Politik
Gefahr für die nationale Sicherheit

Nicht genug eigene Forscher: US-Militär ist von russischen und chinesischen Wissenschaftlern abhängig

US-Universitäten sollen nach Willen des US-Militärs keine russischen und chinesischen Wissenschaftler auf dem Gebiet der Hyper-Schallgeschwindigkeit mehr ausbilden. Das Problem: Kompetente amerikanische Kandidaten als Ersatz zu finden ist äußerst schwierig.
11.08.2019 17:43
Lesezeit: 1 min

Das US-Militär warnt davor, im Bereich Hyper-Schallgeschwindigkeit Wissenschaftler auszubilden, die aus Ländern stammen, mit denen die USA keine engen Beziehungen pflegen. Gemeint sind damit vor allem China und Russland. Auf einer mit Generälen und renommierten Forschern äußert hochrangig besetzten Konferenz, die letzte Woche in West Lafayette (US-Bundesstaat Indiana) stattfand, sagte Dr.Ivett Leyva, Ingenieurin am „Forschungslabor der Luftwaffe“: „Ich finde nicht, dass wir Leute ausbilden sollten, die nicht freundlich gesinnte Länder hier rüber schicken. Das ist doch einfach unmöglich.“ Russ Cummings, Professor für Luftfahrt-Technik an der Universität der Luftwaffe, sagte, dass amerikanische Universitäten in sensiblen Forschungsbereichen nur amerikanische Staatsbürger einsetzen sollten.

Das Problem: Bei den (angehenden) Wissenschaftlern, die in Hyper-Schallgeschwindigkeit ausgebildet werden, handelt es sich nicht um Studienanfänger, sondern um Ingenieure und Physiker, die ihren Master oder häufiger sogar ihren Doktor machen. Sie lernen nicht nur, sondern leisten auch Forschungsarbeit. Würden die entsprechenden US-Universitäten die Ausländer nicht mehr aufnehmen, könnte ein großer Teil der Forschungsarbeit nicht mehr geleistet werden.

Denn in den USA drängen - noch mehr als in Deutschland und anderen westlichen Ländern - die Studenten zunehmend in sogenannte „weiche“ Fächer, in denen es nicht um Zahlen geht (beispielsweise Sprach-, Sozial- und Kulturwissenschaften sowie Jura). Weit überdurchschnittlich viele Studienplätze bei den „harten“ Fächer wie Ingenieurwesen, Mathematik und Naturwissenschaften, werden hingegen von ausländischen Studenten belegt.

Die USA stehen also vor einem Dilemma. Einerseits benötigen sie für den Bau von Waffensystemen im Bereich der Hyper-Schallgeschwindigkeit (mehr als 6.174 Kilometer pro Stunde) ein hohes Maß an Forschungsarbeit. Gleichzeitig wollen sie diese nicht von Wissenschaftlern durchführen lassen, die sich nicht im Besitz der US-Staatsbürgerschaft befinden. Dementsprechend war auf der Konferenz von einem „Problem für die nationale Sicherheit“ die Rede.

Eine aus ihrer Sicht wirklich überzeugende Lösung haben die Verantwortlichen noch nicht gefunden. Auf der Konferenz wurde daher ein Kompromiss angeregt: Man solle weiterhin Nicht-Amerikaner rekrutieren, allerdings nur aus Ländern, die den USA nicht „feindlich“ gesonnen seien. Darüber hinaus sollten die bereits bestehenden Finanzierungen für Hyperschallgeschwindigkeits-Forschungsprojekte in befreundeten Ländern wie Australien und Großbritannien weiter ausgebaut werden.

Mehr zum Thema
Bleiben Sie über das Thema dieses Artikels auf dem Laufenden Klicken Sie auf [+], um eine E-Mail zu erhalten, sobald wir einen neuen Artikel mit diesem Tag veröffentlichen
Anzeige
DWN
Technologie
Technologie Der wachsende Trend zu flexiblen Konsumausgaben bei deutschen Verbrauchern

Deutsche Haushalte verändern ihr Ausgabeverhalten grundlegend. Wo früher feste Sparpläne und monatliche Budgets den Alltag bestimmten,...

DWN
Wirtschaft
Wirtschaft Deutsche Wirtschaft vor der Wende: Warum ausgerechnet Saab neue Hoffnung macht
13.08.2026

Deutschlands Autobauer bauen Stellen ab, doch gleichzeitig wächst die Wirtschaft stärker als erwartet. Neue Startups, mehr Kapitalmarkt...

DWN
Technologie
Technologie Elon Musk und die KI: Wer regiert bald die Welt?
13.08.2026

Elon Musk warnt vor KI, Bürgerkrieg und dem Aufstieg neuer Supermächte – doch zugleich verkörpert er selbst die beispiellose Macht der...

DWN
Politik
Politik NATO-Reform: Saluschnyj erklärt das mächtigste Militärbündnis der Welt für überholt
13.08.2026

Die Ukraine wollte jahrelang von der NATO lernen. Nun erklärt ihr früherer Oberbefehlshaber das Bündnis für militärisch überholt und...

DWN
Wirtschaft
Wirtschaft Trockenheit kostet Landwirte 600 Millionen Euro
13.08.2026

Die Dürre hinterlässt auf deutschen Feldern deutliche Spuren: Millionen Tonnen Getreide und Raps sind bereits verloren. Für Verbraucher...

DWN
Finanzen
Finanzen KI-Aktien unter Druck: Milliardenverlust zeigt die verborgene Gefahr
13.08.2026

Ein gefeierter Tech-Investor setzte mit gewaltigem Hebel auf KI-Aktien und verlor innerhalb weniger Wochen rund 35 Milliarden US-Dollar....

DWN
Politik
Politik Rentensplitting statt Witwenrente: Steht die Hinterbliebenenrente vor dem Aus?
13.08.2026

Im Rahmen der Rentenreform steht plötzlich auch die Witwenrente zur Diskussion. Ein Expertenvorschlag: Ein verpflichtendes Rentensplitting...

DWN
Unternehmen
Unternehmen Volvo ES90 im Test: Ein guter Grund, den Deutschen Lebewohl zu sagen?
13.08.2026

Der Volvo ES90 ist kein Elektroauto für Käufer, die möglichst günstig in die Premiumklasse einsteigen wollen. Doch wer Komfort,...

DWN
Wirtschaft
Wirtschaft Experten warnen: Pleitewelle hält bis mindestens 2027 an
13.08.2026

Seit Monaten steigt die Zahl der Firmenpleiten in Deutschland. Daran dürfte sich so schnell nichts ändern, obwohl jüngste...