Finanzen

Schwache Nachfrage: Indiens Goldimporte brechen um 20 Prozent ein

Der zweitgrößte Goldmarkt der Welt - Indien - verzeichnet für dieses Jahr die niedrigsten Goldimporte seit mindestens 2014. Ein Anstieg der indischen Nachfrage nach Gold ist aus mehreren Gründen nicht absehbar.
06.12.2019 17:16
Lesezeit: 2 min
Schwache Nachfrage: Indiens Goldimporte brechen um 20 Prozent ein
Eine Inderin kauft Goldschmuck. (Foto: dpa) Foto: Sanjeev Gupta

Indiens Goldimporte im November lagen mit 56,1 Tonnen um rund 19 Prozent niedriger als ein Jahr zuvor, sagte eine mit den Daten vertraute Person zu Bloomberg, die nicht namentlich genannt werden will, da diese Informationen noch nicht öffentlich sind. Dies sind die niedrigsten Importe für den Monat November seit mindestens November 2015, wie von Bloomberg erhobene Daten zeigen.

In den ersten elf Monaten dieses Jahres lagen die Goldimporte bei insgesamt 597,5 Tonnen - und somit um rund 15 Prozent niedriger als in den elf Monaten von Januar bis November des letzten Jahres, sagte die anonyme Person. Zudem war der November bereits der fünfte Monat in Folge, der im Vergleich zum Vorjahr niedrigere Goldimporte verzeichnete.

Hintergrund der schwachen Nachfrage nach Gold in Indien, dem zweitgrößten Goldmarkt der Welt hinter China, sind zum einen der Preisanstieg um fast 20 Prozent im Vergleich zu vor einem Jahr und zum anderen das niedrigste Wirtschaftswachstum in Indien seit sechs Jahren. Das Verbrauchervertrauen in Indien liegt auf dem niedrigsten Stand seit mindestens 2014, wie eine aktuelle Umfrage der indischen Zentralbank zeigt.

Die größten Goldmärkte der Welt laut einer aktuellen Zusammenstellung des Goldverkäufers Provident:

  1. China: Hier werden jährlich rund 984 Tonnen Gold gekauft, die zu rund zwei importiert werden. Das Gold wird in der Industrie sowie als Anlage und Schmuck verwendet. Gold ist in China für alle Anwendungen leicht erhältlich. Auch einige Banken verkaufen Goldmünzen am Schalter.

  2. Indien: Hier werden rund 849 Tonnen Gold pro Jahr gekauft, wovon fast alles importiert werden muss. Die Hauptverwendungszwecke sind Schmuck und andere dekorative Zwecke. Gold wird dabei meist auch als Wertanlage angesehen.

  3. USA: Hier werden jährlich rund 193 Tonnen Gold gekauft. Der Nachfrage ist eine Mischung aus Industrie, Investment und Schmuck.

  4. Deutschland: Hier werden fast 124 Tonnen Gold pro Jahr gekauft. Ein großer Teil des in Deutschland verbrauchten Goldes ist für die industrielle Nutzung bestimmt.

Neben der allgemeinen Abschwächung der indischen Wirtschaft haben der verzögerte Monsun und die dadurch verspätete Ernte die Nachfrage auf dem Land belastet, das etwa 60 Prozent der indischen Goldkäufe ausmacht. Die ländliche Bevölkerung hatte aufgrund der späten Ernte weniger Geld zum Goldkauf zur Verfügung.

Die Juweliere des Landes haben aufgrund der schlechten Goldnachfrage bereits ihre Einkäufe gekürzt. Für das laufende Jahr werden die niedrigsten Goldverkäufe seit 2016 erwartet. Denn für das laufende Jahr ist kein Anstieg der Nachfrage ist mehr zu erwarten, sondern ein Rückgang der Nachfrage.

Inder kaufen Gold hauptsächlich zum Tragen oder Verschenken während Hochzeiten und Festivals, wobei die stärksten Käufe typischerweise im letzten Quartal des Jahres stattfinden. Die hohe Goldnachfrage infolge der Hochzeitssaison führte dazu, dass die Importe im November in Höhe von 56,1 Tonnen deutlich über den Importmengen von Oktober (20,8 Tonnen) und September (13,5 Tonnen) lagen.

