Finanzen

Bitcoin: Technologie zur vollständigen Anonymität entwickelt

Lesezeit: 2 min
29.05.2013 23:49
Nach der zwangsweisen Schließung von Liberty Reserve wegen angeblicher Geldwäsche möchte die Internet-Währung Bitcoin die Rolle einer Alternativ-Währung übernehmen. Die Johns-Hopkins-Universität hat eine Technologie entwickelt, mit der es gänzlich unmöglich sein soll, Bitcoin-Transaktionen nachzuverfolgen.
Bitcoin: Technologie zur vollständigen Anonymität entwickelt

Mehr zum Thema:  
Benachrichtigung über neue Artikel:  

Um eine Bitcoin-Adresse zu erhalten, muss man sich lediglich die entsprechende Software auf seinem Computer oder seinem Handy installieren. Sofort kann man Bitcoin-Zahlungen empfangen. Nirgends muss man seinen Namen oder andere persönliche Daten angeben. Aus diesem Grund nutzt auch etwa der globale Internet-Schwarzmarkt Silk Road die Alternativ-Währung Bitcoin zur Zahlung.

Über diese virtuelle Seidenstraße kann man neben ganz legalen Dingen auch etwa illegale Drogen erwerben. Man weiß bei Silk Road nichts über den Verkäufer, abgesehen von einer Bitcoin-Adresse und seinen guten oder schlechten Bewertungen, die andere Kunden hinterlassen haben. Und aufgrund des Bewertungs-Systems à la Ebay sind die Lieferzeiten kurz und die Qualität und die Preise gut. Ein perfekter freier Markt.

Doch auch wenn man für Bitcoin-Zahlungen nirgends seine Identität preisgeben muss, gibt es im Hinblick auf die Anonymität eine Einschränkung. Alle Bitcoin-Transaktionen sind öffentlich und können von jedem im Internet mitverfolgt werden. Dabei kann noch Jahre später mitverfolgt werden, von welcher Adresse an welche Adresse wie viele Bitcoin gesendet wurden.

Zwar kann jeder Bitcoin-Nutzer beliebig viele Adressen anlegen, doch letztlich sind die Überweisungen alle nachvollziehbar, in der sogenannten Block-Chain. Es ist wie mit markierten Bargeld-Scheinen, die man möglichst unauffällig wieder ausgeben muss, wenn man nicht zurückverfolgt werden will. Bei Liberty Reserve gab es mehr Anonymität. Doch das internetbasierte Zahlsystem wurde am Dienstag von den US-Behörden geschlossen (hier). Der Vorwurf: Geldwäsche.

Nun haben Kryptographen der John Hopkins University eine Erweiterung für Bitcoin vorgeschlagen, die das Bezahlen noch anonymer machen könnte. Wenn dieses Add-on mit dem Namen Zerocoin sich durchsetzt, würden Transaktionen nicht mehr nachvollziehbar sein.

Matthew Green, einer der Autoren der Forschungsarbeit, schreibt einem Blog-Artikel: „So kompliziert wie Bitcoin auch sein mag, die Kryptographie kann man auch Nicht-Experten erklären.“ Leider sei das mit Zerocoin etwas Anderes. Es werde einige Zeit dauern, bis man die Leute davon überzeugt, dass es sicher ist, so Green.

Zudem ist unklar, ob es einen Bedarf nach Zerocoin gibt. Denn die Transparenz von Bitcoin macht einen Teil der Attraktivität des Systems aus. Betrug wird dadurch erschert. Im Jahr 2011 ist es etwa gelungen, 25.000 gestohlene Bitcoin zurückzuverfolgen, berichtet die NYT.

Bisher sind die staatlichen Behörden kaum gegen Bitcoin vorgegangen. Sie haben auch gar keinen Zugriff auf ein System, das über keine zentrale Behörde verfügt. Zwar können sie gegen die Handelsplätze vorgehen, wo Bitcoins gegen die Fiat-Währungen der Welt gehandelt wird. Zuletzt sperrten etwa die US-Behörden der größten Online-Börse Mt.Gox die Konten (hier). Doch es gibt für die Behörden prinzipiell keine Möglichkeit, an die Bitcoin-Guthaben der Nutzer zu gelangen.

Allerdings könnten die Behörden den Unternehmen verbieten, eine Zahlung mit Bitcoin anzubieten. Auf diese Weise würden sie Bitcoin unattraktiver machen und zumindest vorübergehend in die Schattenwirtschaft verbannen. Und dagegen könnte auch Zerocoin nichts ausrichten.

