Wirtschaft

Gewinn-Rezession deutet Abschwung in der amerikanischen Volkswirtschaft an

Die US-Wirtschaft ist im dritten Quartal aufs Jahr hochgerechnet noch um 1,9 Prozent gewachsen. Doch die Zeichen stehen auf Sturm: Analysten haben errechnet, dass die Entwicklung der Unternehmensgewinne derzeit die schlechteste seit der Großen Finanzkrise von 2008 ist.
02.12.2019 16:00
Lesezeit: 3 min
Gewinn-Rezession deutet Abschwung in der amerikanischen Volkswirtschaft an
Eine Person fotografiert mit ihrem Smartphone den Times Square in New York. (Foto: dpa). Foto: Wanted Visual

Die US-Wirtschaft, welche in den ersten drei Quartal des laufenden Jahres bereits sukzessive an Wachstumstempo verloren hat, steht möglicherweise vor einer Rezession. Das geht aus der aktuellen Gewinnentwicklung der US-Unternehmen hervor, die an den US-amerikanischen Handelsplätzen aktiennotiert sind.

Internationale Aktienanalysten alarmiert vor allem der Umstand, dass der Anteil, den die börsennotierten Unternehmen zum Bruttoinlandsprodukt (BIP) der USA beisteuern, inzwischen das niedrigste Niveau seit zehn Jahren erreicht hat. „Das Level ist geringer als 2007, als die größte Volkswirtschaft der Welt anfing, in die Große Finanzkrise zu rutschen“, mahnen die Fachleute.

Wie Market Watch berichtet, kam es bereits in den ersten beiden Quartalen des Jahres zu Gewinnrückgängen bei den im breit aufgestellten S&P 500-Index gelisteten Unternehmen. Im dritten Quartal zeigten sich die Geschäfte der US-Firmen nach Auswertung von rund 95 Prozent der Kalendertage mit Ausnahme des Technologiesektors erneut schwach und Prognosen für das vierte Quartal sind ebenfalls negativ. Es besteht demnach eine hohe Wahrscheinlichkeit, dass die Gewinne im Jahr 2019 erstmals seit 2008 geringer ausfallen dürften als im Vorjahr.

Die Ursachen liegen auf der Hand: Die Konjunktur ist seit Monaten weltweit dabei, sich immer deutlicher abzukühlen. Insbesondere der Automobilsektor ist davon betroffen, welcher mit seinen jährlichen Erlösen von rund 240 Milliarden Euro eine treibende Kraft für den Welthandel ist. Auch für die US-Wirtschaft ist dieser Wirtschaftszweig trotz der starken Fokussierung auf den inländischen Konsum von besonderer Bedeutung und kann aufgrund seiner Größe die gesamtwirtschaftliche Entwicklung nachhaltig beeinflussen. Doch nicht nur zuhause, sondern auch global drücken die US-Konzerne den internationalen Märkten ihren Stempel auf. So befinden sich unter den fünf größten Autobauer der Welt mit General Motors (GM) und Ford zwei Konzerne aus den USA. Wenn es ihnen schlechter geht wie jetzt, dann wirkt sich dies sofort negativ auf die Weltwirtschaft aus.

In Zahlen: GM musste im dritten Quartal im Vergleich zum Vorjahreszeitraum einen Umsatzrückgang um zwei Prozent hinnehmen. Ähnlich ungünstig erging es auch dem US-Rivalen Ford, der im selben Zeitraum seinen Gewinn je Aktie auf elf Cent verringerte. Zwölf Monate zuvor hatten sich die Investoren noch über ein Plus von 25 Cent gefreut.

Handelsstreit mit China bleibt Belastung für die USA

Darüber hinaus ist beim Handelsstreit zwischen den USA und China derzeit keine Lösung in Sicht. US-Präsident Donald Trump unternimmt keine Schritte, um die Zölle, die er auf bestimmte chinesische Exporte erhoben hat, wieder zurückzunehmen. In mehreren Beiträgen betont die Zeitung der Kommunistischen Partei Chinas, die „Global Times“, dass eine Rücknahme dieser Embargos durch Amerika die Voraussetzung ist, dass die beiden größten Ökonomien ihre Streitigkeiten beenden und ein Handelsabkommen unterzeichnen.

Zusätzlich wird ein formelles Amtserhebungsverfahren gegen Trump eingeleitet, das auch seinen negativen Abdruck auf der gesamtwirtschaftlichen Entwicklung hinterlassen dürfte. Beobachter glauben zwar, dass die Kritiker des US-Präsidenten kaum eine Chance haben, das Verfahren erfolgreich zu Ende zu bringen. Doch trübt sich dadurch die Stimmung am US-Markt trotzdem merklich ein.

