Politik

Türkischer General: „Der Dritte Weltkrieg steht vor der Tür”

Ein renommierter türkischer Generalmajor hat ein Buch veröffentlicht, in dem geschildert wird, warum ein Dritter Weltkrieg des Westens unter Führung der USA gegen China und Indien unausweichlich sei. Dem Generalmajor zufolge werden Russland und die Türkei im Lager des Westens stehen.
18.11.2020 13:00
Lesezeit: 3 min
Türkischer General: „Der Dritte Weltkrieg steht vor der Tür”
Angehörige der US-Marine beobachten am 11.08.2017 eine Übung von Deck des Flugzeugträgers USS Theodore Roosevelt, der sich an einem nicht näher bezeichneten Ort im Pazifik befindet. (Foto: dpa) Foto: Alex Perlmann

Der türkische Generalmajor a.D. Osman Pamukoğlu hat wenige Monate (September 2019) vor dem Nato-Gipfel in London ein Buch mit dem Titel “Der Dritte Weltkrieg - Wann und zwischen welchen Mächten er stattfinden wird” veröffentlicht, der in zahlreichen Ländern hohe Wellen geschlagen hat.

Pamukoğlu zufolge würden die USA in Zukunft eine weltweite Koalition aufstellen, um militärisch gegen China und seine Verbündeten vorzugehen. Russland werde ein wichtiger Bestandteil dieser Koalition sein, da Russland alles daran setze, um zu verhindern, dass China seinen Einfluss in Zentralasien und Sibirien erweitert. “Es ist davon auszugehen, dass sich auf der einen Seite die USA und Russland und auf der anderen Seite China und Indien befinden werden”, so Pamukoğlu.

Im Zusammenhang mit der Positionierung der Europäer und Türken führt er aus, dass sich sowohl Europa als auch die Türkei eindeutig auf der Seite der Anti-China-Allianz befinden werden. “China versucht Zeit zu gewinnen, indem es politische und wirtschaftliche Schritte unternimmt. Und die USA nutzen das Instrument von Sanktionen, denn die Zeit arbeitet gegen die USA”, meint er.

Alleine schon an den weltweiten Rüstungsausgaben könne man erkennen, dass es früher oder später zu einem großen konventionellen Krieg kommen müsse, so Pamukoğlu im Rahmen einer Sendung des Fernsehsenders Haberturk. Das sei eine Vorbereitungsphase wie vor dem Ersten Weltkrieg. Chinas Ambitionen seien offensichtlich. Die Regierung in Peking wisse genau, dass die Position einer Weltmacht die Herrschaft über die Weltmeere und Ozeane voraussetze. Deshalb investiere China massiv in seine Marine. Die Mobilisierung der maritimen Fähigkeiten der USA im Südchinesischen Meer würden deshalb auch Sinn machen. “Wenn sie als Land nicht imstande sind, die Seewege zu kontrollieren, können sie weder eine Kontrolle über die weltweiten Rohstoffe erringen, noch eine Weltmacht werden. Diese Kontrolle führte in früheren Zeiten England aus und jetzt sind es die USA. Die Chinesen bauen einen Flugzeugträger. Warum? Denn wenn du keine Kontrolle über die Ozeane hast, kannst du nicht zum weltgrößten Akteur aufsteigen. Der Dritte Weltkrieg wird ausbrechen. Neutralität ist lediglich eine Utopie. Wie neutral kann man bleiben, wenn alles beginnt zu knattern. Auch die Türkei wird beim Dritten Weltkrieg nicht neutral bleiben können. Die Türkei wird auf jeden Fall Partei für den westlichen Block ergreifen”, zitiert Asafhaber den Generalmajor a.D.

Im Rahmen einer Sendung beim türkischen TV-Sender tv 100 sagte Pamukoğlu: “Der Ausbruch des Dritten Weltkriegs wird an drei Faktoren gekoppelt sein: Energieressourcen, Wasserressourcen und die Kontrolle der Handelswege zur See (...) Die USA wollen verhindern, dass die Chinesen von den Ölressourcen der Iraner profitieren. Das versuchen die Amerikaner seit geraumer Zeit. Deshalb befinden sich die US-Truppen in Afghanistan. In Afghanistan wird verhindert, dass China eine Landbrücke in den Iran aufbaut (...) Zu Russland lässt sich folgendes sagen: Zahlreiche Ressourcen befinden sich östlich des Urals, also vor allem in Zentral- und Ostsibirien. Und wer befindet sich im Süden? China. 65 Prozent der russischen Truppen befinden sich östlich des Urals, also im Gebiet der Ressourcen. Doch gegen wen werden sie stationiert? Wer befindet sich denn im Süden? China mit seiner Bevölkerung von 1,4 Milliarden Menschen. Wenn es ein Land gibt, dass diese Ressourcen östlich des Urals unbedingt benötigt, ist das China - der hungrige Riese (...) Wir haben derzeit dieselbe Konstellation wie am Vorabend des Zweiten Weltkriegs.”

