Deutschland

Chemiebranche: Produktion wird 2019 um 4 Prozent einbrechen

Lesezeit: 2 min
03.07.2019 14:38
Die Chemiebranche gilt als ein Frühindikator für die gesamte deutsche Wirtschaft. Nun hat deren Branchenverband sehr schlechte Prognosen für das laufende Jahr veröffentlicht.
Chemiebranche: Produktion wird 2019 um 4 Prozent einbrechen
Einen Kolben, in dem pharmazeutische Substanzen auskristallisiert werden, prüft eine Mitarbeiterin in einem Labor des Leibniz-Instituts für Organische Katalyseforschung (IFOK) in Rostock. (Foto: dpa)

Mehr zum Thema:  
Benachrichtigung über neue Artikel:  

Die deutsche Chemie- und Pharmabranche leidet zunehmend unter Handelskonflikten und der eingetrübten Weltkonjunktur. Nach einem schwachen ersten Halbjahr rechnet sie nur mit einer moderaten Belebung im Jahresverlauf, wie der Verband der Chemischen Industrie (VCI) am Mittwoch in Frankfurt mitteilte. "Die Risiken für die wirtschaftliche Entwicklung bleiben hoch", sagte Präsident Hans Van Bylen mit Blick auf den Handelsstreit zwischen den USA und China, den Brexit und den Iran-Konflikt. Sollte es zum Krieg im Nahen Osten kommen, hätte dies Folgen für den globalen Handel, zitiert ihn die dpa.

Für 2019 senkte der VCI erneut seine Prognose: Er rechnet nun mit einem Umsatzrückgang um 3 Prozent auf 197 Milliarden Euro. Zuletzt war er von einem Minus von 2,5 Prozent ausgegangen. Die Produktion in der drittgrößten deutschen Industriebranche soll zudem um 4 Prozent sinken und damit ebenfalls stärker als bisher kalkuliert.

"Die Weltwirtschaft entwickelt sich schwächer als zu Jahresanfang erwartet", sagte Van Bylen. Die Hoffnung liege nun auf einer Erholung bei Chemiekunden - vor allem in der Autobranche, die unter der Dieselkrise, schwachen Absätzen und hohen Kosten für die E-Mobilität leidet. Auch in der Nahrungsmittel- und Elektroindustrie könne es wieder minimal nach oben gehen, sagte der VCI-Präsident.

Als Zulieferer für viele weitere Branchen wie auch die Bau- und Kosmetikindustrie bekommt die Chemiebranche schlechtere Geschäfte bei ihren Abnehmern früh zu spüren und gilt als Konjunkturindikator.

Im ersten Halbjahr hatte die Chemiebranche abermals mit einer schwachen Industrienachfrage auf dem Heimatmarkt zu kämpfen. Wichtige Kunden wie Autohersteller und Maschinenbauer hielten sich mit Bestellungen zurück. Im Ausland, etwa im übrigen Europa und den USA, gingen die Verkäufe spürbar zurück. Die widrige Konjunktur und Handelskonflikte setzen auch Branchenriesen wie BASF zu. Er will 6000 Stellen weltweit abbauen, die Hälfte davon in Deutschland.

Von Januar bis Juni sank der der Umsatz der Chemie- und Pharmaindustrie um 4 Prozent auf fast 96 Milliarden Euro, die Produktion brach gemessen am Vorjahreszeitraum um 6,5 Prozent ein. Allerdings hatte die Pharmaindustrie 2018 eine Hochkonjunktur erlebt, nun normalisierte sich die Produktion.

Der VCI hatte seine Prognose für 2019 schon eingedampft, da ein Konzern Ende vergangenen Jahres die Produktion eines Blockbuster-Medikaments in Deutschland einstellte. Die Branche mit fast 465 000 Beschäftigten hierzulande ist aber immer noch gut ausgelastet und arbeitet auf hohem Niveau: 2018 erzielte sie einen Rekordumsatz von 203 Milliarden Euro.

Inhalt wird nicht angezeigt, da Sie keine externen Cookies akzeptiert haben. Ändern..


Mehr zum Thema:  

DWN
Ratgeber
Ratgeber Bestens geplant: Einkommensvorsorge für Beamte

Die neue Allianz Einkommensvorsorge schützt Beamte und alle, die es werden wollen, vor den finanziellen Risiken einer Berufs- oder...

DWN
Finanzen
Finanzen Die Kalte Enteignung der Sparer geht in eine neue Runde

Die kalte Enteignung der Sparer ist in vollem Gange. Nichts deutet darauf hin, dass sich die Lage verbessert – ganz im Gegenteil.

DWN
Politik
Politik „Wir sind am Ende“: Unternehmen bereiten Verfassungsklage gegen das Infektionsschutzgesetz vor

Eine Gruppe von Händlern und Gastronomen will gegen die geplante Änderung des Infektionsschutzgesetzes und der Einführung einer...

DWN
Politik
Politik Unruhe in Peking: „Die USA wollen in China einen Umsturz herbeiführen“

Einem chinesischen Bericht zufolge planen die USA, auf dem chinesischen Festland eine Farbrevolution herbeizuführen. Es sei geplant, einen...

DWN
Finanzen
Finanzen Milliarden-Verlust: Realzins pulverisiert deutsche Spareinlagen

Der Realzins dreht im ersten Quartal mit minus 1,25 Prozent wieder ins Negative. Das heißt, dass die Ersparnisse der Deutschen im 1....

DWN
Deutschland
Deutschland Das sind die umstrittenen Bestimmungen des Bundes-Lockdowns

Aus einer Aufstellung geht detailliert hervor, welche Folgen der Bundes-Lockdown für Unternehmer und Bürger haben wird.

DWN
Finanzen
Finanzen Inflation voraus: Konsum-Rausch in den USA, Biden saniert damit geschickt den Staatshaushalt

Ökonomen zufolge hat das aktuelle US-Konjunkturpaket einen Konsumrausch ausgelöst, weil Schecks an die Bevölkerung verteilt wurden. Was...

DWN
Finanzen
Finanzen „Gold ist die Grundlage der Stabilität des internationalen Währungssystems“

Nach Angaben der europäischen Notenbanken ist Gold wichtig für die Stabilität des internationalen Währungssystems. Doch das Edelmetall...

DWN
Weltwirtschaft
Weltwirtschaft BlackRock und Corona-Krise: Zwischen Allmacht, Größenwahn und Profitgier

Der US-Vermögensverwalter BlackRock gehört zu den größten Profiteuren der Corona-Krise. Doch damit nicht genug. BlackRock wird auch im...