Aktuelle Datensätze aus der laufenden Woche zeichnen ebenfalls ein negatives Bild: So sind die Bauausgaben im Oktober deutlich gefallen. Gegenüber dem Vormonat sanken sie um 0,8 Prozent, wie das US-Handelsministerium am Montag in Washington mitteilte. Analysten hatten dagegen mit einem Anstieg von im Mittel 0,4 Prozent gerechnet. Zudem fiel der Vormonat schlechter aus als bislang bekannt. Anstatt eines Anstiegs um 0,5 Prozent ergibt sich für September nach neuen Daten ein Rückgang um 0,3 Prozent.

Auch die Stimmung in der US-Industrie hat sich im November wieder eingetrübt. Der Einkaufsmanagerindex ISM fiel gegenüber dem Vormonat um 0,2 Punkte auf 48,1 Zähler, wie das Institute for Supply Management am Montag in Washington mitteilte. Analysten hatten dagegen einen Anstieg auf im Mittel 49,2 Zähler erwartet. Der jüngste Rückgang folgt auf einen Anstieg im Oktober. Im Monat davor war der Indikator auf den tiefsten Stand seit etwa zehn Jahren gefallen. Schon seit längerem liegt der ISM-Index unter de Wachstumsschwelle von 50 Punkten und deutet damit auf eine Schrumpfung des für die US-Wirtschaft wichtigen Sektors hin. Die amerikanische Industrie leidet unter der schwächeren Weltwirtschaft sowie dem Handelskonflikt zwischen den USA und China.



Der ISM-Index gilt als zuverlässiger Frühindikator für die wirtschaftliche Aktivität in den USA. Zwar erwirtschaftet die amerikanische Industrie einen wesentlich kleineren Teil als der deutlich größere Dienstleitungssektor. Allerdings hängt das Geschäft vieler Dienstleister vom Zustand der Industrie ab.

Mehr zum Thema
Bleiben Sie über das Thema dieses Artikels auf dem Laufenden Klicken Sie auf [+], um eine E-Mail zu erhalten, sobald wir einen neuen Artikel mit diesem Tag veröffentlichen
X

DWN-Wochenrückblick

Weniger E-Mails, mehr Substanz: Der DWN-Wochenrückblick liefert 1x/Woche die wichtigsten Themen kompakt als Podcast. Für alle, deren Postfach überläuft.

E-mail: *

Ich habe die Datenschutzerklärung sowie die AGB gelesen und erkläre mich einverstanden.

DWN
Wirtschaft
Wirtschaft VDI-Ingenieurmonitor: Arbeitslosigkeit unter Ingenieuren erreicht Rekordniveau
03.08.2026

Ingenieure und Informatiker galten lange als besonders gefragt. Doch aktuelle Zahlen zeigen, dass selbst technische Berufe die...

DWN
Wirtschaft
Wirtschaft Europas Getreideernte droht ein Einbruch, wie er seit Jahrzehnten nicht zu sehen war
03.08.2026

Hitzewellen in Europa, die niedrigsten Prognosen für die Getreideernte in den USA seit 1970 und durch Kriege gestörter Handel treiben die...

DWN
Finanzen
Finanzen Amazon-Aktie auf Rekordhoch: KI-Nachfrage treibt Amazon über Börsenwert von 3 Billionen US-Dollar
03.08.2026

Die Rekordjagd der Tech-Konzerne geht weiter: Die Amazon-Aktie klettert kräftig, der US-Tech-Gigant knackt erstmals die Marke von drei...

DWN
Panorama
Panorama AfD-Verbotsverfahren: Über 1.000 Juristen fordern in offenem Brief AfD-Verbot
03.08.2026

Mehr als 1.000 Juristinnen und Juristen erhöhen den Druck auf die Politik und verlangen ein AfD-Verbotsverfahren. Ein offener Brief sorgt...

DWN
Politik
Politik Rente mit 63 vor dem Aus? Das wären die Folgen
03.08.2026

Kaum ein Thema bewegt Millionen Beschäftigte so sehr wie der frühere Renteneintritt. Die geplanten Reformen könnten das Rentensystem...

DWN
Wirtschaft
Wirtschaft Schwedens kleinste Mine profitiert vom Goldpreis
03.08.2026

Botnia Gold betreibt eine der kleinsten Gold-Minen Europas. Doch hohe Preise für Gold und Silber haben dem Unternehmen einen starken Start...

DWN
Finanzen
Finanzen US-Börsen: Bitcoin kann laut Kryptoprofis den Dollar nicht ersetzen
03.08.2026

Die Tech-Rally läuft weiter, doch unter der Oberfläche wächst die Nervosität. Microsoft und Amazon retten den KI-Glauben, Steve Eisman...

DWN
Immobilien
Immobilien Wohnungsmarkt: Immer mehr Vermieter geben Geschäft auf – Investitionen unter Druck
03.08.2026

Wohnungsmangel, steigende Kosten und wachsende Unsicherheit setzen den Wohnungsmarkt unter Druck. Immer mehr Privatvermieter und...