Politik

Zum Austritt Großbritanniens: „Es ist gut, dass dieses Kapitel nun geschlossen wird“

Heute um Mitternacht tritt Großbritannien offiziell aus der Europäischen Union aus – dies ist eine große Chance für die EU, argumentiert der Finanzdienstleister Solvecon.
31.01.2020 11:00
Lesezeit: 2 min
Zum Austritt Großbritanniens: „Es ist gut, dass dieses Kapitel nun geschlossen wird“
Brüssel: Der «Manneken Pis», ein Wahrzeichen von Brüssel, trägt anlässlich des Brexit eine Weste mit der britischen Flagge und einen Hut. (Foto: dpa) Foto: Yui Mok

Der Finanzdienstleister Solvecon schreibt in seinem aktuellen Forex-Report:

Heute um 24 Uhr endet das 1973 begonnene europäische Experiment, das UK zu einem integralen politischen und wirtschaftlichen Teil Europas zu machen. Dieses Experiment war möglich, weil man die Bedenken des französischen Präsidenten De Gaulle sportlich ignorierte. De Gaulle verweigerte den UK-Beitritt 1963 und 1967. An dieser Stelle ist eine Quotation aus einer Presskonferenz des Jahres 1963 unumgänglich, da diese Äußerungen De Gaulles ein Maß an Weitsicht ausdrücken, das vielen heutigen politisch Verantwortlichen abgeht:

England is insular, maritime, linked through its trade, markets and food supply to very diverse and often very distant countries. Its activities are essentially industrial and commercial, and only slightly agricultural. It has very marked and original customs and traditions. In short, the nature, structure and economic context of England differ profoundly from those of the other States of the Continent. It is foreseeable that the cohesion of all its members, who would be very numerous and very diverse, would not hold for long and that in the end there would appear a colossal Atlantic Community under American dependence and leadership.

Nach 47 Jahren befand man in Großbritannien im Rahmen von grotesken Argumentationen und bösartigen Beleidigungen gegenüber der EU, die weitgehend mit der Realität nicht im Einklang standen, dass man allein besser zurechtkomme. Seit 2016 gab es ein unprofessionelles politisches Gebaren im UK, das Gesamteuropa wirtschaftlich und politisch belastete. Es ist gut, dass dieses Kapitel nun geschlossen wird. Noch mehr Schaden aus dem UK wäre nicht zu rechtfertigen.

EU-Kommissionspräsidentin von der Leyen, Ratspräsident Michel und EU-Parlamentspräsident Sassoli haben bekräftigt, dass das UK nach dem Austritt aus der EU keinen uneingeschränkten Zugang zum europäischen Binnenmarkt mehr haben könne. O-Ton: Entscheidung sei folgenlos. Das ist korrekt, alles andere käme einer Selbstaufgabe als Selbstbedienungsladen des UK gleich. An dieser Stelle darf nicht nivelliert werden, auch wenn es Berlin verführerisch vorkommen mag. Bei der französischen Haltung habe ich keine Sorgen! Zurecht kündigten von der Leyen, Michel und Sassoli an, sich für eine gute gemeinsame Zukunft unter den veränderten Bedingungen als Verbündete, Partner und Freunde stark zu engagieren.

Das UK ist geographisch Teil Europas. Kulturell stehen wir uns grundsätzlich nahe, Murdoch-Presse hin oder her. Die Wirtschaftsstrukturen in einer global vernetzten Welt verlangen nach Sinn stiftenden Lösungen, aber auf keinen Fall nach Unterordnung unter britische Interessen. Der britische Außenminister Raab betonte, dass das UK eng mit der EU zusammenarbeiten wolle. Wir hören die Worte. Wir vergessen aber auch nicht die vielen Worte vor, aber vor allen Dingen auch hinter den Türen im Verlauf der letzten vier Jahre, denn es geht am Ende auch um nachhaltige, belastbare und ehrliche Verlässlichkeit.

Wir wollen an dieser Stelle auf die freundlichen Worte von Queen Elizabeth I. gegenüber der spanischen Krone verweisen, die bezüglich der Piraterie vorgab, alles zu unterbinden, um die Piraterie im Hintergrund massiv zu betreiben (Sir Francis Drake). Auf dieser Politik basierte das Empire. Nicht an Worten, an Taten soll man messen!

Die Äußerungen von Stephen Barclay oder Priti Patel implizieren, dass das zukünftige britische Geschäftsmodell nur wenig mit den Standards der EU im Einklang stehen soll. Vor diesem Hintergrund sind die Äußerungen des britischen Außenministers als nette Gesten zu interpretieren. Die Wahrscheinlichkeit, dass es im Zeitfenster der kommenden 11 Monate zu einem umfassenden Handelsvertrag kommen wird, ist sehr überschaubar. Der der von vielen Tories favorisiert wird, steht größer im Raum, als es naive Kontinentaleuropäer wahrhaben wollen. Wie heißt es so erfrischend explizit auf Englisch: The writing is on the wall!

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