Industriezentrum Lodz: Der deutsche Mittelstand passt gut zu Polen

 

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05.11.2019 14:55
In der zentralpolnischen Region Łódź befindet sich einer der größten Haushaltsgeräte-Cluster Europas. Der deutsche Konzern BSH generiert hier elf Prozent seiner jährlichen Gesamterlöse von 13 Milliarden Euro, die das Unternehmen weltweit erreicht. Mateusz Sipa, der stellvertretende Direktor im Büro für internationale Beziehungen, erklärt, wieso sich seine Region auf deutsche Unternehmen konzentriert.
Industriezentrum Lodz: Der deutsche Mittelstand passt gut zu Polen
Mateusz Sipa, stellvertretender Direktor der Stadt Łódź, wo Polen einen ähnlichen Mega-Airport wie den BER plant . Dass die Deutschen, die für ihre gute Organisation bekannt seien, Probleme haben, ihren Flughafen zu errichten, beunruhigt ihn. (Foto: Stadt).

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Deutsche Wirtschaftsnachrichten: Welche Investoren engagieren sich bei Ihnen in der Region?

Mateusz Sipa: Viele Unternehmen stammen aus Deutschland. Ein Grund: Die Wirtschaft Polens ist sehr eng mit der deutschen Volkswirtschaft verbunden. Polen zählt zu den wichtigsten Außenhandelspartnern Deutschlands. Uns ist es gelungen, einige prestigeträchtige Investitionen vom westlichen Nachbarn zu gewinnen. Dazu gehören die BSH Hausgeräte GmbH, Miele und E.G.O. Hier gibt es ein Cluster von Herstellern aus der Haushaltsbranche.

Darüber hinaus ist hier die Commerzbank sehr aktiv. Das deutsche Finanzinstitut ist im Besitz der polnischen mBank, die ursprünglich in Łódź ihren Hauptsitz hatte. Ihre polnische Tochter verfügt über digitale Lösungen, die international als führend gelten. Das gesamte Angebot der Bank lässt sich über digitale Kanäle abrufen. Die europäische Fachpresse hat dies sehr anerkannt und oft davon berichtet.

Deutsche Wirtschaftsnachrichten: Wer ist der wichtigste Investor?

Mateusz Sipa: Das ist der Haushaltsgeräte-Hersteller BSH, der sich bereits seit den Neunziger Jahren in Polen engagiert. Die Arbeitskosten waren damals verhältnismäßig gering. Nach der politischen und wirtschaftlichen Transformation war die Erwerbslosenrate auf einem sehr hohen Niveau. Teilweise betrug die Quote 20 Prozent. Das Unternehmen unterhielt anfangs lediglich eine einfache Produktionsstätte, in der Beschäftigte arbeiteten, die nur eine sehr geringe Qualifikation hatten.

Mit den Jahren hat BSH den Standort immer weiter ausgebaut. Vor kurzem ist hier sogar die größte Fabrik für Geschirrspülmaschinen in Europa entstanden. Zusätzlich hat BSH gerade im Oktober des laufenden Jahres ein Zentrum für Forschung und Entwicklung (F&E) eröffnet. Besonders wichtig war das Engagement des Vorstandsvorsitzenden des Herstellers, Konrad Pokutycki, der seit 2008 das Unternehmen in Polen leitet. Der Manager war eine Schlüsselfigur, die diese Entwicklung besonders vorangetrieben hat.

Deutsche Wirtschaftsnachrichten: Welche Vorteile und welche Nachteile gibt es?

Mateusz Sipa: Der Standort befindet sich im Zentrum Polens und in der Mitte Europas. Prologis, ein internationaler Entwickler, hat bestätigt, dass Łódź und die Region der beste Logistik-Standort in Europa ist, der nicht im Westen des Kontinents liegt. Darüber hinaus liegen wir direkt dort, wo sich die Polnischen Autobahnen kreuzen. Immer mehr Unternehmen siedeln sich hier an und entwickeln damit die gesamte Wirtschaftsregion. Beispielsweise hat Miele gerade eine neue Fabrik in der Nähe von Łódź eröffnet, die zu einer Sonderwirtschaftszone gehört. Grundsätzlich wollen wir uns darauf konzentrieren, deutsche Investoren als Partner zu gewinnen.

Deutsche Wirtschaftsnachrichten: Warum konzentrieren Sie sich auf deutsche Unternehmen?

