Wirtschaft

Der Iran will im Kaspischen Meer Öl und Gas fördern

Teheran will im Kaspischen Meer Öl und Gas fördern. Doch die Gewässer sind hochumstritten.
13.01.2020 17:05
Aktualisiert: 13.01.2020 17:05
Lesezeit: 3 min
Der Iran will im Kaspischen Meer Öl und Gas fördern
Das kaspische Öl ist begehrt. (Foto: dpa) Foto: Sergei Ilnitsky

Der Iran treibt sein Projekt zur Erschließung eines lange umstrittenen Gebiets des riesigen Öl- und Gasreservoirs am Kaspischen Meer - Sardar-e-Jangal - voran. Das größere kaspische Einzugsgebiet, das sowohl Onshore- als auch Offshore-Felder umfasst, soll über rund 48 Milliarden Barrel Öl und 292 Billionen Kubikfuß (Tcf) Erdgas verfügen. Es sollen sich rund 41 Prozent des gesamten kaspischen Rohöl- und Leasingkondensats (19,6 Milliarden Barrel) und 36 Prozent des Erdgases (106 Tcf) auf den Offshore-Feldern befinden. Weitere 35 Prozent des Öls (16,6 Milliarden Barrel) und 45 Prozent des Gases (130 Tcf) sollen sich an Land innerhalb von 100 Meilen vor der Küste befinden, insbesondere im Nordkaukasus Russlands.

Es wird angenommen, dass die verbleibenden zwölf Milliarden Barrel Öl und 56 Tcf Erdgas weiter an Land in den großen Einzugsgebieten des Kaspischen Meeres, hauptsächlich im Aserbaidschan, Kasachstan und Turkmenistan, verteilt sind. Auf das Gebiet entfallen durchschnittlich 17 Prozent der gesamten Ölproduktion der fünf Küstenstaaten, berichtet Oilprice.com.

In diesem Zusammenhang wurde Sardar-e-Jangal ursprünglich im Jahr 2002 entdeckt. Zu diesem Zeitpunkt lag der Gesamtanteil des Iran an der kaspischen Gasförderung bei höchstens 11 Tcf. Das damals neue Gasfeld, das in 700 Metern Tiefe vor der Küste der nördlichen Provinz Gilan im Kaspischen Meer gefunden wurde, soll insgesamt nachgewiesene Gasreserven von rund 50 Tcf enthalten, etwa zehnmal mehr als das Shah-Deniz-Feld im Aserbaidschan. Im Jahr 2012 führte eine routinemäßige Erkundung des Standorts Sardar-e Jangal zur zusätzlichen Entdeckung einer etwas tieferen Ölschicht (728 Meter), die nun schätzungsweise zwei Milliarden Barrel Qualitätsrohöl fasst. Nach dem Atomabkommen von 2015 hatte der Iran gehofft, kaspische Explorationsblöcke im Rahmen seines Iran Petroleum Contract (IPC) zu lizenzieren und die Entwicklung des Sardar-e Jangal-Feldes voranzutreiben.

Zu diesem Zweck hatte der Iran nach Angaben der iranischen Quelle bereits hochrangige Anwälte in New York damit beauftragt, die 20-Prozent-Vereinbarung über die Verteilung von Anteilen in diesem Bereich in Frage zu stellen. Nach Ansicht des Irans befindet sich das Sardar-e-Jangal-Feld im iranischen Anteil, sodass Aserbaidschan keinerlei Anspruch auf das Öl und Gas habe. Aufgrund einiger zuvor getroffener Vereinbarungen zwischen Russland und Kasachstan über die Teilung des Beckens durch eine Linie, die gleich weit von den fünf Küsten entfernt ist, behauptet Aserbaidschan jedoch, dass Sardar-e-Jangal ein gemeinsames Gebiet darstellt.

Russland, der Iran, Aserbaidschan, Kasachstan und Turkmenistan - alle am Kaspischen Meer angrenzend - hatten sich zuvor grundsätzlich darauf geeinigt, wie das Kaspische Meer aufgeteilt werden soll. Ihre Staatschefs hatten am 9. August 2018 in der kasachischen Stadt Aktau die Konvention über den rechtlichen Status des Kaspischen Meeres unterzeichnet, berichtet die New York Times. Sie legt eine Formel für die Aufteilung ihrer Ressourcen fest und verhindert, dass andere Mächte dort eine militärische Präsenz aufbauen.