Inhalt wird nicht angezeigt, da Sie keine externen Cookies akzeptiert haben. Ändern..


Mehr zum Thema:  

DWN
Unternehmen
Unternehmen Elektromobilität: In jedem Wandel stecken Chancen

Emissionen verringern, Kosten sparen und Imagegewinne erzielen – die Gründe für Unternehmen, in der Flotte auf Fahrzeuge mit...

DWN
Deutschland
Deutschland Bund und Länder verhängen massive neue Corona-Einschränkungen

Bund und Länder haben sich bei ihrem Corona-Krisengespräch am Mittwoch auf vorübergehende massive Beschränkungen des öffentlichen...

DWN
Deutschland
Deutschland Psychotherapeuten-Vereinigung: "Die Bundesregierung muss umfangreich und differenziert aufklären und die Menschen beteiligen"

Die ständig schlechten Nachrichten sind eine massive Bedrohung für die psychische Gesundheit. Der Bundesvorsitzende der Deutschen...

DWN
Deutschland
Deutschland Risiko einer zweiten Rezession in Deutschland steigt

Ökonomen schließen wegen der stark steigenden Corona-Positivtests und wegen der drohenden Gegenmaßnahmen einen Rückfall der deutschen...

DWN
Deutschland
Deutschland So verrückt sind manche Corona-Regelungen in Deutschland

Karneval ohne Schunkeln, Fußball ohne Fangesänge, Sex nur mit einem Partner: Eine Auswahl von interessanten Corona-Regelungen in den 16...

DWN
Finanzen
Finanzen Ende des Börsenbooms? Was der drohende Lockdown für Anleger bedeutet

Freitag letzter Woche veröffentlichten wir einen Artikel von Andreas Kubin. Angesichts der Ereignisse, die in den vergangenen drei Tagen...

DWN
Deutschland
Deutschland Ärzte-Verbände fordern Strategiewechsel in Corona-Politik

Die Kassenärztliche Bundesvereinigung und Dutzende weitere Mediziner-Fachverbände fordern von Bund und Ländern einen Strategiewechsel in...

DWN
Deutschland
Deutschland Labor liefert reihenweise falsch positive Corona-Ergebnisse

Täglich werden in den deutschen Laboratorien abertausende Corona-Tests ausgewertet. Mitunter wird den Patienten ein falsch positives...

DWN
Politik
Politik Will die italienische Regierung das Militär gegen Anti-Corona-Demonstranten einsetzen?

In Italien droht offenbar ein Einsatz des Militärs im Inland, um die Anti-Corona-Proteste einzudämmen. Ein renommierter...

DWN
Deutschland
Deutschland Einzelhandel fürchtet Einbruch bei wichtigem Weihnachtsgeschäft

Wegen des drohenden zweiten Lockdowns droht den deutschen Einzelhändlern nach einem schlechten Jahr nun auch ein schlechtes...

DWN
Unternehmen
Unternehmen Londoner Airport Heathrow verliert europäischen Spitzenplatz

Die Corona-Pandemie kostet den Londoner Flughafen seinen europäischen Spitzenplatz. Das Management kürzte für das kommende Jahr seine...

DWN
Weltwirtschaft
Weltwirtschaft Krisen-Profiteur Delivery Hero liefert jetzt mehr als nur Essen

Nachdem der Essenslieferdienst seinen Umsatz im dritten Quartal verdoppeln konnte, will er nun weitere Märkte erschließen. An der Börse...

DWN
Finanzen
Finanzen Bitcoin klettert auf höchsten Stand seit Anfang 2018

Die starken Kursgewinne des Bitcoin setzen sich fort. Erreicht die größte Kryptowährung noch vor Weihnachten ein neues Allzeithoch?

DWN
Marktbericht
Marktbericht Steigende Infektionszahlen drücken Dax unter psychologisch wichtige Marke von 12.000 Punkten

Die deutschen Börsen werden weiter von der Pandemie belastet. Da konnten auch positive Nachrichten der Deutschen Bank nur wenig helfen,...

DWN
Deutschland
Deutschland Deutsche Exporteure fürchten verstärkte Corona-Maßnahmen

Die deutschen Exporteure blicken mit Sorge in die Zukunft, wie das Ifo-Institut am Dienstag mitteilte. Denn wichtige Handelspartner drohen...