Finanzen

Euro-Staaten verzeichnen Rekord-Nachfrage nach ihren Schuldtiteln

Nie zuvor haben die Staaten der Eurozone eine so große Nachfrage nach ihren Schuldtiteln verzeichnet wie in dieser Woche. Davon profitierten vor allem die schwächeren Euro-Staaten.
18.01.2020 12:30
Lesezeit: 2 min
Euro-Staaten verzeichnen Rekord-Nachfrage nach ihren Schuldtiteln
Spanien gehört zu den großen Profiteuren der Rekord-Nachfrage nach Euro-Staatsanleihen. (Foto: dpa) Foto: Federico Gambarini

In dieser Woche verzeichneten die Anleihemärkte eine Rekordnachfrage von Investoren, die sich darum reißen, vor allem den südlichen Euro-Staaten umfangreiche Kredite gewähren zu dürfen. Die Investoren gehen offenbar davon aus, dass die Zinssätze in der Eurozone in der absehbaren Zukunft auf dem aktuellen Tiefststand bleiben werden.

Spanien etwa hat am Dienstag Gebote in Höhe von 53 Milliarden Euro für seine neue zehnjährige Anleihe erhalten - der bisher höchste Umfang für eine Euro-Anleihe - und damit 10 Milliarden Euro. Italien erhielt für seine neue 7-Milliarden-Euro-Anleihe mit einer Laufzeit von 30 Jahren Gebote in Höhe von 47 Milliarden Euro. Und auch Belgien, Zypern und Irland verzeichneten in den letzten Tagen ihre bisher größten Auftragsbücher.

Die Fondsmanager stürzen sich wie nie zuvor auf Euro-Schulden, da sie erwarten, dass Christine Lagarde, die Präsidentin der Europäischen Zentralbank, an der von ihrem Vorgänger Mario Draghi eingeführten Konjunkturpolitik festhält, die unter anderem negative Zinsen und den Kauf von Anleihen im Wert von 20 Milliarden Euro pro Monat vorsieht.

"Es scheint wahrscheinlich, dass die Zinssätze sehr lange auf diesem Niveau bleiben werden", zitiert die Financial Times Mark Dowding, Chief Investment Officer bei BlueBay Asset Management. Dowding bevorzugt höher verzinsliche italienische und griechische Anleihen. Investoren müssten Strafzinsen zahlen, wenn sie ihr Geld bei den Depotbanken lagern. Man müsse daher Wege finden, um wenigstens ein bisschen Rendite zu erzielen. "

Der Januar ist in der Regel der geschäftigste Monat Anleihemärkten. Und weil für das Jahr 2020 insgesamt die kleinste Netto-Neuemission von Anleihen in der Eurozone seit der Finanzkrise erwartet wird, haben sich offenbar einige Anleger beeilt, bei dem reichlichen Angebot an neuen Anleihen im Januar zuzugreifen. "Auffallend ist, dass wir eine bessere Nachfrage als im Jahr 2019 erlebt haben, was bereits einen außergewöhnlichen Januar hatte", sagt Pierre Blandin, einen leitenden Anleihebanker bei Crédit Agricole.

Die Verwalter von Staatsschulden waren sehr daran interessiert, die günstigen Marktbedingungen auszunutzen. "Wir haben dies als eine günstige Gelegenheit im Hinblick auf das Zinsumfeld gesehen, um uns die [niedrigen] Zinsen für einen großen Betrag zu sichern", zitiert die Financial Times Maric Post, Direktorin der belgischen Schuldenagentur, die am Mittwoch zehnjährige Anleihen im Umfang von 6 Milliarden Euro zu einer Rendite von lediglich 0,11 Prozent verkauft hat.

