Hedgefonds wetten gegen Unternehmen, die mit Nachhaltigkeit werben

 

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23.12.2019 16:00
Globale Investitionen in Höhe von vielen Billionen Dollar fließen in Unternehmen, die sich mit ihrem Engagement für Umwelt, Soziales und Governance (ESG) rühmen. Doch Hedgefonds sehen hier eine Chance und wetten im großen Stil mit Leerverkäufen dagegen.
Hedgefonds wetten gegen Unternehmen, die mit Nachhaltigkeit werben
Hedgefonds wetten mit Leerverkäufen gegen ESG-Unternehmen. (Foto: dpa)
Foto: Andy Rain

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Die sogenannten "nachhaltigen" Investments machen nach Angaben der Global Sustainable Investment Alliance mehr als ein Viertel aller weltweit verwalteten Vermögen aus. Rund 31 Billionen Dollar wurden hier investiert, da einige Studien gezeigt haben sollen, dass sich die Bewertungen von Unternehmen mit starkem Engagement für Umwelt, Soziales und Governance (environment, social, governance, oder abgekürzt ESG) besser entwickeln als die ihrer Konkurrenten.

Doch einige Leerverkäufer, darunter Carson Block von Muddy Waters, Josh Strauss von Appleseed Capital und Chad Slater von Morphic Asset Management, sagen laut einem Bericht von Reuters, dass die Aktienkurse dieser Unternehmen durch falsche Darstellungen in Bezug auf die Nachhaltigkeit, das so genannte "Greenwashing", aufgeblasen sein können. "Das Greenwashing ist heute vollkommen außer Kontrolle", sagt Slater. Wenn Unternehmen nicht mit langfristigen Investoren zusammenarbeiten, ist das für ihn ein Warnzeichen.

Die Analytikunternehmen, welche die Unternehmen im Hinblick auf Umwelt, Soziales und Governance bewerten, verwenden bei der Erstellung ihrer Ratings eine Mischung aus Unternehmenspublikationen, Nachrichtenquellen und qualitativen Analysen von fremden Daten. Sie sind eine wichtige Informationsquelle für Investoren. Für Hedgefonds, die sowohl auf ESG-Ratings als auch auf traditionelle Finanzdaten und operative Ergebnisse blicken, kann ein hohes ESG-Rating ein Argument für Leerverkäufe sein.

Eine Reuters-Analyse von Daten des Finanzinformationsunternehmens Refinitiv und der nationalen Aufsichtsbehörden in Großbritannien, Frankreich, Deutschland, Spanien und Italien zeigt, dass in jedem Land die fünf Unternehmen mit den besten ESG-Ratings zusammen mehr von Leerverkäufen betroffen waren, als die Unternehmen mit den schlechtesten Bewertungen. Die Short-Positionen gegen die Unternehmen mit den besten ESG-Ratings waren um 50 Prozent größer als die gegen die Unternehmen mit den schlechtesten Ratings.

Die ESG-Datenanbieter erstellen ihre Bewertungen auf der Grundlage einer Reihe von Maßnahmen, die vom Energieverbrauch bis zur Zusammensetzung der Vorstandsmitglieder, den Daten zu den Gehaltsunterschieden und dem Ausmaß der negativen Presseberichte über das Unternehmen aus Zeitungen auf der ganzen Welt reichen. Refinitiv, das sich teilweise im Besitz von Reuters News befindet, berücksichtigt Quellen wie Unternehmensberichte, behördliche Einreichungen, Webseiten von Nichtregierungsorganisationen und Nachrichtenartikel.

Zwei führende globale Vermögensverwalter mit einem verwalteten Vermögen von fast 1 Billion Dollar sagten unter der Bedingung der Anonymität zu Reuters, sie hätten ihre Portfolios mit verschiedenen ESG-Datenanbietern getestet und die Korrelation zwischen den Ratings als so gering eingestuft, dass sie ihr eigenes Ranking-System aufbauen. Peter Hafez vom Finanzdatenanbieter RavenPack, der Hedgefonds bei der Datenanalyse unterstützt, stimmt dem zu. "Es gibt kein perfektes ESG-Rating", sagte er.

Leerverkäufer leihen sich Aktien aus, zahlen dafür dem Eigentümer eine Gebühr und verkaufen sie weiter, wobei sie darauf wetten, dass der Kurs fallen wird, bevor sie sie zurückkaufen und an den ursprünglichen Kreditgeber zurückgeben. Wenn die Kurse der Aktien, gegen die der Fonds wettet, tatsächlich fallen, so können Fonds auf diese Weise starke Profite erwirtschaften. Doch im anderen Fall, wenn die Aktienkurse steigen, verzeichnen die Fonds mitunter sehr hohe Verluste.

Carson Block, der Gründer des US-Leerverkäufers Muddy Waters, der bekannt wurde, weil er das Fehlverhalten in einigen chinesisch geführten Unternehmen erkannt hatte, sucht nun nach einem "moralischen Short" bei Unternehmen, die in der Konzernwelt als "ESG" (Umwelt, Soziales, Governance) bezeichnet werden. "Ich möchte solche Firmen auf jeden Fall finden, weil ich weiß, dass es sie gibt, und ich möchte helfen, sie zu Fall zu bringen."

 


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