Politik

London setzt auf großflächige Videoüberwachung, die Personen in Echzeit aufspüren kann

Die Londoner Polizei nutzt die zahlreichen Überwachungskameras in der Stadt, um Personen mittels Gesichterkennung in Echtzeit aufzuspüren.
08.02.2020 08:26
Lesezeit: 1 min
London setzt auf großflächige Videoüberwachung, die Personen in Echzeit aufspüren kann
Überwachungskamera vor dem Big Ben in London. (Foto: dpa) Foto: Facundo Arrizabalaga

Am Freitag hat die Londoner Metropolitan Police angekündigt, dass sie auf den Straßen der britischen Hauptstadt erstmals Überwachungskameras zur Gesichtserkennung einsetzen wird, um Personen in Echtzeit identifzieren zu können. Das System werde im Februar gestartet und solle vor allem dazu dienen, solche Verdächtige zu finden, die wegen schwerer oder gewalttätiger Verbrechen gesucht werden, sowie vermisste Personen.

Die Londoner Polizei weist Vorwürfe zurück, das Programm sei ein Angriff auf die Bürgerreuchte. Sie betont, dass sie einen "rücksichtsvollen und transparenten" Ansatz gewählt habe. Denn der Einsatz der Überwachungstechnologie werde deutlich ausgeschildert und auf wenige Stunden begrenzt sein. Beamte werden demnach sogar Flugblätter an Passanten verteilen, wie der britische Guardian berichtet. Zudem würden 80 Prozent der befragten Personen den Schritt unterstützen.

Die Gesichtserkennung in Echtzeit, wie sie von der Londoner Polizeit eingesetzt wird, erkennt alle Gesichter auf dem Videomaterial und vergleicht diese dann mit den aktuellen Datenbanken mit gesuchten Personen. In Großbritannien ist nun aber die Sorge groß, dass der Einsatz der Technologie, welche die biometrischen Daten aller aufgezeichneten Personen verarbeitet, künftig auf weitere Kreise von Personen ausgeweitet wird. Denn mit der Technologie kann man innerhalb von Sekunden jede beliebige Person aufspüren, die sich durch die Stadt bewegt.

So könnten die Gesichtserkennungs-Kameras etwa Personen identifizieren und aufzeichnen, die an Demonstrationen teilnehmen. Sie könnten auch automatisch verdächtige Personen erkennen. Dass dies keine Panikmache ist, zeigt der umfassende Einsatz derartiger Technologie in China. Hinzu kommt, dass die meisten Erkennungssysteme die Gesichter weißer Männer am besten erkennen können, während es bei anderen Rassen eine höhere Fehleranfälligkeit besteht.

Nach Angaben der Londoner Polizei ist das System bei der Aufspürung gesuchter Verdächtiger zu 70 Prozent korrekt, zudem identifiziere es nur in einem von tausend Fällen eine falsche Person als gesucht. Pete Fussey, ein Überwachungsexperte der Universität Essex, der eine unabhängige Überprüfung der öffentlichen Versuche der Met im Auftrag der Polizei durchführte, stellte hingegen fest, dass das neue System in nur 19 Prozent der Fälle nachweislich korrekt war.

Londons Bürgermeister Sadiq Khan unterstützt die Entscheidung der Polizei, das neue Überwachungssystem einzuführen. Der Bürgermeister der Labour-Partei muss sich in diesem Jahr zur Wiederwahl stellen, und die Liberaldemokraten versuchen bereits, sich beim Thema Überwachung gegen den amtierenden Bürgermeister zu positionieren. Sie haben die neue Gesichtserkennung in Echtzeit als Khans "Einführung von Massenüberwachung" gebrandmarkt.

Mehr zum Thema
Bleiben Sie über das Thema dieses Artikels auf dem Laufenden Klicken Sie auf [+], um eine E-Mail zu erhalten, sobald wir einen neuen Artikel mit diesem Tag veröffentlichen
Anzeige
DWN
Finanzen
Finanzen Damit Sie sich auf Ihr Unternehmen konzentrieren können

Ein Unternehmen zu führen, bedeutet, täglich Verantwortung zu übernehmen und Entscheidungen zu treffen. Gleichzeitig soll möglichst...

DWN
Finanzen
Finanzen Rente 2026: Fast 2.000 Euro? Für die meisten ein Traum – 5 Zahlen zeigen die Realität
13.10.2026

Die Politik verweist auf ein stabiles Rentenniveau und knapp 2.000 Euro Standardrente. Doch amtliche Zahlen zeigen: Das ist ein...

DWN
Wirtschaft
Wirtschaft Deutschland baut neue Bahnstrecke von Hamburg nach Hannover – aber erst 2050
13.10.2026

Überlastete Strecke: Zwischen Hamburg und Hannover fahren täglich rund 200 Güterzüge, dazu ICE- und Regionalzüge. Staus und...

DWN
Politik
Politik Iran-Krieg: Hat Trump den größten Fehler der USA begangen?
13.10.2026

Donald Trump wollte Iran in die Knie zwingen. Stattdessen gerät die amerikanische Supermacht selbst unter Druck. Der Krieg verschlingt...

DWN
Unternehmen
Unternehmen Präsentismus: Wenn Mitarbeiter trotz Krankheit arbeiten 
13.10.2026

Mit Halskratzen aufgewacht und dennoch zur Arbeit gegangen, „weil es ja nicht so schlimm ist“. Viele Beschäftigte neigen dazu, trotz...

DWN
Finanzen
Finanzen Nel ASA-Aktie hebt ab: Kooperation mit Rheinmetall bei E-Fuels treibt Pennystock nach oben
13.10.2026

Nel ASA und Rheinmetall wollen bei dezentraler Produktion synthetischer Kraftstoffe zusammenarbeiten. Die norwegische Wasserstoff-Aktie...

DWN
Unternehmen
Unternehmen Stellenabbau in Deutschland: Angebot an Zeitarbeit schrumpft
13.10.2026

Früher war Zeitarbeit ein boomendes Geschäft: 2017 arbeiteten noch mehr als eine Million Deutsche als Zeitarbeiter. Heute kämpft...

DWN
Finanzen
Finanzen Inflation steigt auf über 3 Prozent
13.10.2026

Die Energiepreise treiben die Inflation in Deutschland auf den höchsten Stand seit fast drei Jahren: Im September verteuerten sich Waren...

DWN
Politik
Politik Strategische Ölreserven schrumpfen: Wie viel noch verfügbar ist
13.10.2026

Die Freigabe strategischer Reserven sorgt zunehmend für Sorgen. Die Bestände schrumpfen, da sie zur Dämpfung des Preisdrucks eingesetzt...