Deutschland

LKW-Fahrer machen mobil: Wollen nicht von Osteuropa überrollt werden

Lesezeit: 1 min
14.05.2013 01:34
Europas Kraftfahrer leisten Widerstand gegen die Konkurrenz aus Osteuropa. Die Liberalisierung des Transportsektors führt zu einem ruinösen Wettbewerb. Mehr als 25.000 LKW-Fahrer wollen nun öffentlich dagegen vorgehen. Eine Groß-Demonstration in Berlin macht den Anfang.
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Immer mehr deutsche Transportunternehmen gehen pleite oder verlagern ihren Standort nach Osteuropa. Der Grund: Die europaweite Öffnung des Transportwesens für osteuropäische Speditionen macht den westeuropäischen Unternehmen Konkurrenz, mit der sie nicht mithalten können. Die Löhne sind zu niedrig, die Fahrzeuge der osteuropäischen Konkurrenz unterliegen teilweise keinen regelmäßigen Inspektionen, das Arbeitsrecht wird oft nicht eingehalten.

Ingo Schulze von den Kraftfahrer-Clubs Deutschland (KCD) stehen in Deutschland „mehrere 100.000 Arbeitsplätze in Gefahr“, wenn sich die Situation in den nächsten Jahren nicht grundlegend ändern werde. Neuesten Berichten des Bundesamtes für Güterverkehr (BAG) zu Mautstatistik zufolge sei der Anteil deutscher Transportunternehmen von 62,9 Prozent „auf unter 60 Prozent gesunken“, sagte Schulze den Deutschen Wirtschafts Nachrichten.

Schulze macht deshalb in Zusammenarbeit mit der niederländischen Initiative „Actie in de Transport Deutschland“ auf eine Demonstration in Berlin aufmerksam. Am ersten Juni findet eine Kundgebung statt. Die Teilnehmer treffen sich an der Siegessäule und ziehen über die Straße des 17. Juni zum Platz der Republik. Über 25.000 Kraftfahrer und Transportunternehmer haben sich in Europa bereits zusammengeschlossen, um gegen sinkende Löhne und schlechte Arbeitsbedingungen zu protestieren.

„Wir wollen unser Fünf-Punkte-Programm durchsetzen“, sagte Schulze. Dabei geht es den Kraftfahrern und Unternehmen in erster Linie um die „Umsetzung der bestehenden EU-Richtlinien, insbesondere der Richtlinie zur Arbeitnehmerentsendung“. Durch die EU-Osterweiterung werden die Lohnvereinbarungen und die Arbeitsbedingungen unterwandert, so dass es sich für deutsche Fernfahrer nicht mehr lohnt, zu arbeiten.

Der Beruf verliert Arbeitskräfte. Dadurch nehmen selbst die deutschen Transportunternehmen immer öfter osteuropäische Arbeitskräfte auf. „Diese sind dann aber zum Teil drei Wochen im Lkw unterwegs, bevor sie wieder nach Hause fahren“, sagte Schulze. Das kollidiere mit bestehenden EU-Verordnungen und Sozialvorschriften.

Ein Bericht der Europäischen Transportarbeiter-Föderation (ETF) beschreibt die Situation gar als „Moderne Sklaverei im heutigen Europa“. Der Wettbewerb ist extrem verzerrt: „Offiziellen Quellen zufolge betrug 2006 das Jahresgehalt eines Fahrers zwischen 29.000€ in Belgien und 1.800€ in Bulgarien“, heißt es in dem ETF-Bericht.

Auch die Kriminalität auf deutschen Autobahnen hat zugenommen. „Man muss heutzutage aufpassen, wo man sich hinstellt“, sagte Schulze. Planen von Anhängern werden aufgeschlitzt, Diesel wird aus dem Tank abgepumpt, Frachten werden gestohlen. Vor allem auf deutschen Autobahnen wittern Frachtdiebe fette Beute (mehr hier).


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