Politik

Für Assad und Putin: Soleimanis Söldner kämpfen heimlich in Idlib

Die Söldner des liquidierten iranischen Generals Qassem Soleimani sind maßgeblich an der neuen Flüchtlings-Krise in der syrischen Provinz Idlib beteiligt. Sie werden von Russland und Syrien geschützt und unterstützt.
14.02.2020 14:32
Aktualisiert: 14.02.2020 14:32
Lesezeit: 2 min
Für Assad und Putin: Soleimanis Söldner kämpfen heimlich in Idlib
Der liquidierte General Qassem Soleimani. (Foto: dpa) Foto: Leader Official Website / Handou

Die britische Zeitung Telegraph hat enthüllt, dass “Milizen des getöteten iranischen Generals Qassem Soleimani heimlich” in der syrischen Provinz Idlib aktiv sind. Aus verifizierten Aufzeichnungen geht hervor, wie beispielsweise afghanische Söldner der “Fatemiyoun Division” in Idlib Schlachten leiten, obwohl sie zuvor im Verlauf von Friedensgesprächen versprochen hatten, sich an den Kämpfen in Idlib nicht beteiligen zu wollen. Der Iran hatte zuvor ebenfalls bekanntgegeben, keine Truppen und Milizen nach Idlib entsenden zu wollen. Doch offenbar hat sich auch Teheran nicht an diese Selbstverpflichtung gehalten.

Wenn die russisch-syrische Offensive sich lediglich auf die Ausschaltung terroristischer Elemente - wie Hayat Tahrir al-Scham (HTS), TIP, IS und weitere Organisationen - konzentriert hätte, hätte die internationale Gemeinschaft Verständnis gezeigt. Doch dem ist offenbar nicht so. Stattdessen bauen der Iran und die Hisbollah ihre Präsenz aus. Al-Monitor führt aus: “Die Beteiligung des Irans an der Offensive von Idlib scheint auch etwas mit dem großen Regionalplan des Teherans nach der Ermordung von Soleimani zu tun zu haben - also dem Versuch, die US-Streitkräfte aus der Region zu vertreiben.”

In Bezug auf dieses Thema sagte Ali Akbar Welayati, ein Top-Berater des iranischen Obersten Führers Ayatollah Ali Khamenei, auf einer Pressekonferenz am 30. Januar 2019: “Die syrische Regierung und ihre Verbündeten von der Widerstands-Front werden von Idlib in den östlichen Euphrat gehen, um sie - die Amerikaner - zu vertreiben.”

Der Iran unterhält in Syrien mindestens zehn Militärstützpunkte und bildet pro-syrische Milizen aus. Zwei wichtige Einrichtungen befinden sich in der Nähe der Grenze zu Israel, berichtet The Times of Israel. Bis zu 20.000 Kämpfer aus verschiedenen Milizen wurden bisher von iranischen Militärs trainiert, so die New York Times. Davon sollen 6.000 der Hisbollah angehören. Die restlichen Milizionäre sollen aus Afghanistan, dem Irak, dem Libanon, Pakistan und anderen Ländern stammen.

Dem israelischen nachrichtendienstlichen Portal DebkaFile zufolge soll der Iran in Syrien 13 Militärstützpunkte unterhalten. Zudem sollen sich in Syrien insgesamt 75.000 iranische und pro-iranische Truppen und Milizionäre. Davon sind 10.000 iranische Revolutionsgardisten und Truppen, 7.500 reguläre iranische Offiziere und Truppen, 20.000 Mitglieder der vom Iran unterstützten irakischen schiitischen Milizen, 15.000 afghanische schiitische Milizionäre, 11.500 pakistanische schiitische Milizionäre und 11.000 libanesische Hisbollah-Kämpfer.

Gegen Flüchtlinge, aber Unterstützung für “Vertreiber”?

