Unternehmen

Droht das Aus? Traditionsreicher Zulieferer Leoni braucht plötzlich 200 Millionen Euro

Die Lage bei Leoni ist ernst: Der Konzern schreibt Verluste in zweistelliger Millionen-Höhe. Und das, obwohl der Hersteller zwölf Monate zuvor noch Gewinne eingefahren hatte. Jetzt braucht der angeschlagenen Konzern noch 200 Millionen Euro mehr finanzielle Mittel.
12.12.2019 16:00
Lesezeit: 1 min
Droht das Aus? Traditionsreicher Zulieferer Leoni braucht plötzlich 200 Millionen Euro
Ein Mitarbeiter des Produzenten (Foto: dpa). Foto: Daniel Karmann

"Auf Leoni warten noch zahlreiche Herausforderungen", hatte der Vorstandsvorsitzende des Nürnberger Autozulieferers, Aldo Kamper, Mitte November bei der Präsentation der defizitären Drittquartalszahlen erklärt. "Das Marktumfeld ist weiterhin schwierig", hatte der Manager den Investoren erklärt, als er ihnen einen Verlust von 88 Millionen Euro erläutern musste. Der traditionsreiche Hersteller gehört zu denjenigen in der Branche, die ganz besonders stark von der schlechten Konjunktur betroffen sind.

Und jetzt sieht es ganz danach aus, dass die Lage immer schwieriger wird: Denn Leoni will sich zusätzliche 200 Millionen Euro beschaffen, um die Zahlungsfähigkeit zu verbessern. "Der Konzern hat vor, seine verfügbare Liqidität zur Absicherung der Durchfinanzierung zu erhöhen", teilte der Autozulieferer, der weltweit über 90.000 Mitarbeiter beschäftigt, am vergangenen Dienstag mit.

Das Unternehmen wird als Gegenleistung für die zusätzlichen Mittel, die es von den Banken erhält, ein Sanierungsgutachten in Auftrag geben, das den eingeschlagenen Kurs und die Durchfinanzierung bestätigen soll. Das berichtet die Fachpublikation "Finance-Magazin". „Leoni befindet sich weiterhin in sehr konstruktiven Abstimmungen mit seinen Kreditgebern“, unterstreicht der Autozulieferer.

Leoni-Aktie kracht 60 Prozent ein, während der SDAX ein Fünftel zulegt

Hintergrund: Der Produzent hat im drittten Quartel einen Verlust einfahren müssen - und das, obwohl Leoni zwölf Monate zuvor noch einen Gewinn von 23 Millionen Euro verzeichnet hatte. Ähnlich ungünstig entwickelten sich die Umsätze, die im Vergleich zum Vorjahreszeitraum um knapp vier Prozent auf 1,1 Milliarden Euro rückläufig gewesen waren.

Der Konzern, der mit jährlichen Umsätzen von fünf Milliarden Euro zu den Top 50 weltweit gehört, wird von einem ganzen Bündel von Problemen belastet: Zusätzlich zur schwachen Konjunktur bedrücken das Unternehmen vergleichsweise hohe Umbaukosten. Beide Sparten - das Kabel- und auch das Bordnetzsegment - haben Rückgänge bei der Nachfrage hinnehmen müssen. Die größere Bordnetzsparte wird größtenteils von relativ hohen Lohnkosten belastet. Die Kabelsparte soll sogar verkauft werden. Hier machen sich erste Rückstellungen für den Umbau des Geschäfts mit den Kunden aus der Erdöl- und Gasindustrie bemerkbar.

Doch das war noch nicht alles: Ebenso negativ verlief die Performance an der Börse. So ist der Aktienkurs in den vergangenen zwölf Monaten um fast zwei Drittel auf Werte um zehn Euro eingekracht. Zum Vergleich: Der SDAX, in dem Leoni gelistet ist, hat im selben Zeitraum sogar noch zulegen können - und zwar sogar um ein sattes Fünftel.

Und Besserung ist noch lange nicht in Sicht: Das Management geht davon aus, dass sich dieser Trend auch im vierten Quartal fortsetzen wird: Das Management rechnet beim Umsatz nach wie vor mit einem Minus.

Mehr zum Thema
Bleiben Sie über das Thema dieses Artikels auf dem Laufenden Klicken Sie auf [+], um eine E-Mail zu erhalten, sobald wir einen neuen Artikel mit diesem Tag veröffentlichen
Anzeige
DWN
Finanzen
Finanzen Finanzielle Freiheit braucht einen starken Partner

Vermögen eröffnet Möglichkeiten – und bringt zugleich Entscheidungen mit sich: Wie lässt sich das Erreichte bewahren, gezielt...

 

DWN
Politik
Politik Wie gewinnt man den nächsten Krieg? Ex-US-Verteidigungsminister Austin erläutert in Warschau die NATO-Strategie
14.10.2026

Der pensionierte General Lloyd Austin, der unter Präsident Joe Biden US-Verteidigungsminister war, hat beim Warsaw Security Forum die...

DWN
Finanzen
Finanzen Goldpreis aktuell unter Druck: Nach US-Inflationsschub blicken Anleger auf die Fed
14.10.2026

Der Goldpreis tendiert am Mittwochnachmittag in der Verlustzone, weil höhere US-Verbraucherpreise die Hoffnung auf eine Zinssenkung...

DWN
Politik
Politik Trumps Vereinbarung mit Putin dreht sich um weit mehr als Diesel
14.10.2026

Donald Trumps Diesel-Abkommen mit Wladimir Putin wirkt auf den ersten Blick widersprüchlich: US-Gesetze begrenzen russische...

DWN
Technologie
Technologie Starlink in der Ukraine: Streit um neue Geschwindigkeitsgrenze
14.10.2026

In der Ukraine wächst der Ärger über eine offenbar neue Einschränkung beim Satelliteninternet Starlink. Nach Angaben aus dem Umfeld von...

DWN
Politik
Politik Zuckersteuer beschlossen: Kabinett bringt Extra-Steuer auf den Weg
14.10.2026

Zwischendurch hatte das Kanzleramt sie gestoppt, das Finanzministerium musste nacharbeiten - jetzt ist die Zuckersteuer in der...

DWN
Politik
Politik Grüngasquote für private Haushalte ab 2028 sorgt für Kritik
14.10.2026

Die schwarz-rote Koalition hatte sich bei der Einigung auf das neue Gebäudemodernisierungsgesetz - als Nachfolger des...

DWN
Finanzen
Finanzen Bitcoin-Prognose: Warum die nächsten Tage alles verändern könnten
14.10.2026

Bitcoin steht vor einer entscheidenden Bewährungsprobe. Nach massiven Kapitalabflüssen aus Bitcoin-ETFs und einem Kursrutsch auf nahezu...

DWN
Finanzen
Finanzen Sollte ich US-Banken kaufen? Warum ich Citigroup und Wells Fargo genauer prüfe
14.10.2026

Nach der starken Rally ist bei US-Bankaktien Ernüchterung eingekehrt. Gleichzeitig steigen die Gewinne vieler Institute weiter. Für mich...