Im Zentrum dieses langwierigen Streits steht die Frage, ob der 370.000 Quadratkilometer große Binnenwasserkörper als See oder Meer betrachtet werden sollte, berichtet der Economist. Bis zur Auflösung der Sowjetunion (UdSSR) im Jahr 1991 war es geteilt zwischen der UdSSR und dem Iran. Bis zu diesem Datum galt es als See.

Der Iran hatte argumentiert, es sei ein See und kein Meer, aber keines der vier anderen Länder stimmte diesem Ansatz zunächst zu. Wenn das Kaspische Meer rechtlich wie ein Meer behandelt würde, würde es unter das internationale Seerecht fallen, nämlich unter das Seerechtsrechtsübereinkommen der Vereinten Nationen (UNCLOS). Dieses verbindliche Dokument legt Regeln fest, wie Länder die Weltmeere nutzen können. Es umfasst Bereiche wie das Management natürlicher Ressourcen, territoriale Rechte und Umweltschutz. UNCLOS ist nicht auf die Anrainerstaaten beschränkt, was bedeutet, dass andere einen Zugang zu ihren Ressourcen geltend machen dürfen. Wenn es jedoch als ein See definiert wird, müsste es gleichmäßig auf alle fünf Länder aufgeteilt werden.

Die unterzeichnete Konvention verleiht dem Wasserkörper einen "besonderen rechtlichen Status", was bedeutet, dass es nicht als See oder Meer definiert ist, berichtet das Magazin Petroleum Economist. Das Oberflächenwasser wird allgemein genutzt werden, was die Freiheit des Zugangs für alle Küstenstaaten außerhalb der jeweiligen Hoheitsgewässer bedeutet. Aber der Meeresboden - der reich an natürlichen Ressourcen ist - wird aufgeteilt.

Weil das neue Abkommen das Kaspische Meer nicht als See definiert, wird der Iran - der die kleinste Küstenlinie hat - als potentieller wirtschaftlicher Verlierer angesehen. Allerdings könnte der Iran, der derzeit unter dem wachsenden politischen und wirtschaftlichen Druck des Westens steht, einige politische Vorteile bei der Sicherung der Klausel sehen, die eine andere bewaffnete Präsenz am Kaspischen als die der fünf Anrainerstaaten verbietet.

Mehr zum Thema
article:fokus_txt
DWN
Finanzen
Finanzen US-Börsen: Künstliche Intelligenz hält Wall Street auf Rekordkurs
07.01.2026

Die US-Aktienmärkte stiegen am Dienstag, gestützt durch künstliche Intelligenz, auf neue Rekordhochs, während Investoren auf die...

DWN
Finanzen
Finanzen Inflation 2025: Preise steigen weiter in Deutschland
06.01.2026

Die Inflation in Deutschland hat 2025 im Jahresschnitt 2,2 Prozent erreicht. Nach der hohen Teuerungswelle der vergangenen Jahre entspannt...

DWN
Politik
Politik Trump droht Kolumbien und Mexiko
06.01.2026

Die Aussagen aus Washington signalisieren eine neue Eskalationsstufe in der US-Politik gegenüber Lateinamerika. Droht daraus eine...

DWN
Politik
Politik Lobbyregister: Finanzbranche lobbyiert mit Hunderten Vertretern im Bundestag
06.01.2026

Das Lobbyregister zeigt, wer im Bundestag versucht, Politik zu beeinflussen. Eine Auswertung zeigt: Die Finanzbranche setzt viel Geld ein.

DWN
Technologie
Technologie KI-Kompetenz im Maschinenbau: Warum Firmen Nachwuchsprobleme sehen
06.01.2026

Künstliche Intelligenz verändert den Maschinenbau rasant – doch beim Nachwuchs klafft eine Lücke. Während Unternehmen KI-Kompetenz...

DWN
Politik
Politik Kampf um Grönland
06.01.2026

Trump will Grönland für die USA sichern – doch Europas Spitzenpolitiker setzen klare Grenzen. Dänemark und Grönland entscheiden...

DWN
Finanzen
Finanzen Anlagestrategien für 2026: Anleger zwischen Risiko und Neuausrichtung
06.01.2026

Die Finanzmärkte gehen mit erhöhten Risiken und politischen Unsicherheiten in das Jahr 2026. Wie lassen sich Vermögen und persönliche...

DWN
Unternehmen
Unternehmen KI-Recruiting: Chancen und Risiken bei der digitalen Personalauswahl
06.01.2026

Algorithmen führen Bewerbungsgespräche, analysieren Lebensläufe und treffen Vorauswahlen. Doch die KI-Rekrutierung birgt Risiken. Der...