Politik

Geopolitik: Im Iran kommt die Kurden-Karte ins Spiel

In den Kurden-Gebieten des Irans könnte es bald brodeln. Mehrere Anzeichen sprechen für diese These.
17.01.2020 20:49
Aktualisiert: 17.01.2020 20:49
Lesezeit: 2 min
Geopolitik: Im Iran kommt die Kurden-Karte ins Spiel
Potenzielle kurdische Unruheregionen im Nordwesten des Irans. (Grafik: Stratfor)

In den vergangenen vier Jahren haben die USA tonnenweise Waffen an die kurdisch-syrische YPG geliefert. Diese Waffen sind nicht gegen die Türkei, Russland oder Syrien eingesetzt worden. Wahrscheinlicher ist, dass sie über Nordsyrien in den Irak und über den Irak teilweise in den Nordwesten des Irans an militante Kurdengruppen geliefert wurden. Eine bekannte militante iranische Kurdenpartei ist die PDKI.

Die kurdisch-iranische PDKI besteht aus Peschmerga-Kämpfern. Sie wird von dem vom Westen aufgebauten Kurdenführer Barzani aus dem Nordirak unterstützt. Sie ist ein Ableger der kurdisch-irakischen KDP, die wiederum aktiv von den USA und Deutschland unterstützt wird. Der Iran hingegen unterstützt im Irak die Kurdenpartei PUK und die kurdische Goranbewegung, um Barzani zu schwächen, berichtet nerinaazad. Im Jahr 2017 hatte beispielsweise der mittlerweile getötete iranische Kommandeur Qassem Soleimani am Begräbnis vom damaligen PUK-Führer Dschalal Talabani teilgenommen. Soleimani und Talabani waren politische Weggefährten. Im Jahr 2017 gelang es der Schiiten-Miliz Haschdi Schaabi und den bewaffneten Kurden der PUK, die Ölstadt Kirkuk von den Peschmerga-Kämpfern der KDP einzunehmen, was die KDP als Verrat an der kurdischen Sache ansah. Doch bei den Peschmerga-Kämpfern der KDP und PUK handelt es sich um Einheiten, die im Gegensatz zur PKK keinen Bezug zum Terrorismus haben.

Zusätzlich gibt es in der Region die militante iranische Kurden-Organisation PJAK, die ein Ableger der PKK ist. Die PJAK wird von den USA nicht als Terrororganisation eingestuft. Die Organisation wird nach Informationen von Asia Times seit Jahren von den US Special Forces (SF) im Irak in Guerilla-Techniken trainiert. Das ehemalige SF-Mitglied Mark Smith wollte dem Blatt nicht öffentlich bestätigen, dass die Amerikaner PJAK-Kämpfer ausbilden, doch er würde sich nicht wundern, wenn dem so wäre. Ein weiteres ehemaliges Mitglied der SF sagte den Asia Times, dass die USA iranische einheimische Antiregierungskräfte trainieren und aufbauen.

Im 2016 August verübte PJAK einen Angriff auf eine iranische Militärstellung, bei dem 20 iranische Soldaten ums Leben gekommen sein sollen, berichtet die BBC.

Im Sommer 2016 traf sich der iranische Kurdenführer Mustafa Hijri in Washington mit Mitgliedern des Komitees für Auswärtige Angelegenheiten des US-Repräsentantenhauses und des US-Senats, berichtet die PDKI. Er warb um US-Unterstützung für die Kurden im Iran. „Die kurdische Nation kämpft gegen die Islamische Republik Iran. Sie dürfen die kurdische Nation nicht im Stich lassen, wir brauchen Ihre [US-] Unterstützung“, so Hijri bei einer Rede im US-Repräsentantenhaus. Zuvor hatte er vom 18. bis 20. Mai 2015 Deutschland besucht. Dort traf er sich mit diversen Mitgliedern des Bundestags und Vertretern des Auswärtigen Amts, so die PDKI.

Nach Informationen des European Union Institute for Security Studies haben die Peschmerga aus Deutschland 16.000 Sturmgewehre der Typen G3 und G36, 8.000 P1-Pistolen, 40 MG3-Maschinengewehre, 10.000 Handgranaten, mindestens 30 Panzerabwehrsysteme der Klasse MILAN mit mindestens 500 Geschossen, 200 Panzerfäuste 3 mit mindestens 2.500 Geschossen und 40 reaktive Panzerbüchsen des Typs Carl-Gustaf Kaliber 84mm mit mindestens 1.000 Geschossen erhalten.

Das American Enterprise Institute hatte im Juli 2015 eine Waffenliste veröffentlicht, die die internationalen Waffenlieferungen an die Peschmerga aufzählt.

Allerdings ist mit diesen Lieferungen ein großes Risiko verbunden. „Diese Waffen können schnell in falsche Hände geraten. Beispiele hierfür gibt es bereits. Die Waffenlieferung in das Kriegsgebiet - ein gefährlicher Präzedenzfall“, analysiert der NDR.

Es ist durchaus wahrscheinlich, dass militante Kurdengruppen die aktuelle Situation im Iran nutzen könnten, um Aufstände im Nordwesten des Irans anzuzetteln. Ob ein derartiges Szenario von externen Mächten Unterstützung finden würde, bleibt abzuwarten. Doch seit geraumer Zeit setzen sich die US-Neokonservativen dafür ein, dass die Kurden-Milizen im Iran unterstützt werden sollen.

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