Finanzen

Mit der Deutschen Mark wäre die Bundesrepublik ein Industriestaat zweiter Klasse

Die Einführung des Euro hat nicht nur Deutschlands Exportwirtschaft angekurbelt, sondern auch zu mehr Wohlstand geführt. Die Wiedereinführung der D-Mark würde zwangsläufig zum Einbruch des Exports und zu starken Wohlstandsverlusten führen.
29.01.2020 13:00
Lesezeit: 4 min
Mit der Deutschen Mark wäre die Bundesrepublik ein Industriestaat zweiter Klasse
Illustration: Timo Würz

Seit der Eurokrise ist viel über die gemeinsame europäische Währung im Allgemeinen sowie über ihre Vor- und Nachteile im Speziellen geschrieben, gesprochen, diskutiert und philosophiert worden. Der Euro wurde im Jahr 2002 eingeführt, um die Geldtransaktionen zu standardisieren und die europäische Integration voranzutreiben, aber seitdem haben viele Deutsche ihre gewohnte und lieb gewonnene Währung nicht vergessen können.

Immerhin wurden nach Angaben des englischsprachigen Dienstes der Deutschen Welle 13,6 Milliarden Deutsche Mark (DM) noch nicht in Euro umgetauscht. „Es gibt viele Leute aus der ehemaligen Bundesrepublik, die immer noch nostalgisch über die D-Mark nachdenken. Einige Leute haben ziemlich große Nennwerte an den Wänden”, so der Wirtschaftspsychologe Alfred Gebert.

Einer der vielen Gründe, warum immer noch viele Deutsche der DM nachtrauern, ist der, dass die DM immer auch ein Symbol für Stabilität und Wohlstand gewesen ist. Die Anzahl der trauernden Deutschen war insbesondere während der Finanzkrise 2008 besonders hoch.

Doch dieser Sentimentalität liegt kein rationaler Gedanke zugrunde. Deutschland muss vor allem ein starkes Interesse an der Integrität des Euroraums haben. Der Euro hat das deutsche verarbeitende Gewerbe vor Wechselkursschocks gegenüber den anderen Mitgliedstaaten geschützt.

Die Deutschen haben stark vom Euro profitiert – er hat ihnen eine künstlich geschwächte Währung gegeben, der wiederum für Deutschlands Exportwirtschaft ein großer Segen ist. Wenn die Deutschen den Euro verlassen würden, würden sie sich selbst ins Knie schießen. Denn Deutschland ist mit einem sehr breit ausgestatteten Sozialsystem, vergleichsweise hohen Löhnen und 80 Millionen Einwohnern eines der größten Exportländer der Welt.

Der Euro hat dabei eine bedeutende Rolle gespielt. Die deutschen Exporte haben sich seit der Einführung der gemeinsamen Währung im Jahr 1999 mehr als verdoppelt und sind auf derzeit weit über eine Billion Euro gestiegen. Auch das Wachstum war doppelt so schnell wie in anderen Ländern der Zone. Es besteht kein Zweifel, dass die Deutschen Qualitätsprodukte herstellen. Der Grund dafür, dass sie zu wettbewerbsfähigen Preisen so viel exportieren können, liegt darin, dass sie mit einer relativ billigen Währung operieren.

Erstens exportiert Deutschland mehr in Länder außerhalb der Eurozone, weil der Wechselkurs des Euro schwächer ist, als es bei der Deutschen Mark der Fall gewesen wäre. Dies liegt daran, dass der Euro 19 Nationen umfasst, von denen viele relativ schwach sind, wodurch der Wert der Währung im Verhältnis zum US-Dollar und zum Pfund sinkt. Während China mit manipulativen Maßnahmen den Yuan schwach hält, um somit seine Exporte anzukurbeln, muss Deutschland nicht auf derartige Methoden zurückgreifen.

Zweitens bedeutet ein schwacher Euro in Deutschland einen starken Euro in schwächeren Ländern wie Spanien und Griechenland. Das bedeutet, diese Länder können es sich leisten, deutsche Waren zu kaufen. Es wundert daher nicht, dass deutsche Autos, Elektronik und Maschinen die Eurozone dominieren.

Wenn Deutschland die Eurozone verlassen würde, wären Unternehmensinsolvenzen, eine Rekapitalisierung des Bankensystems und der Zusammenbruch des internationalen Handels die Folgen, so die UBS Bank in einem Factsheet. Im Falle eines Ausscheidens Deutschlands dürften die Kosten im ersten Jahr für jeden deutschen Erwachsenen und jedes deutsche Kind zwischen 6.000 und 8.000 Euro liegen, danach zwischen 3.500 und 4.500 Euro pro Person und Jahr. Das entspricht 20 bis 25 Prozent des BIP im ersten Jahr des Euroaustritts.

Ein Rückzug Deutschlands aus der Eurozone würde nämlich zwangsläufig zur Einführung einer starken Währung führen, was schlecht wäre für die deutsche Exportwirtschaft. Die deutschen Exportwaren würden automatisch teurer werden. Um wettbewerbsfähig zu werden, müsste die Bundesregierung den Markt mit ihrer neuen Währung regelrecht überschwemmen, was dann die Ersparnisse der deutschen Bevölkerung schmälern würde.

Dabei hat der Euro nachweislich dazu geführt, dass der Wohlstand in Deutschland gestiegen ist. Einem Bericht des Center for European Policy (CEP) mit dem Titel „20 Jahre Euro: Gewinner und Verlierer” zufolge hat es seit der Einführung des Euro bis zum Jahr 2017 in Deutschland eine Wohlstandswirkung von fast 1,9 Billionen Euro gegeben. „Deutschland hat von der Euro-Einführung bei weitem am meisten profitiert: von 1999 bis 2017 in Höhe von fast 1,9 Billionen Euro. Dies entspricht rund 23.000 Euro je Einwohner”, so das CEP.

Trotzdem werden in Deutschland die Stimmen, die den Euro und die EU attackieren, nicht verhallen. Denn die Deutschen neigen traditionell dazu, sich die Realität so auszumalen, wie sie sie am liebsten haben wollen.

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Cüneyt Yilmaz

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Cüneyt Yilmaz ist Absolvent der oberfränkischen Universität Bayreuth. Er lebt und arbeitet in Berlin.

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