Technologie

Schnelles Internet: Bundesregierung streitet sich mit Ost-Ländern um die mediale Deutungshoheit

Lesezeit: 1 min
11.07.2019 09:43
Laut dem Bundesministerium für Verkehr und digitale Infrastruktur (BMVI) verfügen über ein Drittel aller Gewerbegebiete in Deutschland nicht über schnelles Internet. Besonders stark betroffen sollen die beiden Bundesländer Sachsen-Anhalt und Mecklenburg-Vorpommern sein. Doch die äußern Zweifel an den Zahlen.
Schnelles Internet: Bundesregierung streitet sich mit Ost-Ländern um die mediale Deutungshoheit
Schnelles Internet ist in Ost-Deutschland nicht selbstverständlich: Reinhold Amenda, parteiloser Bürgermeister von Möllenhagen (Kreis Müritz in Mecklenburg-Vorpommern), steht im März 2012 am Ortsrand und prüft mit einem Tablet-PC die Internet-Verfügbarkeit. (Foto: dpa)

Mehr zum Thema:  
Benachrichtigung über neue Artikel:  

„Wie viele Gewerbegebiete haben nach Kenntnis der Bundesregierung bisher noch keinen Zugang zu Breitband-Internet mit mindestens 50 Mbits/s?“, wollte die FDP-Bundestagsfraktion von der Regierung wissen. Die Antwort des BMVI (die noch nicht veröffentlich ist, den Deutschen Wirtschafts Nachrichten jedoch vorliegt): 21.745 von insgesamt 62.074, die es deutschlandweit gibt (entspricht einem Anteil von 35 Prozent). Am besten stellt sich die Situation in Berlin dar, wo lediglich 6,8 Prozent der Gewerbegebiete nicht über einen Internet-Anschluss mit einer Download-Geschwindigkeit von mindestens 50 Megabit pro Sekunden verfügen. Es folgen die beiden anderen Stadtstaaten Hamburg und Bremen mit 13,9 beziehungsweise 14,0 Prozent.

Am schlechtesten sieht es in den fünf neuen Bundesländern aus: Thüringen liegt unter den 16 Bundesländern auf Platz zwölf (37,3 Prozent), Brandenburg auf Platz 13 (42,1 Prozent), Sachsen auf Platz 14 (46,0 Prozent). Ganz am Ende der Liste: Mecklenburg-Vorpommern auf Rang 15 (57,0 Prozent) und Sachsen-Anhalt auf Rang 16 (57,1 Prozent).

Das wollen die zwei Bundesländer - die übrigens auch im Ranking nach Bruttoinlandsprodukt pro Kopf die beiden schlechtplatziertesten Bundesländer sind - jedoch nicht akzeptieren. In einer Pressemitteilung des Wirtschafts- und Digitalisierungs-Ministeriums von Sachsen Anhalt heißt es: „Nach Zahlen des TÜV Rheinland verfügten Ende 2017 rund 70 Prozent der Unternehmen in Sachsen-Anhalt über Internetanschlüsse mit einer Download-Geschwindigkeit von mindestens 50 Megabit pro Sekunde. … Aktuelle Medienberichte, wonach in Sachsen-Anhalt 57 Prozent der Gewerbegebiete über Internet-Geschwindigkeiten von weniger als 50 Mbits/s verfügen, sind daher nicht nachvollziehbar.“

Das Ministerium für Energie, Infrastruktur und Digitalisierung von Mecklenburg-Vorpommern lässt auf Anfrage der Deutschen Wirtschafts Nachrichten wissen: „Diese Zahl ist uns nicht bekannt und wir können auch nicht nachvollziehen, wie sie ermittelt wurde.“

Das BMVI bleibt allerdings bei seinen Angaben. Ein Sprecher des Ministeriums teilte den Deutschen Wirtschafts Nachrichten mit: „Die Zahlen … geben den Kenntnisstand der Bundesregierung wieder.“

Inhalt wird nicht angezeigt, da Sie keine externen Cookies akzeptiert haben. Ändern..


Mehr zum Thema:  

DWN
Finanzen
Finanzen Ausweg aus der Krise durch alternative Bezahlplattform

Das Vertrauen in die Banken und die Politik schwindet zusehends. Die aktuell schwierige wirtschaftliche Lage, welche aufgrund der Covid-19...

DWN
Finanzen
Finanzen Selbst überfliegende Kryptowährungen sind nicht vor irdischen Problemen gefeit

In der bekanntesten Weltraumserie aller Zeiten dringt das Raumschiff Enterprise in Galaxien vor, die nie ein Mensch zuvor gesehen hat....

DWN
Unternehmen
Unternehmen Ausgerechnet jetzt: Banken verschärfen ihre Kreditvergabepolitik für den Mittelstand

Die deutschen Banken verschärfen ihre Kreditvergabepolitik – allerdings nur für den Mittelstand.

DWN
Deutschland
Deutschland Auftragsrekord für Baubranche: Warnung vor Immobilienblase

Niemals hat die deutsche Baubranche so viele Neuaufträge in einem Februar erhalten wie dieses Jahr. Forscher sehen in der Entwicklung eine...

DWN
Finanzen
Finanzen Auszug oder Umbau: Was tun, wenn Senioren das Haus zu groß wird?

Senioren haben auf dem Immobilienmarkt meistens ein anderes Problem als der suchende Rest: Ihnen steht nach Auszug der Kinder oder Verlust...

DWN
Deutschland
Deutschland Gilt ab heute: Ausgangsbeschränkung umfasst auch Bahn-Reisen und Flüge in Hochinzidenz-Städte

Bahn-Reisen, Flüge und private Autofahrten in Hochinzidenz-Städte sind während der nächtlichen Ausgangsbeschränkung laut einem Bericht...

DWN
Unternehmen
Unternehmen Familienunternehmer fällen vernichtendes Urteil über Merkel-Regierung

Die Unzufriedenheit der Familienunternehmer mit der Bundesregierung ist auf einen historischen Rekord angestiegen. Denn die Politik der...

DWN
Deutschland
Deutschland Hochschulen wünschen sich Ausnahmen von der "Bundes-Notbremse"

Die Hochschulen fordern von der Bundesregierung schnelle Klarstellungen im Zusammenhang mit der sogenannten Bundes-Notbremse, die am...

DWN
Politik
Politik Baerbock verknüpft Klima-Politik mit dem US-Feldzug gegen China

Die Grüne Annalena Baerbock fordert eine „Klimapartnerschaft“ mit den USA. Diese soll auf einem sonderbaren geopolitischen Fundament...