Wirtschaft

Ukrainischer Infrastrukturminister Kryklij: „Wir wollen die Zusammenarbeit mit den deutschen Unternehmen vertiefen“

Die Ukraine verfügt als flächengrößtes Land Europas über riesiges logistisches Potenzial, das derzeit nur teilweise genutzt wird. Der Infrastrukturminister, Wladyslaw Kryklij, erklärt im Interview, welche Verkehre besonders wichtig sind und welche Rolle die deutschen Investoren für sein Land spielen.
19.12.2019 16:00
Lesezeit: 3 min
Ukrainischer Infrastrukturminister Kryklij: „Wir wollen die Zusammenarbeit mit den deutschen Unternehmen vertiefen“
Der neue ukrainische Infrastrukturminister, der 33ährige Wladyslaw Kryklij gehört zur neuen Regierung der Ukraine. Die neue Garde der ukrainischen Politiker zeigt sich gegenüber dem Westen aufgeschlossen und gibt bereitwillig Auskunft - anders als frühere Führungsriegen (Foto: Ukrainische Regierung).

Deutsche Wirtschaftsnachrichten: Herr Minister, kurz eine Frage zu Ihrer Person: Zwei Dinge fallen in Ihrer Vita auf. Zum einen sind Sie mit Ihren 33 Jahren für einen Minister relativ jung - zumindest für westliche Verhältnisse. Zum Vergleich: Das Durchschnittsalter der deutschen Bundesregierung liegt bei 51 Jahren. Darüber hinaus haben Sie im Investmentbank-Geschäft gearbeitet, leiten jetzt aber das Infrastrukturministerium. Warum führen Sie gerade dieses Ressort und kein anderes?

Wladyslaw Kryklij: Was das Alter angeht, haben wir grundsätzlich eine junge Regierung. Das bedeutet den Wunsch und die Bereitschaft, etwas zu verändern. Wir arbeiten buchstäblich sieben Tage – und das 24 Stunden lang. Das junge Alter hilft, eine solche Belastung auszuhalten. Und ich wollte schon immer etwas bewegen.

Beim Wahlkampf für das ukrainische Parlament wurde ich ins Team [der Partei 'Diener der Volkes', der späteren Regierungspartei] eingeladen. Die Ergebnisse der Reformen, die ich bis zu diesem Zeitpunkt während meiner Karriere mitgestaltet hatte, haben sie sehr geschätzt: Eine davon war die Reform zur Schaffung von Service-Zentren im Innenministerium, wo ich zwischen 2014 und 2019 in unterschiedlichen Funktionen tätig war. Diese Reform gehörte im Jahr 2016 zu den zehn wichtigsten im Staatssektor.

Ich wurde zum Abgeordneten der Partei „Diener des Volkes“ gewählt – der jetzigen Regierungspartei. Mein Hauptbereich war gleich die Infrastruktur, ohne die grundsätzlich die Entwicklung der gesamten Wirtschaft unmöglich ist.

Ich möchte in diesem Bereich moderne und technologische Ideen einbringen. Es geht um digitale Verkehrskorridore sowie elektronische Dienste für Menschen und Unternehmen. Ich wurde von der Partei zum Vorsitzenden des Transportkomitees im Parlament nominiert. Danach sprach mich [der ukrainische Ministerpräsident] Oleksii Goncharuk an, was für eine Tätigkeit für mich interessanter wäre – eine parlamentarische Aufgabe oder lieber eine, bei der ich etwas mitgestalten könne. Da war ich mehr an der Umsetzung von Reformen interessiert.

Deutsche Wirtschaftsnachrichten: Ihre Regierung hat Ende November einen Gesetzesentwurf für multimodalen Transport verabschiedet – also für die kombinierten Verkehre aus dem Straßen- Bahn- und Lufttransport. Könnten Sie noch einmal konkret erläutern, worum es hierbei geht?