Unabhängig von kriegerischen Aspekten, ist die jüngste Offensive in Idlib, die durch die russische Luftwaffe unterstützt und durch die Syrische Arabische Armee (SAA), den iranischen Al-Quds-Brigaden, der Hisbollah und ausländischen Söldnern aus Afghanistan und Pakistan durchgeführt wird, besonders problematisch, weil dadurch die größte Flüchtlings-Welle des Syrien-Konflikts ausgelöst wurde, die sich in Richtung der türkischen Grenze und nach Deutschland bewegt. Etwa 700.000 Menschen sollen aus Idlib geflohen sein. Wenn eine derart große Anzahl von Zivilisten fliehen müssen, liegt es auf der Hand, dass die russisch-syrische Offensive Zivilisten massiv gefährdet.

Die internationalen Reaktionen reichen von Gleichgültigkeit bis Angst vor einer neuen Flüchtlings-Welle wie im Jahr 2015. Besonders interessant ist, dass rechtsnationale pro-russische Parteien in Deutschland und Europa, die die jüngste russisch-syrische Offensive, die ursächlich für die Flucht von Menschen ist, unterstützen, jedoch gleichzeitig die Aufnahme von Flüchtlingen strikt ablehnen. Diese Parteien unterstützen aktiv die Fluchtursachen, wollen sich aber nicht mit ihren Folgen auseinandersetzen, von denen zuallererst ihre eigenen Nationen betroffen sein werden.

Mehr zum Thema
Bleiben Sie über das Thema dieses Artikels auf dem Laufenden Klicken Sie auf [+], um eine E-Mail zu erhalten, sobald wir einen neuen Artikel mit diesem Tag veröffentlichen
X
DWN-Wochenrückblick

Weniger E-Mails, mehr Substanz: Der DWN-Wochenrückblick liefert 1x/Woche die wichtigsten Themen kompakt als Podcast. Für alle, deren Postfach überläuft.

E-mail: *

Ich habe die Datenschutzerklärung sowie die AGB gelesen und erkläre mich einverstanden.

DWN
Finanzen
Finanzen Robotik-Aktien: Warum Yaskawa die nächste Nvidia werden könnte
16.07.2026

Der nächste große KI-Gewinner könnte keine Texte schreiben, sondern Roboterarme bewegen. Während Yaskawa vom weltweiten...

DWN
Politik
Politik Weniger Papierkram: So will die Koalition Bürger und Firmen entlasten
16.07.2026

Keine grüne Plakette mehr fürs E-Auto, keine Prüfaufkleber auf der Kaffeemaschine im Büro: Die Regierung beschließt Entlastungen von...

DWN
Technologie
Technologie Warum kauft China so viele deutsche Firmen?
16.07.2026

China kauft Deutschlands Kronjuwelen: Das ehrgeizige Reich der Mitte übernimmt immer mehr deutsche Traditionsunternehmen – und mit ihnen...

DWN
Finanzen
Finanzen US-Märkte im Überblick: Sandisk und Intel leiden unter Ausverkauf bei Chipaktien, während Händler weitere Inflationsdaten verarbeiten
15.07.2026

Erfahren Sie, welche überraschenden Entwicklungen die Wall Street bewegten und warum einige Schwergewichte trotz Marktdrucks kräftig...

DWN
Politik
Politik Energiekrise in Europa: Die nächste gefährliche Abhängigkeit bedroht die EU
15.07.2026

Die Straße von Hormus ist blockiert, Europas Energiepreise bleiben hoch und selbst Diesel könnte knapp werden. Zwei der wichtigsten...

DWN
Politik
Politik Merz sieht Koalition auf gutem Weg - aber nicht am Ziel
15.07.2026

Die Sommerpressekonferenz des Bundeskanzlers hat Tradition. Diesmal stellte sich Amtsinhaber Friedrich Merz den Fragen der Journalisten...

DWN
Politik
Politik EU schmiedet Drohnen-Pakt mit der Ukraine
15.07.2026

Die EU und die Ukraine wollen ihre Drohnenproduktion gemeinsam ausbauen, während Kiew den Seekrieg gegen Russland auf eine neue Stufe...

DWN
Finanzen
Finanzen ASML-Aktie überrascht mit starken Quartalszahlen
15.07.2026

Die ASML-Aktie setzt ihren Höhenflug fort: Der Chipausrüster hebt nach überraschend starken Quartalszahlen erneut seine Prognose an und...