Finanzen

IVG macht trotz Milliardenschulden weiter

Lesezeit: 2 min
12.08.2013 13:13
Der Bonner Immobilienkonzern IVG soll nun doch vor der Insolvenz gerettet werden. In letzter Minute einigten sich die Gläubiger auf einen Teilverzicht ihrer Forderungen. Mit Schulden in Höhe von 4,6 Milliarden drohte andernfalls eine der größten jemals in Deutschland vollzogenen Unternehmens-Pleiten.
IVG macht trotz Milliardenschulden weiter

Mehr zum Thema:  
Benachrichtigung über neue Artikel:  

Der Immobilienkonzern IVG muss vorerst offenbar nicht Insolvenz anmelden. Wie das Unternehmen am Wochenende bekannt gab, haben sich die Gläubiger nun doch auf einen Kompromiss geeinigt. Der hoch verschuldete Immobilien-Riese dürfte trotz Verbindlichkeiten in Höhe von 4,6 Milliarden Euro am Leben erhalten werden.

Der Sanierungsplan sieht vor, dass die IVG in Zukunft weitgehend unter der Kontrolle seiner Gläubiger stehen wird. Diese verzichten offenbar auf die Rückzahlung von 1,75 Milliarden Euro und sollen dafür 96 Prozent der Anteile an der IVG bekommen. Sollte der Plan durchgewunken werden, sinken die Schulden auf 2,45 Milliarden Euro. Noch müssen aber alle Gläubiger ihre Zustimmung erteilen. Keine Selbstverständlichkeit, ist doch die IVG mittlerweile in erster Linie von Hedgefonds und Risiko-Investoren abhängig. Noch Ende Juli scheiterte ein erster Kompromiss-Vorschlag am Widerstand dieser Gläubiger-Gruppen.

Immerhin könnten bei einer Konzernzerschlagung einige der beteiligten Akteure sogar profitieren. Restrukturierungs-Gesellschaften brachten sich in den vergangenen Monaten bereits in Stellung, um bei einem möglichen Verkauf einzelner Unternehmenssparten an der Abwicklung zu verdienen.

Hauptanteilseigner an der IVG ist mit 20 Prozent der Aktien die Mann Immobilien AG. Alle weiteren Großaktionäre haben ihre Anteile im Lauf der letzten Monate deutlich verringert oder sich gänzlich zurückgezogen. Ende des ersten Quartals war etwa noch die Santo Holding, hinter der die Gebrüder Strüngmann stehen, mit 10 Prozent beteiligt. Sie gründeten zusammen das Pharma-Unternehmen Hexal, heute der zweitgrößte Generika-Hersteller Deutschlands. Aktuell hält die Santo Holding nur mehr 2,45 Prozent. Nennenswerte Anteile haben darüber hinaus mehrere Investmentfonds.

Interessant ist dabei zum Beispiel das Engagement des Hedgefonds Goldsmith Capital Partners. Das Unternehmen ist auf den Kaimaninseln registriert und läuft auf den Namen des deutschen Investor-Urgesteins Clemens Vedder. Vedder lebt in Palm Beach, Florida. Von dort aus betreibt er auch zwei weitere Hedgefonds, Blacksmith Fund Ltd. und Goldsmith Opportunity Fund.

Über Goldsmith Capital Partners wollte Vedder vor einigen Jahren das große Aktienpaket erwerben, das dann an die Mann Immobilien AG ging. Mit seiner Vorgeschichte, zu der die Abwicklung und Restrukturierung zahlreicher Unternehmen ebenso gehört wie ein gescheiterter Versuch, die Commerzbank zu übernehmen, stieß ihm aber einiges an Widerstand entgegen. Ende des ersten Quartals lag sein Anteil noch bei knapp fünf Prozent. Nun werden Aktieninhaber wie er praktisch um ihr komplettes Geld umfallen. Aus 200 Anteilsscheinen soll im Zuge des Sanierungsplans ein einziger werden. In besseren Zeiten kostete die IVG-Aktie noch mehr als 35 Euro, aktuell notiert sie im Cent-Bereich.

Das vorwiegende Problem für die IVG sind jedoch nicht die Eigentümer, sondern die großen Gläubiger, allen voran Aurelius Capital, ein US-amerikanischer Hedgefonds. Aurelius Capital (nicht zu verwechseln mit der Münchner Investment-Firma Aurelius) gilt als aggressiver Hedgefonds, der sich schon öfter an diversen Übernahme-Schlachten beteiligt hat. Ihm werden 30 Prozent jener Wechselanleihen zugeschrieben, deren ausstehende Bedienung der Hauptgrund für die drohende Insolvenz war.

Ein Sprecher der IVG Immobilien AG wollte gegenüber den Deutschen Wirtschafts Nachrichten keine Stellungnahme abgeben.

Inhalt wird nicht angezeigt, da Sie keine externen Cookies akzeptiert haben. Ändern..


Mehr zum Thema:  

DWN
Ratgeber
Ratgeber Bestens geplant: Einkommensvorsorge für Beamte

Die neue Allianz Einkommensvorsorge schützt Beamte und alle, die es werden wollen, vor den finanziellen Risiken einer Berufs- oder...

DWN
Technologie
Technologie Die Renaissance der deutschen Atomkraft wirft ihre Schatten voraus

Die US-Regierung hat offenbar erkannt, dass die Abkehr von fossilen Energieträgern nur unter Einbeziehung der Atomkraft machbar sein wird....

DWN
Politik
Politik „Defender Europe 21“: Startschuss für massives Militärmanöver in Europa

In Europa ist eine riesiges US-geführtes Manöver angelaufen. Nach Angaben der amerikanischen Streitkräfte werden in den nächsten Wochen...

DWN
Weltwirtschaft
Weltwirtschaft Raps so teuer wie noch nie

Die Preise für Raps sind auf ein Rekordhoch gestiegen. An den Märkten machen sich Knappheitsängste breit.

DWN
Finanzen
Finanzen Extreme Märkte werden viele in Panik versetzen, aber wenige sehr reich machen

Banken und Politik fürchten sowohl Inflation als auch Deflation, wenn diese zu stark werden. Doch verhindern können sie beide letztlich...

DWN
Politik
Politik Mittelstand warnt vor ernsten Folgen des gegenwärtigen Klima-Aktionismus

Der Bundesverband mittelständische Wirtschaft warnt vor den konkreten Folgen der verschärften Klima-Politik der Bundesregierung. Die...

DWN
Politik
Politik Auf der Kippe: Wirtschaftsabkommen der EU wird in geopolitischen Feldzug gegen Peking hineingezogen

Das bahnbrechende Wirtschaftsabkommen der EU mit China steht auf der Kippe. Grüne und Sozialdemokraten organisieren den Widerstand im...

DWN
Politik
Politik Ungarn und Polen gehen gegen Gender Mainstreaming-Ideologie in EU-Dokumenten vor

Ungarn und Polen haben die Aufnahme von Elementen der Gender Mainstreaming-Ideologie in ein offizielles Dokument verhindert.

DWN
Politik
Politik Streit eskaliert: Französische Fischer blockieren Kanalinsel Jersey

Der Streit zwischen Frankreich und Großbritannien um Fischereirechte im Ärmelkanal spitzt sich zu.