Wladyslaw Kryklij: Der Entwurf definiert für die ukrainische Gesetzgebung den Begriff des multimodalen und kombinierten Gütertransports sowie die Grundprinzipien der staatlichen Regulierungen und der staatlichen Beihilfen für diese Art des Verkehrs.

Er sieht die Konsolidierung des Rechts für multimodale Transporte auf der Grundlage eines einzigen Vertrages auf allen Transportstrecken vor. Dies verkürzt die Frachtlieferzeiten um 25 Prozent sowie optimiert die Kosten, die infolge der Dienstleistungen beim Frachttransport anfallen.

Bei der Erbringung der Dienstleistungen zum multimodalen Frachttransport übernimmt das multimodale Transportunternehmen die Verantwortung für die Fracht gegenüber dem Kunden von dem Zeitpunkt der Annahme bis zu dem Moment der Ausgabe.

Das Gesetz wird nach der Abstimmung im Parlament Werchowna Rada zu einer Verringerung des Verkehrsaufkommens führen. Ein großer Teil der Transporte wird dann von Verkehrsträgern übernommen, die weniger die Umwelt belasten. Dies reduziert die Luftverschmutzung und schützt die Gesundheit der Bevölkerung. Beim kombinierten Gütertransport darf auf einer Gesamtlänge der Strecke von 750 Kilometern der Teil, auf dem die Waren auf der Straße transportiert werden, nicht größer als 150 Kilometer sein. Das entspricht 20 Prozent der gesamten Trasse.

Deutsche Wirtschaftsnachrichten: Inwieweit können davon auch deutsche und andere internationale Unternehmen profitieren?

Wladyslaw Kryklij: In der Ukraine ist der multimodale Transport mit Containern noch gering. Es gibt noch nicht genügend Terminals. Das neue Gesetz wird in der Ukraine nun ein lukratives Investitionsklima für die Entwicklung der transport-logistischen Infrastruktur und der multimodalen Transporte sowie den Ausbau von multimodalen Terminals schaffen. Der ukrainische Staat wird diesen Verkehrsträger fördern und somit auch internationale Investitionen anlocken. Somit werden die deutschen Unternehmen klare gesetzliche Grundlagen vorfinden, die ihnen ihre multimodalen Transporte ermöglichen.

Deutsche Wirtschaftsnachrichten: Die Außenhandelsquote der Ukraine liegt bei mehr als 80 Prozent. Ein großer Außenhandelspartner ist Deutschland, das wichtige Güter in Ihr Land liefert – beispielsweise Maschinen. Folglich ist der deutsch-ukrainische Handel für die Entwicklung Ihres Landes nicht unwichtig.

Wie bewerten Sie die Rolle der deutschen Investoren aktuell?

Wladyslaw Kryklij: Die Umsatzvolumina zwischen der Ukraine und Deutschland nehmen zu. Auf der Sitzung der ukrainisch-deutschen Kommission für den internationalen Straßenverkehr, die Anfang Dezember 2019 in Bonn stattfand, haben sich die Länder darauf geeinigt, die Zahl der Genehmigungen für den Straßenverkehr zu erhöhen. Für das Jahr 2020 stehen den ukrainischen Transportunternehmen 90.000 zur Verfügung. Das sind fast 1000 mehr als im Jahr 2019. Das sind gute Signale für die Ukraine.

Wir wollen die Zusammenarbeit mit den deutschen Unternehmen vertiefen. Die ukrainische Regierung unterstützt das vierte ukrainisch-deutsche Wirtschaftsforum im Juni 2020 in Lwiw. Neulich hat sich der Ministerpräsident der Ukraine, Oleksii Goncharuk, dafür ausgesprochen, die Arbeit der Gruppe für wirtschaftliche Zusammenarbeit zwischen unseren Ländern wieder aufzunehmen, die sich aus hochrangigen Vertretern zusammensetzt.

