Deutschland
Weitere deutsche Vorzeige-Branche steht im Feuer

Aufträge brechen ein: Deutsche Werkzeugmaschinen-Industrie verzeichnet starkes Minus

Die Aufträge der deutsche Werkzeugmaschinen-Industrie gehen dramatisch zurück.
22.08.2019 15:50
Lesezeit: 1 min

Eine weitere deutsche Vorzeige-Branche steckt in Schwierigkeiten: Laut einer Pressemitteilung der Branchen-Organisation „Verein Deutscher Werkzeugmaschinenfabriken“ (VDW) haben ihre Mitglieds-Unternehmen seit Beginn des Jahres mit äußerst starken Auftrags-Rückgängen zu kämpfen. Im ersten Quartal betrugen sie 21 Prozent, im zweiten 22 Prozent. Dass die Konjunktur in Deutschland immer stärker lahmt, lässt sich auch daran ersehen, dass der Rückgang der Inlands-Bestellungen im ersten Quartal „nur“ bei 19 Prozent im Minus lag, im zweiten Quartal jedoch bei 28 Prozent.

„Als reiner Investitionsgüterlieferant und Ausrüster der Industrie ist die Werkzeugmaschinenindustrie dem Druck aus der Nachfrageschwäche der größten Abnehmerbranche Maschinenbau und Automobilindustrie ausgesetzt, die durch den lange verzögerten Transformationsprozess hin zu neuen Antriebstechnologien zusätzlich verunsichert ist und Investitionen zurückschraubt“, heißt es in der Presseerklärung. Sowohl der Maschinenbau als auch die Auto-Industrie befinden sich in einer zunehmend schwereren Krise.

Laut VDW-Geschäftsführer Wilfried Schäfer sind „die Bestellungen von Werkzeugmaschinen weltweit eingebrochen“. Schäfer nennt keine Namen, dürfte sich mit seiner Aussage jedoch auf US-Präsident Donald Trump und britische Brexit-Befürworter beziehen: „Viele Länder müssen nun ausbaden, was internationale Politiker täglich vom Zaune brechen.“

Auf die Frage der Deutschen Wirtschaftsnachrichten, ob die Branche auf den Auftragsrückgang mit Entlassungen reagieren werde, sagte eine VDW-Sprecherin: „Wir gehen nicht von einem großen Personalabbau aus. In Sachen Produktionstechnik sind die deutschen Unternehmen führend, weltweit die Nummer eins. Die Mitarbeiter, sowohl Ingenieure als auch Facharbeiter, sind hochqualifiziert. Um weiter High-Tech produzieren zu können, müssen die Unternehmen ihr Personal behalten.“

Die Sprecherin nährte Hoffnung, dass sich die Situation in der zweiten Jahreshälfte verbessert: „Im September findet in Hannover die Weltleitmesse der Branche, die EMO, statt: Von ihr erwarten wir uns einen kräftigen Aufschwung.“ Darüber hinaus sei das Jahr 2018 ein „außerordentlich gutes“ gewesen, insofern vollziehe sich der Abschwung von einem sehr hohen Niveau aus. Und schließlich handele es bei den Werkzeugmaschinen-Industrie um eine sehr zyklische Branche: „Da kann es immer mal wieder zu starken Auftrags-Rückgängen kommen.“

Die Unternehmen der deutschen Werkzeugmaschinen-Industrie mit mehr als 50 Mitarbeitern beschäftigen zusammen rund 74.000 Menschen (eine Statistik, in der kleinere Unternehmen mit enthalten sind, existiert nicht; insofern ist die Gesamtzahl noch höher). Der Branche gehören weit mehr als 500 Firmen an, die einen Gesamtumsatz von etwa 18 Milliarden Euro im Jahr erzielen.

Mehr zum Thema
Bleiben Sie über das Thema dieses Artikels auf dem Laufenden Klicken Sie auf [+], um eine E-Mail zu erhalten, sobald wir einen neuen Artikel mit diesem Tag veröffentlichen
X
DWN-Wochenrückblick

Weniger E-Mails, mehr Substanz: Der DWN-Wochenrückblick liefert 1x/Woche die wichtigsten Themen kompakt als Podcast. Für alle, deren Postfach überläuft.

E-mail: *

Ich habe die Datenschutzerklärung sowie die AGB gelesen und erkläre mich einverstanden.

DWN
Politik
Politik Energiepreise: EU erlaubt mehr Staatshilfen für Industrie und Landwirte
03.05.2026

Die Industrie ächzt unter hohen Energiepreisen, Landwirte sorgen sich mit Blick auf Düngemittel. Die EU-Staaten dürfen ihnen deshalb...

DWN
Panorama
Panorama Kultfahrzeuge aus der DDR: Warum Trabant, Wartburg und Simson weiterleben
03.05.2026

Einst ausgemustert, heute begehrt: Fahrzeuge aus der DDR gelten als Kultobjekte mit wachsender Fangemeinde. Doch hinter dem nostalgischen...

DWN
Finanzen
Finanzen Stagflationsschock: EU warnt vor Finanzkrise durch milliardenschwere Energiepreisbremsen
03.05.2026

Die EU-Kommission warnt vor einer Finanzkrise infolge des Irankriegs. Grund sind die um 60 Prozent gestiegenen Energiepreise und drohende...

DWN
Wirtschaft
Wirtschaft EU-Haushalt vor Neuordnung: Europäischer Rechnungshof zweifelt an Reform
02.05.2026

Der geplante EU-Haushalt stellt die Finanzordnung der Europäischen Union vor einen tiefen Umbau und ruft den Europäischen Rechnungshof...

DWN
Politik
Politik Island wägt EU-Beitritt neu ab: Fischerei wird zum Schlüsselthema
02.05.2026

Die EU verstärkt ihre Annäherung an Island und bringt dabei insbesondere die Fischereiregeln erneut in die politische Debatte ein....

DWN
Wirtschaft
Wirtschaft Phänomen Zeitarmut: Wenn Arbeit die Lebenszeit auffrisst - 5 hilfreiche Strategien
02.05.2026

Mehr Arbeiten? Der Tag hat nur 24 Stunden - warum immer mehr Menschen an ihre Grenzen stoßen und Berufstätigen bis zum Feierabend oft...

DWN
Unternehmen
Unternehmen Ford Tourneo Custom PHEV im Test: Großraum-Van fährt auch elektrisch
02.05.2026

Ein großer Van, der auch elektrisch fährt. Kann der Ford Tourneo Custom PHEV den Diesel ersetzen?

DWN
Wirtschaft
Wirtschaft Militärlogistik im Wandel: Lkw-Hersteller drängen in die Rüstungsindustrie
02.05.2026

Die Militärindustrie eröffnet europäischen Lkw-Herstellern neue Geschäftsfelder, in denen Nutzfahrzeuge zu vernetzten Einsatzsystemen...