Weltwirtschaft

Strom-Klau durch E-Rikscha-Fahrer wird zur Bürde für Indiens Energieversorgung

Lesezeit: 2 min
14.11.2019 16:00
Indien, das stark unter Smog leidet, treibt die Entwicklung der E-Mobilität voran. Doch es gibt ein großes Problem dabei.
Strom-Klau durch E-Rikscha-Fahrer wird zur Bürde für Indiens Energieversorgung
Bundeskanzlerin Angela Merkel bei ihrem Besuch in Indien. (Foto: dpa).
Foto: Michael Kappeler

Mehr zum Thema:  
Benachrichtigung über neue Artikel:  

„Wir haben während der Kampagne gegen Stromdiebstahl fast überall unsere Wachposten aufgestellt – in den Hotels, den Restaurants, den Einkaufszentren, aber auch an den Autobahnen“, sagte der Geschäftsführer des staatlichen Energieunternehmens in der nordindischen Provinzhauptstadt Jaipur, MD AK Gupta. „Wir haben zwischen Juni und Oktober 28.657 Fälle festgestellt, und an die Konsumenten Strafen in einer Gesamtsumme von 860 000 000 Rupien (rund 8,7 Millionen Euro) verhängt“, zitiert die englischsprachige Tageszeitung „Times of India“ den Manager.

Hintergrund: Das staatliche Energieunternehmen aus Jaipur hat eine besondere Kampagne gestartet, um den Diebstahl von Strom einzudämmen, der schon seit geraumer Zeit zu einer starken Belastung für die indischen Energieversorger geworden ist. Dabei hat sie überall an vielen wichtigen öffentlichen Orten ihre Wachposten verteilt, die potenzielle Täter beobachten und ggf. melden sollen.

Diebstahl im Schutze der Dunkelheit

Bei den Verbrechern handelt es in der Regel um gewöhnliche Bürger, die ihre strombetriebenen E-Rikschas aufladen, die meistens nicht einmal registriert sind. In vielen Fällen suchen sie den Schutz der Dunkelheit und werden in der Nacht aktiv. Eine Aufladung ihrer Fahrzeuge dauert in der Regel zwischen sechs und sieben Stunden.

Das Management des Energieversorgers in Jaipur, dessen Region etwa so groß wie Deutschland ist, hat jeden Dieb durchschnittlich mit einer Geldbuße von rund 360 Euro belegt. Zur Einordnung: Ein Software-Fachmann verdient auf dem Subkontinent zwischen 800 und 900 Euro, und der Durchschnittslohn beträgt im Land rund 100 Euro.

Indien forciert zwar die E-Mobilität, weil das Land stark von der Luftverschmutzung in Mitleidenschaft gezogen wird. So ist die Zahl der E-Rikschas zwischen 2010 und 2017 von 4.000 auf 100.000 nahezu explodiert, berichtet der indische Think-Tank Centre of Civil Society (CCS) aus Neu-Delhin und weist darauf hin, dass davon weniger als die Hälfte registriert ist. „Jeden Monat werden 11.000 neue Fahrzeuge verkauft“, schätzt die internationale Beratungsgesellschaft A.T. Kearney.

Doch verfügt das Land nur über eine sehr geringe Zahl von Ladestationen, so dass die Konsumenten andere Möglichkeiten finden müssen, um die Batterien ihrer E-Rikschas aufzuladen. In Zahlen: Ende 2017 konnten die Rikscha-Fahrer gerade einmal auf 425 Ladestationen zurückgreifen. Das ist wirklich nicht viel, wenn man berücksichtigt, dass in Deutschland, das flächenmäßig zehnmal kleiner ist, es rund 17.000 Ladepunkte gibt.

Verbrechen kostet Energiebranche Millionen

Der Diebstahl hat schon solche Ausmaße angenommen, dass sich die Energieversorger nicht mehr anders zu behelfen wissen. Das Unternehmen aus Jaipur, das etwa drei Millionen Einwohner hat, ist nicht der einzige Stromproduzent in Indien, der unter diesem Problem leidet. Die Energieversorger gehen davon aus, dass ihnen der Strom-Klau jährliche Verluste in Höhe von zwei Milliarden Rupien (rund 25 Millionen Euro) einbringt. Indische Medien berichten, dass es deswegen auch schon zu Zusammenbrüchen in der Versorgung gekommen ist.

Indien ist zwar ein Land, das gerade im Begriff ist, in die Phalanx der großen Wirtschaftsmächte vorzustoßen. So liegt das Bruttoinlandsprodukt (BIP) bei etwa 2,6 Billionen Euro, also mehr als das koloniale Mutterland Großbritannien.

Und Indiens Premier Narendra Modi hat gerade im Sommer am indischen Unabhängigkeitstag das neue ehrgeizige Ziel ausgerufen, dass sich die jährliche Wirtschaftsleistung künftig auf 4,5 Billionen Euro vergrößern soll. Doch muss die Regierung die Probleme mit der E-Mobilität unbedingt in den Griff bekommen, weil ansonsten es schwierig wird, dieses Niveau zu erreichen.

Inhalt wird nicht angezeigt, da Sie keine externen Cookies akzeptiert haben. Ändern..


Mehr zum Thema:  

DWN
Politik
Politik Züricher Finanzportal: „Klaus Schwab sieht die Pandemie als Retterin seines Traumes“

Die sachlichen Kritiken an Klaus Schwab und am Weltwirtschaftsforum häufen sich.

DWN
Politik
Politik Biontech gründet weltweit erste Anlage für spezielle Krebs-Immuntherapie

Nach dem Erfolg mit seinem Corona-Impfstoff nimmt Biontech nun die Suche nach Medikamenten gegen Krebs stärker in den Blick.

DWN
Deutschland
Deutschland Alarmstimmung im Handel: 2G-Regelung bedroht Weihnachtsgeschäft

Der stationäre Handel sieht sich als Opfer einer unsinnigen „Show-Maßnahme“ der Politik und fürchtet Umsatzrückgänge von bis zu 50...

DWN
Finanzen
Finanzen Verzerrte Statistik: „Die Inflation könnte derzeit bei 8 bis 10 Prozent liegen“

Im November stieg die Inflationsrate auf ein 29-Jahres-Hoch von mehr als fünf Prozent. Kritische Ökonomen äußern indes Zweifel an den...

DWN
Deutschland
Deutschland IG Metall ruft zu Warnstreiks bei Airbus und Premium Aerotec auf

Der Streit um den Umbau der Produktion von Flugzeugteilen bei Airbus spitzt sich zu.

DWN
Finanzen
Finanzen „Total Financial Reset“: Warum der Goldstandard das Fiat-Geldsystem ersetzen wird

Das aktuelle Fiat-Geldsystem ist durchsät von finanziellen Verzerrungen und Schulden. Dieses System ist eigentlich am Ende. Der Übergang...

DWN
Deutschland
Deutschland Lieferengpässe erhöhen Kosten der deutschen Industrie

Die deutsche Industrie hat wegen anhaltender Lieferprobleme und hoher Inflation im November leicht an Tempo verloren.

DWN
Finanzen
Finanzen KREISS ANTWORTET AUF SEINE KRITIKER: Aus diesen Gründen könnte die Türkische Lira eine Finanzkrise auslösen

Am Sonntag veröffentlichten die DWN einen Artikel von Christian Kreiß, der eine rege Diskussion in Gang setzte. Die Thesen unseres...