Unternehmen

Verwirrung um die Zahlungsfähigkeit polnischer Geschäftspartner

Die Zahlungsausfälle für deutsche Unternehmen, die nach Polen liefern, haben sich angeblich verdoppelt. Wie der internationale Kreditversicherer "Atradius" berichtet, sei insbesondere der Maschinenbau davon betroffen. "Uns ist das aber bisher nicht zu Ohren gekommen", heißt es hingegen aus dem Branchenverband VDMA.
21.11.2019 16:00
Lesezeit: 2 min
Verwirrung um die Zahlungsfähigkeit polnischer Geschäftspartner
Euromünze und polnische Zloty. (Foto: dpa) Foto: Patrick Pleul

Polen ist ein EU-Mitgliedsstaat, der wegen der ständigen politischen Querelen mit Brüssel polarisiert wie kein zweiter. Die Attraktivität des polnischen Außenhandels, der siebtgrößte Handelspartner Deutschlands, hatte aber bisher im Prinzip niemand in Zweifel gezogen. Doch ist nun auch hier vor dem Hintergrund der Konjunktur, die sich immer weiter abkühlt, ein Streit entbrannt – und zwar um die Zahlungsfähigkeit der polnischen Geschäftspartner:

Einer der größten Kreditversicherer der Welt, "Atradius" aus Amsterdam, weist Exporteure auf weiter steigende Risiken für Zahlungsausfälle und -verzögerungen bei Geschäften mit polnischen Abnehmern hin. „Zwar wächst das Bruttoinlandsprodukt (BIP) Polens in diesem und auch im kommenden Jahr mit voraussichtlich vier beziehungsweise 3,1 Prozent sehr solide“, schreibt das Unternehmen in einer Presseinformation.

„Die Wahrscheinlichkeit, dass Lieferanten nach erbrachter Leistung nicht bezahlt werden, ist in dem Land jedoch weiterhin beträchtlich – insbesondere, wenn Auftraggeber aus der polnischen Automobilbranche, der Bauwirtschaft, dem Agrarsektor, der Maschinenbauindustrie oder dem Konsumgüter-/Elektronikbereich stammen“, berichtet Atradius und beruft sich auf eine interne Auswertung der Nichtzahlungsmeldungen.

Atradius: "Steigerung von 1 Prozent auf 1,9 Prozent"

Wie das Atradius Zahlungsmoralbarometer 2019 für die Region Osteuropa zeigt, stieg bei den befragten deutschen Firmen der Gesamtwert der Forderungen gegenüber polnischen Unternehmen, die am Ende eines Geschäftsjahres unbezahlt waren und abgeschrieben werden mussten, von 1 Prozent in der Vorjahresbefragung auf zuletzt 1,9 Prozent an.

Im Branchenvergleich am höchsten war dieser Wert laut Atradius zuletzt bei polnischen Schuldnern aus dem Maschinenbausektor, wo deutsche Unternehmen 3,7 Prozent ihrer Forderungen als Verlust verbuchen mussten, gefolgt vom Agrarsektor, wo der Wert bei 1,9 Prozent lag. Auch bei polnischen Baufirmen sowie im Elektronikbereich hat sich das Zahlungsrisiko signifikant verschlechtert. Zuletzt wurde hier jede dritte Forderung am Fälligkeitstag nicht bezahlt.

VDMA: Bisher noch keine Klagen eingegangen

Doch können nicht alle betroffenen Akteure am Markt mit diesen Aussagen etwas anfangen: „Aus meiner Sicht kann ich die Meldung so nicht bestätigen“, sagte auch Yvonne Heidler, die Referentin für Westeuropa, EU, Südosteuropa und Entwicklungspolitik beim Maschinenbau-Verband VDMA. „Bei mir sind hierzu bisher noch keine Klagen von Mitgliedsunternehmen eingegangen“, sagte die Fachfrau den DWN. „Die Maschinenlieferungen nach Polen sind zwar im ersten Halbjahr 2019 im Vergleich zum Vorjahreszeitraum nur leicht um zwei Prozent gestiegen“, erklärte Heidler. „Der Wert der deutschen Maschinenlieferungen nach Polen betrugt rund 3,5 Milliarden Euro“, sagte sie.

„Doch bleibt damit Polen auf Platz sieben unserer Exportstatistik und ist einer der wichtigsten Absatzmärkte in Europa“, meinte Heidler. „Auch den Vertretern unserer Sektion Ost in Leipzig, die besonders viel mit Polen zu tun haben, ist so etwas noch nicht zu Ohren gekommen."

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