Deutschland

Deutsche Industrie wartet immer noch auf den Aufschwung

Das Verarbeitende Gewerbe, das für die gesamtwirtschaftliche Entwicklung so wichtig ist, hat das Jahr 2019 im tiefroten Bereich beendet. "Die erhoffte Trendwende in der Industrieproduktion lässt weiter auf sich warten", glaubt der Bundesverband Materialwirtschaft, Einkauf und Logistik (BME).
19.01.2020 12:20
Lesezeit: 2 min

Das Verarbeitende Gewerbe, das für die gesamte Entwicklung der deutschen Gesamtwirtschaft wichtig ist, hat das Jahr 2019 im tiefroten Bereich beendet. So ist der saisonbereinigte IHS-Markit/ BME-Einkaufmanager-Index (EMI) im Dezember auf 43,7 Punkte zurückgegangen. Im Vormonat hatte das Barometer noch bei 44,1 Punkten gelegen. Damit liegt der aktuelle Wert unter dem Durchschnitt der Schrumpfungsphase, die im Januar 2019 begann. Der Rückgang hielt in allen drei Hauptbereichen der Industrie an, wobei die Hersteller von Investitionsgütern die schlechteste Performance ablieferten, gefolgt von den Herstellern von Vorleistungsgütern. Einzig im Konsumgüterbereich schwächte sich die Kontraktionsrate etwas ab.

Positiver Lichtblick waren lediglich die Neuaufträge, teilte der englische Finanzdienstleister IHS Markit in London mit. Diese schrumpften so geringfügig wie zuvor im gesamten Jahr nicht. Außerdem verbesserten sich die Geschäftsaussichten – wenngleich nur minimal. „Den aktuellen EMI-Dezember-Daten zufolge lässt die erhoffte Trendwende in der Industrieproduktion weiter auf sich warten. Hoffnungsvoll stimmt uns allerdings, dass sich die Geschäftsaussichten der Firmen des Verarbeitenden Gewerbes zuletzt aufgehellt haben“, betonte BME-Hauptgeschäftsführer Silvius Grobosch.

„2019 war kein gutes Jahr für die deutsche Industrie. Erste Erholungszeichen deuten sich an, aber nur sehr allmählich“, kommentierte Gertrud Traud, Chefvolkswirtin der Helaba Landesbank Hessen-Thüringen, am Dienstag auf BME-Anfrage die aktuellen EMI-Daten. Nichtsdestotrotz seien die Aussichten für 2020 deutlich besser. Ein Ende im Brexit-Drama sei absehbar und offensichtlich planten die USA und China ein Handelsabkommen. Inwieweit es zu tatsächlichen Zollsenkungen komme, sei noch nicht sicher. „Allerdings muss US-Präsident Donald Trump im Laufe dieses Jahres mit positiven Daten aufwarten, damit seine Wahlchancen steigen. Davon dürfte dann auch die deutsche Industrie profitieren“, fügte die Helaba-Bankdirektorin hinzu.

„Das alte Jahr schließt für die deutschen Unternehmen noch nicht wirklich auf einer versöhnlichen Note. Die deutsche Industrie ist noch nicht über den Berg. Glücklicherweise lässt die Talfahrt etwas nach und die Binnenwirtschaft bleibt nach wie vor stark“, sagte Ulrich Kater, Chefvolkswirt der DekaBank, am Dienstag dem BME.

„Auch im Nachhall von 2019 notiert die deutsche Industrie viele Zahlen weiterhin mit Rotstift. Produktion, Beschäftigung und Preise fallen noch“, teilte Katharina Huhn, Leiterin des Referats Konjunktur, Wachstum, Unternehmensbefragungen im DIHK. Der Rückgang der Neuaufträge verlangsame sich jedoch und so gebe es Hoffnung auf Stabilisierung. Eine Ausbreitung der Industrierezession auf Dienstleister und die Baubranche sei damit unwahrscheinlich. „Zusammen mit der Aussicht auf eine konjunkturelle Erholung verbessern sich so die Geschäftsaussichten zum zweiten Mal in Folge, wenn auch nur geringfügig“, betonte die DIHK-Konjunkturexpertin.

Zur jüngsten Entwicklung des EMI-Teilindex Einkaufspreise sagte Heinz-Jürgen Büchner, Managing Director Industrials, Automotive & Services der IKB Deutsche Industriebank AG: „Die aktuelle Eskalation im Nahost-Konflikt kann trotz noch guter Versorgungslage sehr schnell zu einem Anstieg der Rohölpreise auf bis zu 80 US-Dollar je Barrel Brent führen. Bei einem Ausfall der Fördermöglichkeiten eines großen Vorkommens sind noch höhere Preise möglich. Dies induziert dann jedoch infolge der befürchteten negativen Auswirkungen auf die Weltwirtschaft Preisrückgänge bei börsennotierten Industrierohstoffen. Dies würde die seit Dezember 2019 teilweise anziehenden Preise – etwa bei Schrotten – kompensieren.“

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