Mateusz Sipa: Ich habe gerade in Deutschland eine Konferenz besucht, auf der sich sogenannte mittelständische Unternehmen präsentiert haben. Diese Firmen haben sich zuhause an ihren einheimischen Märkten so gut entwickelt, dass sie nun expandieren müssen. Sie wollen außerhalb Deutschlands neue Herausforderungen suchen. Investitionen oder Geschäfte in Polen können für sie eine Option sein. Wir in Łódź könnten ihnen Möglichkeiten für ihr Business anbieten. Dazu gehören Arbeitskräfte, die ein sehr breites Spektrum abdecken. Bei uns können sie Arbeiter finden, die eine sehr geringe Qualifikation aufweisen, aber auch hochqualifizierte Fachkräfte.

Deutsche Wirtschaftsnachrichten: Warum interessieren Sie sich für die mittelständischen Unternehmen aus Deutschland?

Mateusz Sipa: Diese Firmen sind für Polen sehr attraktiv. Sie haben oft keine großen Marken-Namen und weisen keine riesigen Umsätze aus. Das ist gerade für die polnischen Partner interessant, weil sie auf einem ähnlichen Niveau agieren. Das bedeutet, dass der deutsche Mittelstand einfach sehr gut zu den polnischen Unternehmen passt.

In vielen Fällen beschäftigen die deutschen Partner einige hundert Angestellte und suchen beispielweise im Rahmen einer Investition 50, 60 oder 70 neue Mitarbeiter. Die eine Hälfte davon sollen geringqualifizierte Arbeitskräfte sein, die andere Hälfte wiederum hochqualifizierte Fachkräfte. In einem solchen Fall können wir ihnen ein sehr gutes Angebot machen. Deutschland ist natürlich grundsätzlich immer ein lukrativer Partner, weil die Wirtschaft stark ist. Selbst wenn wir mit nur einem Bundesland eine Kooperation beginnen, dann verspricht dies uns profitable Geschäfte.

Deutsche Wirtschaftsnachrichten: Es gibt keine eindeutige Definition für den Mittelstand. Trotzdem macht unsere Regierung im Ausland oft Werbung damit, weil diese Firmen unser Markenzeichen seien. Dafür wird sie manchmal von der einheimischen Presse kritisiert. Beobachten Sie die Diskussion?

Mateusz Sipa: Für uns sind diese Firmen sehr interessant, weil sie nur sehr kurze Entscheidungswege haben. Die Vertreter der Unternehmen gehen oft nur in den nächsten Raum, wo die Kollegen sitzen, und treffen einfach ihre Entscheidungen. Oft werden sie von einer Familie geführt, die das Unternehmen bereits im 19. Jahrhundert gegründet hat. Und diese setzt dann einen CEO ein, dem sie vertraut. Meistens greifen sie nicht auf externe Berater zurück und wollen lieber selbst entscheiden. Es ist für uns somit relativ einfach, mit ihnen ins Gespräch zu kommen. Um ihr Vertrauen zu gewinnen, reicht es mitunter aus, an Konferenzen teilzunehmen, die von den Branchenvertretern organisiert werden. Das ist ein riesiger Vorteil.

Deutsche Wirtschaftsnachrichten: Gibt es eine solche Gruppe von Unternehmen auch in Polen?

Mateusz Sipa: Das hängt davon ab, welchen Vergleich man wählt. Wenn wir uns an der Zahl der Mitarbeiter orientieren, dann könnte man die mittelständischen Firmen mit großen polnischen Gruppen vergleichen. Doch haben wir bei uns keine Unternehmen, die weltweit so bekannt sind wie der deutsche Mittelstand. Ein Konzern, der da vielleicht mithalten könnte, ist der Minenbetreiber KGHM aus Dolny Śląsk (Niederschlesien). Allerdings befindet er sich im staatlichen Besitz.

Deutsche Wirtschaftsnachrichten: Polen plant derzeit einen neuen Großraum-Flughafen, der in der Nähe von Łódź liegen soll. Wir in Deutschland hingegen versuchen schon seit Jahren ohne Erfolg, einen Mega-Airport bei Berlin zu errichten. Wie bewerten Sie dies?

Mateusz Sipa: Das ist schon beunruhigend, wenn die Deutschen Probleme haben, ein solches Projekt über die Bühne zu bekommen. Denn sie sind ja eigentlich für ihre sehr gute Organisation berühmt. Wir haben auch erst mit unserem Vorhaben begonnen. Die Pläne dafür sind sehr vielversprechend. Das betrifft uns in Łódź natürlich besonders, weil der Flughafen zu unserer Region gehören wird.

Deutsche Wirtschaftsnachrichten: Herr Sipa, herzlichen Dank für dieses Gespräch.

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