Politik

Europa muss sich auf Flüssiggas-Flut aus Asien vorbereiten

Der LNG-Markt in Asien ist gesättigt. Deshalb leiten LNG-Produzenten ihre Ladungen nach Europa um. Die anstehende “LNG-Flut” hat bereits jetzt den Preis für LNG drastisch zurückgehen lassen.
11.02.2020 14:54
Lesezeit: 1 min
Europa muss sich auf Flüssiggas-Flut aus Asien vorbereiten
Ein LNG-Tanker am Gate Terminal Rotterdam. (Foto: dpa) Foto: Lex Van Lieshout

Europa könnte im aktuellen Jahr etwa 100 Millionen Tonnen Flüssigerdgas (LNG) importieren, da viele Ladungen von asiatischen Käufern auf den Kontinent umgeleitet werden.

Im vergangenen Jahr erreichten die LNG-Importe nach Europa 85 Millionen Tonnen, was einen Rekord darstellte. Allerdings wird der LNG-Nachfragerückgang in Asien die diesjährige Aufnahme durch europäische Länder erheblich steigern, da 78 Ladungen überschüssiges LNG aus Asien nach Nordwesteuropa gelangen werden.

Doch das Problem ist, dass der europäische LNG-Markt bereits überversorgt ist. Im vergangenen Jahr berichtete das Gate Terminal in Rotterdam, das einen Großteil des auf den Kontinent gelangenden LNG aufnimmt, dass es 2019 einen Rekord von 171 LNG-Tankern verarbeitet hat. Ein Großteil soll davon in den Lagern verblieben sein. Mit den neuen Lieferungen aus Asien könnte die Lagerkapazität knapp werden.

Dieser Zustand hat bereits dazu geführt, dass die LNG-Preise gesunken sind. Der Spotpreis für LNG im November und Dezember 2019 in den Niederlanden lag im Durchschnitt bei 3,95 US-Dollar pro Million britischer thermischer Einheiten (BTU). Das war der niedrigste Preis seit Januar 2004 für diese Jahreszeit. Mit zunehmender Überlastung rechnen die Händler jedoch mit einem weiteren Preisrückgang auf 2,4 US-Dollar pro Milliarde BTU im Laufe des aktuellen Jahres.

"In diesem Sommer ist weniger Platz für die Einspeisung von Gas in den Speicher, und es wurde bereits viel Kohle auf Gas umgestellt", so ein Analyst von Energy Aspects. Die europäischen Behörden haben den Bau neuer LNG-Importterminals genehmigt, diese müssen jedoch noch gebaut werden.

Nach Informationen von Natural Gas Intel werden vor allem die US-amerikanischen LNG-Produzenten durch den Preisrückgang in Europa, der durch die regelrechte “LNG-Flut” ausgelöst wird, leiden.

Die Situation für US-amerikanische LNG-Produzenten wird zusätzlich erschwert, weil China immer noch einen 25-prozentigen Zoll auf LNG-Importe aus den USA hat.

Wichtig ist, dass der Markt nach unten gehen muss, wenn die LNG-Lieferungen in Nordwesteuropa bei mildem Wetter oder stärker als erwartet fortgesetzt werden und um weitere zwei Milliarden Kubikmeter ansteigen, um nach dem nächsten Anpassungshebel zu suchen, der möglicherweise die LNG-Exporte aus den USA einschränkt”, zitiert Oil and Gas People Goldman Sachs aus einem Bericht.

Somit wird Europa zum endgültigen Bestimmungsort für viel LNG, und die Lagerräume füllen sich. Unklar ist, was passieren wird, wenn die Exporte nach Europa auch im Frühling und Sommer ungebremst weiterlaufen, obwohl genau dann die Nachfrage wegen der höheren Temperaturen in Europa zurückgeht.

Mehr zum Thema
Bleiben Sie über das Thema dieses Artikels auf dem Laufenden Klicken Sie auf [+], um eine E-Mail zu erhalten, sobald wir einen neuen Artikel mit diesem Tag veröffentlichen
Anzeige
DWN
Technologie
Technologie Rauchmelder oder Hitzewarnmelder? Welche Lösung eignet sich für die Küche?

Die Küche gehört zu den Bereichen eines Hauses, in denen im Alltag besonders viele Wärmequellen zusammenkommen. Herd, Backofen, Toaster,...

X

DWN-Wochenrückblick

Weniger E-Mails, mehr Substanz: Der DWN-Wochenrückblick liefert 1x/Woche die wichtigsten Themen kompakt als Podcast. Für alle, deren Postfach überläuft.

E-mail: *

Ich habe die Datenschutzerklärung sowie die AGB gelesen und erkläre mich einverstanden.

DWN
Panorama
Panorama Zwischen Freiheit und Risiko: Wie gefährlich E-Scooter sind
09.08.2026

Vor Schulen sind E-Scooter längst zum festen Bild geworden. Für Jugendliche bedeuten sie Unabhängigkeit und Tempo, für Experten aber...

DWN
Immobilien
Immobilien Anschlussfinanzierung: Warum sich der Angebotsvergleich auszahlt – jetzt bares Geld sparen
09.08.2026

Wenn die Zinsbindung endet, kann die monatliche Kreditrate sprunghaft steigen. Wer sich allein auf das Angebot der Hausbank verlässt,...

DWN
Technologie
Technologie Auto-Wertverlust: In drei Jahren ist oft die Hälfte weg
09.08.2026

Beim Autokauf denken viele an Preis, Leasingrate, Versicherung und Sprit. Der größte Kostenblock bleibt oft unsichtbar: der Wertverlust....

DWN
Technologie
Technologie KI verändert den Arbeitsmarkt: Mit welchem Studium Kinder künftig Chancen auf einen gut bezahlten Job haben
09.08.2026

Ein Hochschulabschluss galt lange als sichere Eintrittskarte in eine erfolgreiche Karriere. Doch KI, schwächelnde Konjunktur und ein...

DWN
Finanzen
Finanzen Charlie Munger: Anlagestrategie entlarvt die teuersten Fehler der Anleger
09.08.2026

Charlie Munger hielt wenig von Prognosen, hektischem Handeln und vermeintlich sicheren Börsentipps. Seine Anlageprinzipien zeigen, warum...

DWN
Wirtschaft
Wirtschaft Wo in der EU am längsten gearbeitet wird
09.08.2026

Europas Bevölkerung altert, die Babyboomer gehen in Rente, und kleinere Generationen müssen den Sozialstaat tragen. Neue Eurostat-Daten...

DWN
Panorama
Panorama Dürre in Europa: Bauern fürchten um ihre Ernten – drohen höhere Lebensmittelpreise?
08.08.2026

Hitze, Trockenheit und ausbleibender Regen setzen Europas Landwirtschaft zunehmend unter Druck. Während Bauern mit schwächeren Ernten und...

DWN
Wirtschaft
Wirtschaft Energieriese warnt vor Wasserstoff-Kollaps
08.08.2026

Milliardenhilfen aus der EU und Deutschland sollen Dänemarks Wasserstoffindustrie anschieben. Doch fehlende Klarheit über Stromnetz und...