Politik

Iran legt bei Urananreicherung nach, weil EU das Zahlungsvehikel Instex nicht umsetzt

Der Iran startet mit der Urananreicherung in der Anlage Fordo. Teheran ist wütend, weil die EU das seit Monaten versprochene EU-Zahlungsvehikel Instex zur Umgehung der US-Sanktionen nicht umgesetzt hat.
12.11.2019 14:00
Lesezeit: 2 min
Iran legt bei Urananreicherung nach, weil EU das Zahlungsvehikel Instex nicht umsetzt
Die Funktionsweise des EU-Zahlungsvehikel Instex als grafische Darstellung. (Grafik: Screenshot/Instex)

Der Iran hat einen weiteren Schritt bei der Anreicherung von Uran unternommen. Ali Akbar Salehi, dem Leiter der iranischen Atomenergiebehörde (AEOI), zufolge liegt das tägliche Volumen der Urananreicherung in den Anlagen Natanz und Fordo bei täglich 5,5 Kilogramm. Präsident Hassan Rouhani wies die AEOI am 5. November an, Urangas in fortgeschrittene IR-6-Zentrifugen in der nuklearen Anreicherungsanlage in Fordo zu injizieren, berichtet die Tehran Times. Die AEOI begann offiziell mit der Injektion von Gas in 1.044 Zentrifugen am unterirdischen Kernkraftwerk Fordo in Anwesenheit von Inspektoren der Internationalen Atomenergie-Organisation.

Zuvor hatte Teheran am 8. Mai 2019 angekündigt, dass seine “strategische Geduld” am Ende sei, berichtet der Guardian. In der ersten Phase kündigte der Iran an, seine Vorräte an Kernbrennstoffen nicht auf 300 Kilogramm zu beschränken, welche im Rahmen des von der US-Regierung einseitig aufgekündigten Atom-Abkommens (JCPOA) zulässig sind.

Am selben Tag teilte der Oberste Nationale Sicherheitsrat (SNC) mit, dass die verbleibenden Parteien des JCPOA, insbesondere die Europäer, innerhalb einer Frist von zwei Monaten einen Mechanismus zum Schutz des Iran vor den Auswirkungen der Sanktionen der US-Regierung entwickeln sollen. Da jedoch die europäischen Parteien die Frist zur Gründung des Umgehungsmechanismus Instex nicht eingehalten hatten, gab der Iran am 7. Juli bekannt, dass er damit begonnen hat, Uran auf eine höhere Reinheit als 3,67 Prozent anzureichern, wodurch der zweite Schritt eingeleitet wurde.

Als Europa die zweite Frist von 60 Tagen verpasste, leitete der Iran den dritten Schritt ein, und hob das Verbot der nuklearen Forschung und Entwicklung (FuE) auf.

Die Iraner sind offenbar wütend auf die EU, weil es ihr nicht gelungen ist, die Sanktionen gegen das Land abzumildern. Der iranische Vizeaußenminister Abas Araqchi kritisierte am 12. November 2019 die EU, weil sie eine verspätete Lösung für die Umgehung der einseitigen US-Sanktionen gegen Teheran angeboten hatte. Er bedauerte zudem, dass der europäische Handelsmechanismus, offiziell als Instrument zur Unterstützung der Handelsbörsen (Instex) bezeichnet, nicht vollständig umgesetzt wurde. “Dieses Finanzsystem wurde zu spät vorgeschlagen und funktioniert auf einem niedrigen Niveau. Es wurde noch nicht vollständig implementiert”, zitiert die Fars News Agency Araqchi.

In der Anfangsphase sollte Instex den Handel mit humanitären Gütern wie Medizin, Lebensmitteln und medizinischen Geräten erleichtern und später auf andere Handelsbereiche ausgedehnt werden, einschließlich des iranischen Ölabsatzes. Es wurden jedoch noch keine Handelsabschlüsse getätigt.

Russlands Außenminister Sergej Lawrow ist offenbar derselben Meinung wie Araqchi. Lawrow meint: “Die Europäer haben eine Initiative erarbeitet, um einen Mechanismus zu schaffen, mit dem diese absolut illegalen und rechtswidrigen US-Sanktionen umgangen werden können. Sie haben die Angelegenheit lange Zeit koordiniert. Infolgedessen haben sie angekündigt, dass der Mechanismus geschaffen wurde, aber er bleibt auf dem Papier.”