Der zweite Teil des Interviews folgt in Kürze

Zur Person: Der 33jährige Wladyslaw Kryklij ist Ökonom und seit Ende August 2019 Infrastrukturminister des Landes. Sein Ressort gilt aufgrund der großen logistischen Bedeutung der Ukraine als Schlüsselressort. Zwischen 2002 und 2013 arbeitete er auf leitenden Positionen in der Privatwirtschaft. Danach war in unterschiedlichen Funktionen im Innenministerium aktiv. 2019 zog der Wirtschaftswissenschaftler auf einem Listenplatz der Partei "Diener Volkes" in das Parlament ein, die später die Regierung stellte.

Mehr zum Thema
Bleiben Sie über das Thema dieses Artikels auf dem Laufenden Klicken Sie auf [+], um eine E-Mail zu erhalten, sobald wir einen neuen Artikel mit diesem Tag veröffentlichen
Anzeige
DWN
Finanzen
Finanzen Immobilienmakler für Kitzbühel – Hotel und Gewerbeimmobilien verkaufen mit Experten

Der Verkauf von Hotels und Gewerbeimmobilien in Kitzbühel stellt besondere Anforderungen an Eigentümer und Makler. Ein erfahrener...

X

DWN-Wochenrückblick

Weniger E-Mails, mehr Substanz: Der DWN-Wochenrückblick liefert 1x/Woche die wichtigsten Themen kompakt als Podcast. Für alle, deren Postfach überläuft.

E-mail: *

Ich habe die Datenschutzerklärung sowie die AGB gelesen und erkläre mich einverstanden.

DWN
Unternehmen
Unternehmen Eli Lilly-Aktie: Neues Supermedikament gegen Adipositas
20.08.2026

Eli Lilly dürfte bald ein neues Supermedikament gegen Adipositas auf den Markt bringen. "Eine solche Gewichtsreduktion hat man noch nie...

DWN
Wirtschaft
Wirtschaft Bankrun in Russland: Warum Bürger ihre Konten leeren
20.08.2026

Ein Bankrun in Russland ist für den Kreml ein Warnsignal. Viele Bürger heben panikartig ihr Bargeld ab. Ökonomen warnen zugleich vor...

DWN
Unternehmen
Unternehmen MG4 Urban im Test: Fast "Das Auto", nur aus China
20.08.2026

Als SAIC Motor das Modell MG4 vorstellte, wurde es sofort zu einem der begehrtesten in China gebauten Elektroautos. Autojournalisten...

DWN
Finanzen
Finanzen Euro-Stablecoins: Wie Europa die Kontrolle über seine Währung verlieren könnte
20.08.2026

Der Euro ist die zweitwichtigste Währung der Welt, doch in der digitalen Finanzwelt spielt er bislang kaum eine Rolle. Während nahezu...

DWN
Finanzen
Finanzen Goldpreis aktuell: Gewinnmitnahmen nach Zweimonatshoch
20.08.2026

Der Goldpreis hat binnen kurzer Zeit deutlich an Wert gewonnen, doch am Donnerstag legt das gelbe Edelmetall eine Verschnaufpause ein....

DWN
Finanzen
Finanzen JD Sports-Aktie stürzt ab: Gewinnwarnung und Filialabbau belasten – Branche leidet mit
20.08.2026

JD Sports senkt sein Gewinnziel und enttäuscht vor allem in Nordamerika. Gleichzeitig verschwinden immer mehr deutsche Filialen. Der...

DWN
Technologie
Technologie Weltmarkt für E-Lkw wächst rasant – Infrastruktur bleibt Engpass
20.08.2026

Eine halbe Million verkaufte E-Lkw und E-Busse markieren einen neuen Meilenstein für die Verkehrswende. Während China den Weltmarkt...

DWN
Finanzen
Finanzen Criteo-Aktie: Übernahmewette für Mutige oder unkalkulierbares Risiko?
20.08.2026

Die Criteo-Aktie führt vor Augen, welche Chancen Sondersituationen für Anleger bieten können. Doch gerade bei vermeintlich klaren Deals...