblicke, sondern auch die einfachere Umsetzung eines Plans.”

Das Top-Management wird leider gezwungen sein, das Unternehmen zu verkleinern und Funktionen auszulagern oder zu veräußern, um Geld zu sparen, insbesondere wenn diese Funktionen keine Kernfunktionen sind. Risiken, die nicht zum Kerngeschäft gehören, müssen unter die Lupe genommen werden, wenn sie die in einer Rezession benötigten Mittel aufbringen.

Ein Unternehmen ist in einer Rezession besser positioniert, wenn es eine starke Bilanz hat, weil es mehr finanzielle Flexibilität einbringt. Es hat weitaus bessere Erfolgschancen, wenn die Kreditlinien nicht ausgeschöpft und die Schulden niedrig sind. In diesem Zusammenhang ist eine Überprüfung der Debitoren wichtig. Riskante Kunden, die einem Unternehmen Geld schulden, sollten rechtzeitig identifiziert werden, um während der Rezession keine Überraschung zu erleben. Das Augenmerk muss hierbei auf den Forderungen liegen, die möglicherweise ausfallen könnten.

Während einer Rezession müssen zusätzliche Lagerbestände normalerweise unter dem üblichen Marktpreis verkauft werden. Deshalb sollten Unternehmen vor jeder erwarteten Rezession eine Prüfung des Inventars vornehmen, um keine Umsatzeinbußen erleiden zu müssen.

Wichtig sei vor allem, ein loyales und einsatzbereites Mergers & Acquisitions-Team zu haben. Denn auch kluge Zukäufe können eine gute Vorbereitung auf eine Rezession darstellen.

Mergers & Acquisitions: Unternehmen kaufen zu, Vorbereitung auf die Rezession

Tatsächlich bereiten sich derzeit zahlreiche Firmen auf eine Rezession vor, indem sie im Bereich Mergers & Acquisitions aktiv sind. Die Handels- und Konsumgüterbranche legt ihren Schwerpunkt in den Bereich Mergers & Acquisitions (M&A). Es erfolgen zahlreiche Zukäufe. Dies geht aus dem M&A Consumer & Retail Report 2019 von A.T. Kearney hervor. Der Bericht basiert auf der Analyse von Fusions- und Akquisitionsdaten aus dem Jahr 2018 und leitet aus Interviews mit mehr als 100 Top-Führungskräften global agierender Unternehmen aus Handel, Konsumgüterindustrie und von Private-Equity-Firmen Prognosen für 2019 ab.

“Mit Blick auf neue Kundenbedürfnisse, den digitalen Wandel und eine drohende wirtschaftliche Abkühlung investieren Handels- und Konsumgüterunternehmen jetzt aktiv in M&A. Auf der Suche nach den Kompetenzen, die ihnen vor allem im E-Commerce und für verbesserte Kundenerlebnisse fehlen, investieren sie strategisch in Unternehmen, die ihre Lücken füllen, und in junge, vielversprechende Marken. Mit einer Vielzahl von kleinen und mittelgroßen Deals wird sich das Transaktionsniveau 2019 auf dem von 2018 halten. Große Deals werden wir nicht sehen”, so Mirko Warschun, Partner und Leiter der Retail und Konsumgütersparte der Unternehmensberatung A.T. Kearney.

2018 haben die Transaktionen bei Handel und Konsumgütern einen leichten Rückgang erlebt, doch ist für 2019 mit einem weiterhin aktiven M&A Geschäft zu rechnen. Den Rückgang von 392 Milliarden US Dollar Gesamtdeal im Jahr 2017 auf 308 Milliarden Dollar in 2018 führen die Autoren vor allem auf fehlende Mega-Deals zurück. 2018 hat es keinen Deal über 30 Milliarden US Dollar gegeben, während das Niveau von Deals darunter gleich hoch geblieben ist.

Für 2019 sieht der Report einen weiterhin aktiven Markt mit attraktiven Übernahmegelegenheiten. So gehen 88 Prozent der befragten Experten davon aus, dass die Aktivitäten 2019 im Vergleich zu 2018 stabil bleiben oder sogar zunehmen werden.

Drei Trends prägen das M&A-Geschehen

Drei Trends werden das M&A-Geschehen in diesem Jahr prägen: Erstens konzentrieren sich die Handels- und Konsumgüterunternehmen auf ihr Kerngeschäft und stärken ihre Portfolios, indem sie nicht dazugehörige Unternehmensteile abstoßen und fehlende und benachbarte hinzukaufen, wie das Fruchtsaftunternehmen Eckes, das sich an dem Smoothie-Hersteller True Fruits beteiligt, um vom To-Go-Trend zu profitieren. Die Autoren rechnen für 2019 entsprechend auch mit einer Vielzahl von Veräußerungen.

Zweitens liegt der Fokus auf der Verbesserung des Kundenerlebnisses und der Gewinnung junger Kundengruppe. Unternehmen erwerben gezielt 'Kleine Marken', mit denen sich junge Generationen identifizieren, und investieren in digitale Fähigkeiten, E-Commerce-Plattformen wie auch in Supply-Chain- und operatives Know-How für eine stärkere Personalisierung ihres Kundenangebots. So erwarb das Unternehmen Dr. Oetker das Torten-Start-up deineTorte.de, eine Online-Plattform für individuelle Foto-Torten. METRO hat in das in Prag ansässige Start-up Restu investiert, ein digitaler Reservierungsservice, mit dem der Konzern sein Technologieangebot für selbstständige Gastronomen erweitert.

Der dritte Trend im M&A Markt für Handel und Konsumgüterindustrie ist der regionale Markteintritt, wie die Übernahme des Berliner Functional Food Start-ups "food spring" durch den neuseeländischen Molkereikonzern Fonterra, der sich damit den deutschen Markt eröffnet.

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