Aber die Käufer zeigten deutlich weniger Interesse an solche Anleihen mit äußerst niedrigen Zinsen. Zwei kürzlich durchgeführte Auktionen deutscher Bundesanleihen, die als Benchmark für die gesamte Eurozone dienen und zumeist zu Renditen unter null gehandelt werden, trafen auf eine schwache Nachfrage. Stattdessen wetten die Anleger darauf, dass stabile Zinsen es ihnen ermöglichen werden, Gewinne mit solchen Anleihen zu erzielen, die höhere Renditen als die deutschen Schulden bieten.

"Alles, was eine zusätzliche Spanne im Vergleich zu Bundesanleihen hat, wird gekauft", sagte Maric Post, Direktorin der belgischen Schuldenagentur. Auch Belgien profitiere von diesem Trend.

Anleger erwarten offenbar keine Wiederholung des Jahres 2019, als Zinssenkungen in den USA und in der Eurozone den Inhabern von Anleihen unerwartet massive Gewinne brachten, und zwar sowohl bei relativ sicheren als auch bei riskanteren Schuldtiteln. Im Jahr 2020 werde seitens der Zentralbanken wahrscheinlich nicht viel passieren, sagt Andrew Wilson, globaler Leiter des Fixed Income bei Goldman Sachs Asset Management.

Mehr zum Thema
Bleiben Sie über das Thema dieses Artikels auf dem Laufenden Klicken Sie auf [+], um eine E-Mail zu erhalten, sobald wir einen neuen Artikel mit diesem Tag veröffentlichen
Anzeige
DWN
Finanzen
Finanzen Ist es sicher, auf Top-Up-Websites wie Refilled mit Kreditkarte zu bezahlen?

Jeden Tag gibt es mehr und mehr digitale Shops, die nach deinen Kredit- oder Debitkartendaten fragen. Mit Kreditkarte auf einer...

DWN
Finanzen
Finanzen US-Marktbericht: Wall Street schließt nach Waffenstillstand zwischen Israel und dem Libanon im Plus
16.04.2026

Internationale Entwicklungen bringen frischen Wind an die Börse – worauf Anleger jetzt achten müssen.

DWN
Wirtschaft
Wirtschaft Pilotengehalt bei Lufthansa: So viel verdienen Piloten 2026 wirklich
16.04.2026

Die anhaltenden Streiks bei der Lufthansa rücken die Vergütungsstrukturen der Piloten erneut in den Mittelpunkt. Wie hoch sind die...

DWN
Panorama
Panorama Geld zurück aus illegalem Online-Glücksspiel?
16.04.2026

Der Europäische Gerichtshof bringt Bewegung in Millionenklagen rund um Online-Glücksspiel ohne deutsche Lizenz. Spieler hoffen plötzlich...

DWN
Politik
Politik Ungarn vor Kehrtwende: Debatte um EU-Kredit für die Ukraine nimmt Fahrt auf
16.04.2026

Nach dem politischen Umbruch in Ungarn rücken die EU-Finanzhilfen für die Ukraine wieder in den Fokus. Wird Budapest seine Blockade...

DWN
Wirtschaft
Wirtschaft Industriestrompreis: EU gibt Milliarden frei
16.04.2026

Die EU-Kommission öffnet den Weg für einen subventionierten Industriestrompreis in Deutschland. Milliardenhilfen sollen die...

DWN
Unternehmen
Unternehmen Bosch kämpft mit Kostenexplosion: Gewinne brechen dramatisch ein
16.04.2026

Bosch steckt in der Krise – und schreibt erstmals seit Jahren rote Zahlen. Vor allem die enormen Kosten für den Stellenabbau belasten...

DWN
Panorama
Panorama Arag-Analyse: Konflikte bei Arbeit und Wohnen nehmen zu
16.04.2026

Steigende Kosten treiben immer mehr Menschen vor Gericht – selbst bei kleinen Beträgen. Eine neue Analyse zeigt, wie stark Konflikte um...

DWN
Technologie
Technologie AEO: Wie KI-Suchmaschinen Google den Rang ablaufen
16.04.2026

Die klassische Google-Suche verliert an Macht, während KI-Systeme Antworten direkt liefern. Unternehmen kämpfen nicht mehr um Rankings,...