Finanzen

Nach Problemen mit Libra startet Facebook neues Bezahlsystem

Politik und Zentralbanken laufen Sturm gegen Facebooks Pläne mit der Kryptowährung Libra. Daher startet das soziale Netzwerk nun das Zahlungssystem "Facebook Pay", das vollständig auf der etablierten Finanzinfrastruktur beruht.
13.11.2019 16:00
Lesezeit: 2 min

Bereits im letzten Jahr war bekannt geworden, dass Facebook eine eigene Kryptowährung entwickelt, die später den Namen Libra erhielt. Die auf Blockchain-Technologie basierende Währung soll mit einem Korb stabiler Währungen und Staatsanleihen abgesichert werden, um Wechselkursschwankungen wie bei Bitcoin und anderen Kryptowährungen zu vermeiden.

Eigentlich will Facebook Libra schon im kommenden Jahr für Verbraucher verfügbar machen. Doch das Projekt ist bei Politikern, Aufsichtsbehörden und Zentralbanken weltweit zum Teil auf heftigen Widerstand gestoßen, da diese die Hoheit der Notenbanken über das Geld in Gefahr sehen.

Dieser starke Gegenwind ist offenbar der Grund dafür, dass Facebook nun ein neues Zahlungssystem unter Verwendung der herkömmlichen Finanzinfrastruktur einführt. Am Dienstag hat das soziale Netzwerk den Start von Facebook Pay angekündigt. Dies ist ein Zahlungssystem, das darauf ausgelegt ist, Zahlungen über Facebook, Facebook Messenger, Instagram und WhatsApp zu erleichtern.

"Die Menschen führen bereits Zahlungen in unseren Apps durch, um einzukaufen, um Geld zu spenden und um sich gegenseitig Geld zu schicken", heißt es in der Ankündigung. Facebook Pay werde diese Transaktionen erleichtern und gleichzeitig sicherstellen, dass die Zahlungsinformationen der Nutzer "sicher und geschützt sind".

Nutzer von Facebook Pay müssen in den Optionen von Facebook oder Facebook Messenger ihre bevorzugte Zahlungsmethode nur einmal angeben und können das Zahlungssystem dann überall dort auf der Facebook-Plattform nutzen, wo es verfügbar ist, um Zahlungen oder Einkäufe zu tätigen. In Kürze soll Facebook Pay auch auf den Apps WhatsApp und Instagram verfügbar sein, die beide zum Facebook-Konzern gehören.

Einführung von Facebook Pay vorerst nur in wenigen Ländern

In einem offensichtlichen Versuch, weitere Probleme mit den Behörden wie im Zusammenhang mit Libra zu vermeiden, sagt das Unternehmen ganz deutlich, dass Facebook Pay "auf der bestehenden Finanzinfrastruktur und auf bestehenden Partnerschaften aufbaut". Das Unternehmen betont, dass es Facebook Pay klar vom Libra-Netzwerk trennen wird.

Facebook Pay wird diese Woche in den USA auf Facebook und Facebook Messenger für "Fundraiser, In-Game-Käufe, Event-Tickets, persönliche Zahlungen zwischen Nutzern auf Messenger und für Einkäufe auf ausgewählten Seiten und Unternehmen auf dem Facebook Marketplace" eingeführt.

Im Oktober hatte das Libra-Konsortium sieben von ursprünglich 28 Partnern verloren, darunter die Finanzdienstleister Mastercard, Visa und PayPal sowie die Handelsplattform eBay, Stripe, Mercado Pago und die Online-Reisefirma Booking. Bundesfinanzminister Olaf Scholz begrüßte diesen Rückzug namhafter Konzerne. Das Projekt sei eine Bedrohung für die Autonomie von Staaten und für demokratische Entscheidungsstrukturen. "Wir müssen deswegen dafür Sorge tragen, dass die Herausgabe einer Währung eine Angelegenheit von Staaten bleibt und nicht großer privater Firmen", sagte er.

Trotz des Ausstiegs von Visa aus dem Libra-Projekt sagte Alfred F. Kelly, der CEO des Zahlungsanbieters, dass sein Unternehmen weiter mit Facebook über das Libra-Projekt diskutiere. Er fügte hinzu, dass digitale Währungen sicherere Zahlungen an mehr Menschen und mehr Orte ermöglichen würden.

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