"Die Importe werden im Dezember wieder zurückgehen, da es keine günstigen Tage für Hochzeiten vom 15. Dezember bis 14. Januar gibt", zitiert Bloomberg Gnanasekar Thiagarajan von Commtrendz Risk Management Services. "Die Goldpreise werden auch weiter steigen, getrieben durch die großen Unsicherheiten auf dem Weltmarkt im Hinblick auf das Handelsabkommen zwischen den USA und China, die US-Zinsen, die Hochstände an den Börsen und die US-Wahlen."

Zuvor hatte der World Gold Council in seinem Bericht für das dritte Quartal gemeldet, dass die indische Nachfrage nach Goldschmuck mit 101,6 Tonnen fast ein Drittel niedriger war als im Vorjahresquartal. Der Einbruch der Nachfrage nach Schmuck sei auf die sich abschwächende Konjunktur zurückzuführen sowie auf eine Liquiditätskrise, übermäßige Monsunregen in einigen Bundesstaaten und auf das Fehlen von Festtagen.

Mehr zum Thema
Bleiben Sie über das Thema dieses Artikels auf dem Laufenden Klicken Sie auf [+], um eine E-Mail zu erhalten, sobald wir einen neuen Artikel mit diesem Tag veröffentlichen
X

DWN-Wochenrückblick

Weniger E-Mails, mehr Substanz: Der DWN-Wochenrückblick liefert 1x/Woche die wichtigsten Themen kompakt als Podcast. Für alle, deren Postfach überläuft.

E-mail: *

Ich habe die Datenschutzerklärung sowie die AGB gelesen und erkläre mich einverstanden.

DWN
Wirtschaft
Wirtschaft Ferrari Luce: Erst verspottet, jetzt reißen sich Käufer um den Elektro-Ferrari
18.08.2026

Der Ferrari Luce provozierte Fans, verunsicherte Anleger und ließ Zweifel an Ferraris Elektrostrategie wachsen. Nun ist das Verkaufsziel...

DWN
Immobilien
Immobilien Wohnungsbau legt zu: Stärkster Halbjahresanstieg seit 2016
18.08.2026

Die Baugenehmigungen steigen so stark wie seit Jahren nicht mehr – doch vom Ende der Wohnungsnot kann keine Rede sein. Warum der...

DWN
Finanzen
Finanzen Echtzeit-Bezahldienst Wero: Gelingt Europas Angriff auf PayPal & Co.?
18.08.2026

Jahrelang haben US-Konzerne den digitalen Zahlungsverkehr in Europa geprägt – jetzt wollen Europas Banken die Kontrolle zurückgewinnen,...

DWN
Wirtschaft
Wirtschaft Dürre ohne Panik: Warum Trockenheit kein Freibrief für allgemeine Preissteigerungen ist
18.08.2026

Fünf Gründe, warum niedrige Flüsse und trockene Felder nicht zu einem neuen Inflationsschock werden dürfen.

DWN
Technologie
Technologie "Operation Blue Skies": Mit KI Kondensstreifen verhindern
18.08.2026

Google und Forschungspartner testen erstmals, wie Künstliche Intelligenz die Bildung klimaschädlicher Kondensstreifen im Luftverkehr...

DWN
Finanzen
Finanzen Tagesgeld-Vergleich (08/2026): Diese Banken bieten die besten Tagesgeld-Zinsen
18.08.2026

Ein Tagesgeld-Konto gilt als sichere und flexible Geldanlage. Doch hinter manchem Spitzenangebot verbergen sich nicht selten Bedingungen,...

DWN
Wirtschaft
Wirtschaft Firmensterben so ausgeprägt wie seit fast 20 Jahren nicht
18.08.2026

Deutschlands Wirtschaft verliert immer mehr Unternehmen: 187.744 Firmen gaben im vergangenen Jahr auf, so viele wie seit fast 20 Jahren...

DWN
Politik
Politik Europas vielleicht stärkste Armee kommt nicht in die NATO. Das kann katastrophale Folgen haben
18.08.2026

Die Ukraine wird auf absehbare Zeit wohl nicht Nato-Mitglied. Doch zugleich verfügt sie über eine der stärksten Armeen Europas und über...