Politik

Agrarreform und Betrugsvorwurf: Von der Leyens Agrarminister im Kreuzfeuer

Der designierte EU-Landwirtschaftskommissar Janusz Wojciechowski muss sich im EU-Parlament aufgrund einer geplanten Agrarreform und eines Betrugsvorwurfs mit kritischen Fragen auseinandersetzen.
07.10.2019 11:10
Lesezeit: 1 min

Der designierte EU-Landwirtschaftskommissar Janusz Wojciechowski hat sich offen für Änderungen an der geplanten EU-Agrarreform gezeigt. "Ich bin bereit, den ursprünglichen Vorschlag zu verbessern", sagte der polnische Kandidat für die EU-Kommission von Ursula von der Leyen am Dienstag bei seiner Anhörung im Europaparlament. Er sei offen für weitere Diskussionen. Wojciechowskis Antworten “waren leider unklar”, sagte Norbert Lins, ein deutscher Europaabgeordneter der Mitte-Rechts-Fraktion der Europäischen Volkspartei (EVP), die den Vorsitz im Landwirtschaftsausschuss des Parlaments innehat, berichtet der EU Observer.

Wojciechowski musste sich einigen kritischen Fragen stellen, etwa zu früheren Reiseabrechnungen. Die EU-Antibetrugsbehörde Olaf hatte unlängst erklärt, Wojciechowski, der früher als Europaparlamentarier und derzeit als Mitglied des EU-Rechnungshofs tätig ist, solle 11. 243 Euro zurückzahlen. Strafrechtliche Schritte empfahl die Behörde nicht.

Deshalb muss Wojciechowski nun weitere Fragen schriftlich beantworten. Anschließend könnte es eine weitere Anhörung geben. Falls Wojciechowski nicht überzeugt, könnte von der Leyen ihn noch austauschen. “Der Auftritt heute vor den Europaabgeordneten war insgesamt schwach und inhaltsleer”, sagte CDU-Politiker Peter Liese. Maria Noichl von der SPD fehlte eine “Vision, wie die europäische Landwirtschaft künftig einen Mehrwert” bieten und “das fatale Höfesterben in Europa beendet” werden könne.

Der derzeitige EU-Landwirtschaftskommissar Phil Hogan hatte im vergangenen Jahr vorgeschlagen, den Staaten mehr Freiheiten einzuräumen, wie sie eine Reihe von vorgegebenen Zielen erreichen wollen - etwa die Erhaltung der Natur, Klimaschutz und die Sicherung der Lebensmittelqualität. Dazu sollen sie jeweils nationale Pläne erstellen, die von der EU-Kommission genehmigt werden müssten. Außerdem ist vorgesehen, die Agrarfördergelder, die derzeit den größten Posten im EU-Haushalt ausmachen, etwas zu reduzieren, so die dpa.

Die Verhandlungen zwischen den EU-Staaten kamen allerdings zuletzt kaum voran. Kritiker fordern vor allem angesichts des Klimawandels einen grundsätzlicheren Wandel und stärkere Einsparungen von Klimagasen in der Agrarpolitik.

Am 1. November soll die EU-Kommission unter Präsidentin von der Leyen ihre Arbeit aufnehmen. Die designierten Kommissare werden von den zuständigen Ausschüssen des Parlaments auf ihre Eignung geprüft.

Mehr zum Thema
article:fokus_txt
DWN
Unternehmensporträt
Unternehmensporträt Welzhofer: Wie ein Familienunternehmen mit Wildvogelfutter erfolgreich ist
02.01.2026

Die Firma Welzhofer aus Schwaben beliefert ihre Kunden mit Futtermitteln für Wildvögel und hat sich damit erfolgreich in einer...

DWN
Politik
Politik „Deutschland muss mehr arbeiten“: Frühverrentung, Kündigungsschutz, Teilzeit - Union fordert Reformen
02.01.2026

Selten war die wirtschaftliche Lage in Deutschland derart düster. Wirtschaftsministerin Reiche fordert jetzt Reformen für den...

DWN
Finanzen
Finanzen Aktienausblick 2026: Investor Kongsted sieht Chancen bei Broadcom und Gold
02.01.2026

Während viele Märkte bereits stark gelaufen sind, sehen erfahrene Investoren für 2026 weiterhin selektive Chancen. Welche Rolle spielen...

DWN
Wirtschaft
Wirtschaft CO2-Preis steigt: Auswirkungen auf Tank und Heizung
02.01.2026

Zum Jahreswechsel ist der CO2-Preis erneut gestiegen – spürbar vor allem beim Tanken und bei den Heizkosten. Die Maßnahme soll zum...

DWN
Politik
Politik Wehrdienst in Deutschland: Bundeswehr-Chef ruft zu Engagement auf
02.01.2026

Verteidigungsminister Boris Pistorius hat die Soldatinnen und Soldaten der Bundeswehr auf den neuen Wehrdienst eingestimmt. In seinem...

DWN
Politik
Politik Gewalt bei Demonstrationen im Iran – US-Präsident warnt Führung
02.01.2026

Im Iran dauern die Proteste seit Sonntag an, mehrere Demonstrierende wurden bereits getötet. US-Präsident Donald Trump hat sich in die...

DWN
Politik
Politik Russland übergibt USA Material zu angeblichem Drohnenangriff auf Putin-Residenz
02.01.2026

Moskau hat nach eigenen Angaben Navigationsdaten einer ukrainischen Drohne entschlüsselt, die einen geplanten Angriff auf eine Residenz...

DWN
Wirtschaft
Wirtschaft Privatvermögen erreicht Rekordhöhe: Über 10 Billionen Euro in Deutschland
02.01.2026

Die Deutschen verfügen über so viel Geldvermögen wie nie zuvor. Erstmals summieren sich die finanziellen Rücklagen der Privathaushalte...