Deutschland

Berlin will knallhart gegen Bodenspekulanten vorgehen

Berlins Bürgermeister Michael Müller fordert eine hohe Steuer bei Bodenspekulationen. Dadurch soll bezahlbares Wohnen in der Hauptstadt wieder möglich sein.
25.02.2020 13:44
Lesezeit: 1 min
Berlin will knallhart gegen Bodenspekulanten vorgehen
Berlin Bürgermeister Michael Müller setzt sich für die Bürger ein. (Foto: dpa) Foto: Britta Pedersen

Bodenspekulanten in Deutschland sollen nach Meinung von Berlins Regierendem Bürgermeister Michael Müller drei Viertel ihres Gewinns an den Staat abführen müssen. Müller schloss sich am Montag der Forderung von SPD-Chef Norbert Walter-Borjans nach einer sogenannten Bodenwertzuwachssteuer an.

Die beiden SPD-Vorsitzenden Norbert Walter-Borjans und Saskia Esken setzen sich dafür ein, die Einführung einer Bodenwertzuwachssteuer voranzutreiben. Wenn eine derartige Steuer eingeführt werden sollte, müssten Eigentümer von Grundstücken, die Wertsteigerungen aufweisen, mit zusätzlichen Abgaben an den Staat rechnen.

Ein solches Instrument könne helfen, der Spekulation mit Grund und Boden einen Riegel vorzuschieben und den Wohnungsbau wieder billiger zu machen, schrieb Müller am Montag in einem Gastbeitrag im Tagesspiegel. Wegen der spekulationsbedingt hohen Bodenpreise komme der Bau bezahlbarer Wohnungen durch Privatinvestoren nahezu zum Erliegen.

Erst am Sonntag hatte Berlin in einem bundesweit einmaligen Gesetz einen Teil der Mieten für fünf Jahre gedeckelt. Wirtschaft und Opposition hatten dagegen einen stärkeren Wohnungsneubau gefordert.

“Keine Seltenheit sind in Berlin derzeit Grundstücksgeschäfte, bei denen sich der Wert des Grundstücks ohne eine nennenswerte Leistung des Eigentümers in den vergangenen fünf Jahren verzehnfacht hat", so Müller. "In der ganz überwiegenden Zahl der Immobiliendeals geht es dabei nicht um die Schaffung von Wohnungen oder Gewerberäumen. (...) Es lockt das ,leistungslose’ Einkommen. Es locken Gewinne ohne eigene unternehmerische Aktion.”

Wenn es nun gelänge, “beispielsweise drei Viertel des leistungslosen Wertzuwachses abzuschöpfen, wird dies zu einer klaren Marktberuhigung beitragen und den Investitionsfokus wieder stärker auf die Bautätigkeit richten”, meinte Müller in dem Beitrag, den er gemeinsam mit seinem Staatssekretär Frank Nägele verfasste. Zuständig für die Einführung einer Bodenwertzuwachssteuer wäre der Bund.

Mehr zum Thema
Bleiben Sie über das Thema dieses Artikels auf dem Laufenden Klicken Sie auf [+], um eine E-Mail zu erhalten, sobald wir einen neuen Artikel mit diesem Tag veröffentlichen
DWN
Politik
Politik Sachverständigenrat: Deutsche Regierung schlägt Felbermayr als "Wirtschaftsweisen" vor
08.03.2026

Ums Personal eines der wichtigsten Beratergremien der Bundesregierung gab es kürzlich Aufregung. Jetzt präsentiert Schwarz-Rot einen...

DWN
Finanzen
Finanzen Steuerbetrug mit Luxusautos: Festnahmen bei EU-weiter Razzia
08.03.2026

Großaktion gegen Steuerbetrug: In neun EU-Ländern durchsuchen Beamte Objekte. Die Köpfe des weit verzweigten Netzwerks sollten in...

DWN
Wirtschaft
Wirtschaft Produktion unter Druck: Warum Deutschland die Verlagerung nach Osteuropa bereut
08.03.2026

Die Verlagerung der Produktion nach Osteuropa galt lange als bewährte Strategie deutscher Industrieunternehmen, um Kosten zu senken und...

DWN
Finanzen
Finanzen Inflation in der Eurozone: EZB vor dem nächsten Zinsschock
07.03.2026

Die Inflation in der Eurozone galt vielen bereits als gebändigt. Doch ausgerechnet Frankreich und Spanien liefern neue Preissignale, die...

DWN
Finanzen
Finanzen Börsengänge 2026: Diese zehn IPO könnten den Aktienmarkt prägen
07.03.2026

Raumfahrt, Künstliche Intelligenz, Rüstung und Fintech - Unternehmen aus verschiedenen Bereichen planen in diesem Jahr Börsengänge....

DWN
Wirtschaft
Wirtschaft Rekrutierung von Führungskräften: Wie Unternehmen Fehlbesetzungen vermeiden
07.03.2026

Fehlbesetzungen im Management entstehen oft weniger aus mangelnder Qualifikation als aus Schwächen im Rekrutierungsprozess und in der...

DWN
Finanzen
Finanzen Angriff auf PayPal, Visa, Mastercard: Digitaler Euro rückt näher
07.03.2026

Der digitale Euro soll Europa unabhängiger von US-Zahlungsanbietern machen. In Brüssel wird über den finalen Gesetzestext verhandelt,...

DWN
Politik
Politik Europas Volkswirtschaften unter Reformdruck: Leistungsanreize als Schlüssel zur Stabilität
07.03.2026

Deutschland und andere europäische Volkswirtschaften stehen durch steigende Sozialausgaben, hohe Krankenstände und eine alternde...