Politik

Streit in der EU: Parteien links der Mitte wollen die europäische Lebensart nicht verteidigen

Eine ganze Reihe von Fraktionen im Europaparlament lehnt die Umbenennung des Ressorts „Migration, Inneres und Bürgerschaft“ in „Schützen, was Europa ausmacht“ vehement ab.
19.09.2019 12:14
Aktualisiert: 19.09.2019 12:32
Lesezeit: 2 min
Streit in der EU: Parteien links der Mitte wollen die europäische Lebensart nicht verteidigen
Mit EU-Parlamentarier David McAllister (CDU) hat Ursula von der Leyen keine Probleme, mit einer ganzen Reihe von anderen Mitgliedern des Parlaments schon. (Foto: dpa) Foto: Michael Kappeler

Die von der designierten EU-Kommissionspräsidentin Ursula von der Leyen geplante Umbenennung des Ressorts „Migration, Inneres und Bürgerschaft“ in „Schützen, was Europa ausmacht“, wird von einer ganzen Reihe von Fraktionen im Europaparlament vehement abgelehnt. Die Leitung des Ressorts soll vom Griechen Margaritas Schinas übernommen werden. In einem Brief von der Leyens an Schinas heißt es, das Ressort soll für eine „gut verwaltete legale Migration“ zuständig sein, mit einem „Schwerpunkt auf Integration“. Angesagt seien „Solidarität, Seelenruhe und Sicherheit.“ Es gäbe in der Bevölkerung „legitime Ängste und Sorgen wegen der Folgen ungeordneter Migration“; das Ressort müsse diese „ansprechen und zerstreuen“.

Bei einer ganzen Reihe von Fraktionen stieß die Namensänderung auf vehementen Widerstand. Die deutsche Ko-Vorsitzende der Fraktion „Grüne/Europäische Freie Allianz“ (EFA), Ska Keller, sagte: „Wir hoffen, dass Ursula von der Leyen keinen Widerspruch zwischen der Unterstützung von Flüchtlingen und europäischen Werten sieht“. Ihr belgischer Kollege Philippe Lambert pflichtete ihr bei und sprach von einem „absoluten Skandal“, der französische Abgeordnete Damien Careme von einer „Abscheulichkeit“.



Die Sprecherin der „Fraktion der Progressiven Allianz der Sozialdemokraten“ (S&D), Silvia Pelz, teilte den Deutschen Wirtschaftsnachrichten auf Anfrage mit: „Grundsätzlich hat die S&D Fraktion kein Problem mit dem Begriff "European Way of Life" - die offizielle deutsche Version der Kommission für das Portfolio lautet ja „Schützen, was Europa ausmacht" - hochproblematisch finden wir das Zusammenziehen von und mit "Schutz" und "Migration". Diese Sorge haben wir der designierten Kommissionspräsidenten Ursula von der Leyen bereits mitgeteilt.“

Noch einen Schritt weiter gingen die „Allianz der Liberalen und Demokraten für Europa“ (ALDE): Ihr Fraktions-Chef, der Belgier Guy Verhofstadt - ehemaliger Premierminister seines Landes und derzeit Chef-Unterhändler des EU-Parlaments für die Brexit-Verhandlungen - stellte eine offenen Drohung auf: „Entweder ändert sich Schinas´ Titel, oder er verliert die Zuständigkeit für Migration. Ansonsten könnte dies die Bestätigung der EU-Kommission in Gefahr bringen.“

Hintergrund: Die EU-Kommission muss vom Parlament bestätigt werden. Entscheidet es sich gegen eine Bestätigung, gilt dieses allerdings für die gesamte Kommission (der 27 Kommissare angehören), die Ablehnung eines einzelnen Kommissars ist nicht möglich. Einen Eklat in der Form, dass das Parlament einer gesamten Kommission seine Zustimmung verweigert hätte, hat es bis heute allerdings noch nie gegeben - bisher lenkte die Kommission bei Vorbehalten der Volksvertreter gegen einen Kommissar stets ein und verzichtete auf dessen Nominierung.

Mehr zum Thema
Bleiben Sie über das Thema dieses Artikels auf dem Laufenden Klicken Sie auf [+], um eine E-Mail zu erhalten, sobald wir einen neuen Artikel mit diesem Tag veröffentlichen
Anzeige
DWN
Technologie
Technologie Wie Verbraucher mit Risiko umgehen – zwischen Finanzentscheidungen und digitaler Unterhaltung

Risiko ist ein Begleiter fast jeder wirtschaftlichen Entscheidung. Mal ist es größer, mal kleiner. Mal offensichtlich, mal schwer...

DWN
Unternehmen
Unternehmen Boom-Branche Rüstung: Rheinmetall wird von Bewerbungswelle überrollt
24.04.2026

Vom umstrittenen Waffenbauer zum begehrten Top-Arbeitgeber: Der Düsseldorfer Konzern Rheinmetall erlebt einen beispiellosen Ansturm auf...

DWN
Unternehmen
Unternehmen Tesla-Aktie unter Druck: Warum KI-Investitionen das Kerngeschäft belasten
24.04.2026

Teslas Quartalszahlen fallen solide aus, doch die hohen Investitionen in KI, Robotik und autonomes Fahren verschärfen den Druck auf das...

DWN
Politik
Politik FCAS-Gipfel in Zypern: Merz und Macron verordnen neue Verhandlungsrunde
24.04.2026

Trotz festgefahrener Gespräche halten Deutschland und Frankreich am milliardenschweren Luftkampfsystem der Zukunft fest. Bei einem Treffen...

DWN
Finanzen
Finanzen Strom- und Gaskunden: Verivox-Chef warnt vor deutlich steigenden Gaspreisen
24.04.2026

Wer Auto fährt, wird entlastet - doch auch für die Strom- und Gaskunden kennen die Preise derzeit nur eine Richtung: nach oben.

DWN
Unternehmen
Unternehmen Ritter Sport streicht Stellen: Schokoladenhersteller erstmals von Stellenabbau betroffen
24.04.2026

2025 war kein einfaches Jahr für den Schokoladenhersteller Ritter Sport. Hohe Kosten für Kakao, Energie und Logistik drückten die Firma...

DWN
Finanzen
Finanzen Dividendenaktien mit Potenzial: Drei Aktien mit verlässlichen Ausschüttungen
24.04.2026

Dividendenaktien rücken in einem unsicheren Marktumfeld wieder stärker in den Vordergrund, da viele Anleger auf verlässliche...

DWN
Unternehmen
Unternehmen Das Ende vom kostenlosen Handgepäck? Lufthansa streicht freien Handgepäckkoffer
24.04.2026

Neuer Spartarif bei Lufthansa: Nur noch ein kleiner Rucksack oder eine Laptop-Tasche gratis – wer mehr will, zahlt drauf. Die Regelung...

DWN
Politik
Politik Angriffe auf Frachter nehmen zu: Konflikt in der Straße von Hormus weitet sich aus
24.04.2026

Die militärischen Spannungen zwischen Iran und den USA verlagern sich zunehmend auf zentrale Seewege und gefährden damit zunehmend den...