Damit befindet sich die EU in einer Sackgasse. Einerseits ist sie faktisch gegen die von den USA im Rahmen der Financial Action Task Force (FATF) verhängten Sanktionen. Andererseits hat sie dem Iran versprochen, den Zahlungsverkehr über das System Instex zu erleichtern, was jedoch einen Verstoß gegen die FATF und damit gegen US-Sanktionen nach sich ziehen würde. Die EU will die Sanktionen umgehen, scheut sich jedoch vor möglichen Vergeltungsmaßnahmen durch die US-Regierung.

Mehr zum Thema
Bleiben Sie über das Thema dieses Artikels auf dem Laufenden Klicken Sie auf [+], um eine E-Mail zu erhalten, sobald wir einen neuen Artikel mit diesem Tag veröffentlichen
X

DWN-Wochenrückblick

Weniger E-Mails, mehr Substanz: Der DWN-Wochenrückblick liefert 1x/Woche die wichtigsten Themen kompakt als Podcast. Für alle, deren Postfach überläuft.

E-mail: *

Ich habe die Datenschutzerklärung sowie die AGB gelesen und erkläre mich einverstanden.

DWN
Finanzen
Finanzen Nvidia-Aktie fällt trotz starker Quartalszahlen – und dreht dann ins Plus: Die Gründe für die Achterbahnfahrt
26.08.2026

Nvidia hat die hohen Erwartungen der Wall Street erneut übertroffen. Dennoch geriet die Nvidia-Aktie nachbörslich unter Druck. Steigende...

DWN
Finanzen
Finanzen Salesforce-Aktie steigt: KI treibt Wachstum, Salesforce-Zahlen überzeugen die Investoren
26.08.2026

Künstliche Intelligenz entwickelt sich für Salesforce zunehmend zum Wachstumsmotor. Nach einem starken Quartal hebt der Softwarekonzern...

DWN
Finanzen
Finanzen US-Börsenbericht: Konjunkturdaten versetzen Anleger wegen Zinserhöhung bis Jahresende in Alarmbereitschaft
26.08.2026

Zinsängste belasten die Märkte – doch spannende Entwicklungen bei Tech-Giganten und Einzelwerten sorgen für Überraschungen.

DWN
Finanzen
Finanzen Bitcoin-Prognose 2027: Bärenmarkt beendet oder ist der Absturz nur vertagt?
26.08.2026

Der Bitcoin-Kurs ist nach monatelanger Schwäche nach oben geschossen und hat eine der wichtigsten technischen Marken durchbrochen. Vieles...

DWN
Finanzen
Finanzen Ökonomen halten KI-Crash für wahrscheinlich: Wo Anleger am Markt Schutz suchen können
26.08.2026

Es wird immer schwieriger, ein Portfolio gegen KI zu diversifizieren, sagen Experten. Sie erklären, wie man sich am besten gegen...

DWN
Politik
Politik „Europa ist schwach“: Patrick Collison und Mario Draghi schließen sich mit neuem Think Tank zusammen – Polen ist nicht dabei
26.08.2026

Stripe-Mitgründer Patrick Collison und der frühere EZB-Präsident Mario Draghi wollen Europas wirtschaftliche Schwäche bekämpfen. Mit...

DWN
Wirtschaft
Wirtschaft Exklusiv-Interview zu Freyja: Fire-Point-Chefin erklärt die Patriot-Alternative aus der Ukraine
26.08.2026

Nach dem ersten DWN-Bericht über Freyja spricht Fire-Point-Chefin Iryna Terekh nun exklusiv über das ukrainische Rüstungsprojekt. Mit...

DWN
Politik
Politik Sozialhilfe-Ausgaben explodieren: Pflegekosten wachsen stärker als Grundsicherung
26.08.2026

Die Ausgaben für Sozialhilfe sind 2025 in Deutschland um 6,1 Prozent gestiegen. Besonders stark legten die Kosten für die Hilfe zur...