Der Dritte Weltkrieg werde nicht in Europa, Lateinamerika oder in Afrika, sondern in der Asien-Pazifikregion ausgetragen werden. Dazu sagt Pamukoğlu: “Das Himalaya-Gebirge und Kaschmir sind enorm wichtig für die Wasserversorgung in der Region. Insbesondere China benötigt das Wasser aus dem Himalaya-Gebirge. Wenn ein atomarer Schlag auf die Wasserressourcen im Himalaya-Gebirge ausgeführt werden sollte, würde dies dazu führen, dass Milliarden von Menschen ohne Wasser bleiben und flüchten müssten”, so Pamukoğlu.

Allerdings könne die letzte Vorbereitungsphase gegen China erst dann beginnen, wenn die USA das iranische Problem gelöst haben. Auf Nachfrage einer Journalistin des Fernsehsenders Habertürk, was denn passieren müsste, damit es tatsächlich zum Ausbruch des Dritten Weltkriegs kommt, sagte der Generalmajor a.D. “Ein Vorfall in einem Grenzgebiet, der Abschuss eines Kampfjets, das Versenken eines Fischerboots, ein Terroranschlag, ein Attentat oder ein unvorstellbarer Vorfall. Darüber hinaus ist es möglich, ein niemals stattgefundenes provokatives Ereignis medial als Realität darzustellen, um einen Kriegsvorwand zu haben. So lief dass immer schon.”

Generalmajor a.D. Osman Pamukoğlu war von 1968 bis 2002 im aktiven Dienst der türkischen Streitkräfte (TSK). Im Jahr 1993 war er innerhalb der hochrangigen Militärs der einzige Offizier, der sich bereit erklärte, im Südosten der Türkei vor Ort und an vorderster Front Spezialtruppen gegen die PKK, die von der EU und den USA als Terrororganisation eingestuft wird, zu befehligen. Er studierte die Guerilla-Taktiken von Josip Broz Tito, Giuseppe Garibaldi, Mao Zedong, Alberto Bayo, Fidel Castro, Ernesto “Che” Guevara, Võ Nguyên Giáp und Yasser Arafat, um theoretische und praktische Mittel gegen die Guerilla-Kriegsführung zu entwickeln. Dadurch gelang es ihm von 1993 bis 1995 die Anzahl der Gebirgskämpfer der PKK von 12.000 auf etwa 6.000 zu minimieren.

+++Dieser Artikel wurde erstmals am 29. Dezember 2019 veröffentlicht. Aufgrund seines aktuellen Bezugs stellen wir Ihnen den Artikel nochmal zur Verfügung+++

Mehr zum Thema
Bleiben Sie über das Thema dieses Artikels auf dem Laufenden Klicken Sie auf [+], um eine E-Mail zu erhalten, sobald wir einen neuen Artikel mit diesem Tag veröffentlichen
DWN
Wirtschaft
Wirtschaft Energiemanagement-System: Wer Energie falsch nutzt, verliert Wettbewerbsfähigkeit
03.04.2026

Energie wird für Unternehmen immer teurer, doch viele nutzen sie weiterhin ineffizient. Neue Systeme zeigen, dass nicht die Produktion...

DWN
Finanzen
Finanzen ETF kaufen: So klappt der Einstieg Schritt für Schritt
03.04.2026

Ein ETF-Sparplan gilt als einfacher Weg zum langfristigen Vermögensaufbau. Trotzdem scheitern viele schon am ersten Schritt: den passenden...

DWN
Unternehmen
Unternehmen Mitarbeitermotivation im Wandel: Warum Geld allein nicht mehr reicht
03.04.2026

Mehr Geld reicht nicht mehr, um Mitarbeiter zu halten. Beschäftigte verlangen zunehmend Flexibilität, Sicherheit und echte Perspektiven....

DWN
Unternehmen
Unternehmen Lamborghini Urus SE im Test: Was leistet der Plug-in-Hybrid mit V8-Motor?
03.04.2026

Lamborghini entwickelt sein erfolgreichstes Modell weiter und kombiniert beim Urus erstmals einen V8-Motor mit Plug-in-Hybridtechnik....

DWN
Unternehmen
Unternehmen Remote-Jobs werden knapper: Der Kampf ums Homeoffice nimmt zu
03.04.2026

Der Arbeitsmarkt für Remote-Arbeit verändert sich spürbar, während Unternehmen ihre Strategien neu ausrichten und die Nachfrage nach...

DWN
Panorama
Panorama DWN-Wochenrückblick KW 14: Die wichtigsten Analysen der Woche
02.04.2026

Im DWN Wochenrückblick KW 14 aus dem Jahr 2026 fassen wir die zentralen wirtschaftlichen und politischen Entwicklungen der vergangenen...

DWN
Politik
Politik Orbán oder von der Leyen: Wahlen in Ungarn werden Europa verändern - steht die EU vor einem Machtverlust?
02.04.2026

Die Parlamentswahl am 12. April in Ungarn rückt nicht nur die Zukunft von Viktor Orbáns politischem System sondern auch die Zukunft der...

DWN
Finanzen
Finanzen US-Börsenbericht: Wall Street gibt nach
02.04.2026

Ein nervenaufreibender Handelstag an den Märkten: Erfahren Sie, welche überraschenden Faktoren die Kurse jetzt in Bewegung halten.