Finanzen

Die Volatilität nimmt zu: Ist Gold noch ein sicherer Hafen?

Der starke Preisrückgang beim Gold am letzten Freitag hat Investoren verunsichert, auch wenn der Goldpreis am Montag und Dienstag wieder deutlich zugelegt hat.
04.03.2020 12:21
Aktualisiert: 04.03.2020 12:21
Lesezeit: 2 min
Die Volatilität nimmt zu: Ist Gold noch ein sicherer Hafen?
Gold ist nach wie vor begehrt. (Foto: dpa) Foto: Boris Roessler

Die weltweiten Börsen setzten am vergangenen Freitag wegen der Angst vor der Corona-Pandemie ihren freien Fall fort. Der Dax verlor vorübergehend 5 Prozent. Der Dow Jones hatte seine schlimmste Woche seit der Finanzkrise im Jahr 2008. Man hätte erwartet, dass ein Rettungsanker wie Gold von dem massiven Absturz der Aktienmärkte profitiert. Doch auch Gold hatte am Freitag einen schlechten Tag, der Preis fiel wieder unter Marke von 1.600 Dollar pro Feinunze und stürzte vorübergehend bis auf 1.568 Dollar.

Am Montag erholte sich der Goldpreis leicht und handelte wieder über 1.600 Dollar und am Dienstag infolge der Zinssenkung durch die Federal Reserve um 50 Basispunkte stieg der Goldpreis zwischenzeitlich sogar um fast 4 Prozent auf bis zu 1.649 Dollar an. Dennoch bleibt die Frage bestehen: Wie kann es sein, dass Gold am vergangenen Freitag einen derart steilen Absturz verzeichnete? Ist das gelbe Edelmetall denn kein sicherer Hafen mehr?

Richtig ist, dass die Angst vor den wirtschaftlichen Folgen des Coronavirus die Flucht in den sicheren Hafen Gold verstärkt hat. Doch zugleich kann ein starker wirtschaftlicher Abschwung auch dazu führen, dass die Verbrauchernachfrage nach Gold zurückgeht, insbesondere auf den großen Schmuckmärkten wie Indien und China, die auch die größten Goldkonsumenten der Welt sind. Die Furcht vor einem solchen Szenario drückt den Goldpreis nach unten.

Es gibt jedoch einen noch wichtigeren Grund für den Absturz des Goldpreises am Freitag, und zwar hat der bereits erwähnte Absturz der weltweiten Aktienmärkte bei Investoren Panik ausgelöst. Die Händler mussten dringend Vermögenswerte liquidieren, um Kapital für Margin Calls zu beschaffen. Und um sich über Wasser zu halten, verkauften sie eben auch Gold. "Investoren verkaufen alles, wofür es ein Gebot gibt und gehen in Deckung, und das schließt typische Absicherungen wie Gold ein", sagte am Freitag ein Analyst zu MarketWatch.

Dasselbe Geschehen konnte man in der Anfangsphase des Crashs von 2008 beobachten. Auch damals gab es massive Goldverkäufe, als der Aktienmarkt zu trudeln begann. Erst als die Anleger die Tragweite der von der US-Notenbank eingeleiteten extremen Konjunkturmaßnahmen zu verstehen begannen, begannen sie, den Wert des Goldes zu erkennen und es im großen Stil zu kaufen. In den folgenden Jahren hat sich der Goldpreis dann mehr als verdoppelt.

Als die Aktienmärkte am Freitag anfingen abzustürzen, waren die Goldverkäufe also nicht etwa nur Gewinnmitnahmen. Vielmehr waren es panische Gold-Liquidierungen, mit denen die Händler Cash beschafften. Der Preisanstieg am Montag und am Dienstag zeigt jedoch ganz deutlich, dass Gold weiterhin ein sicherer Hafen ist. Gavin Wendt, leitender Rohstoffanalyst bei MineLife, sagte am Montag zu Bloomberg, dass die Fundamentaldaten "weiterhin überwältigend stark" sind.

Und Gavin Wendt macht noch eine weitere wichtige Beobachtung. Er weist darauf hin, dass der Preisrückgang beim Gold in der vergangenen Woche "bei Weitem nicht so schlimm" gewesen ist wie die Verluste an den Aktienmärkten in Höhe von mehr als 10 Prozent. Aus diesem Grund könne man argumentieren, "dass Gold seine Herausforderung als sicherer Hafen bestanden hat", so der Analyst.

Mehr zum Thema
Bleiben Sie über das Thema dieses Artikels auf dem Laufenden Klicken Sie auf [+], um eine E-Mail zu erhalten, sobald wir einen neuen Artikel mit diesem Tag veröffentlichen
Anzeige
DWN
Finanzen
Finanzen Während der Markt panikartig verkauft, setzt das "kluge Geld" fieberhaft Bitcoin-Druckmaschinen ein?

Der Markt hat kürzlich eine scharfe Korrektur durchlaufen, wobei sich Panik wie eine Seuche ausbreitete, als Verkäufer ihre...

Jede Anlage am Kapitalmarkt ist mit Chancen und Risiken behaftet. Der Wert der genannten Aktien, ETFs oder Investmentfonds unterliegt auf dem Markt Schwankungen. Der Kurs der Anlagen kann steigen oder fallen. Im äußersten Fall kann es zu einem vollständigen Verlust des angelegten Betrages kommen. Mehr Informationen finden Sie in den jeweiligen Unterlagen und insbesondere in den Prospekten der Kapitalverwaltungsgesellschaften.

DWN
Politik
Politik Drohnenproduktion in der EU: Ukraine startet Fertigung in Deutschland
10.02.2026

Die Ukraine verlagert Teile ihrer Drohnenproduktion nach Deutschland und stärkt damit die europäische Rüstungsindustrie. Welche Folgen...

DWN
Finanzen
Finanzen Teamviewer-Aktie rutscht ab: Teamviewer blickt zurückhaltend aufs neue Jahr – schwieriges Marktumfeld
10.02.2026

Die Teamviewer-Aktie steht nach einem deutlichen Kursrutsch erneut im Fokus der Anleger. Vorsichtige Ziele für 2026, ein schwieriges...

DWN
Wirtschaft
Wirtschaft US-Börsen im Wandel: Neue Bewertungsmaßstäbe an den Finanzmärkten
10.02.2026

Die US-Börsen geraten durch technologische Umbrüche und veränderte globale Kapitalströme in eine Phase der Neubewertung. Welche...

DWN
Finanzen
Finanzen Tui-Aktie: Verhaltene Börsenreaktion nach starken Tui-Zahlen und stabiler Prognose – die Gründe
10.02.2026

Starke Zahlen, sinkender Kurs: Der Reisekonzern Tui startet operativ so erfolgreich wie lange nicht. Hotels und Kreuzfahrten liefern...

DWN
Finanzen
Finanzen DAX-Kurs aktuell stabil über 25.000 Punkten – startet der Leitindex Richtung Rekordhoch?
10.02.2026

Der DAX-Kurs hält sich knapp über der psychologisch wichtigen Marke von 25.000 Punkten und sorgt damit für Spannung an den Märkten....

DWN
Unternehmen
Unternehmen Entscheidung im Tchibo-Aldi-Rechtsstreit: Kaffeeröster muss vor Gericht Niederlage hinnehmen
10.02.2026

Der Tchibo-Aldi-Rechtsstreit ist entschieden: Wieder muss der Hamburger Kaffeeröster vor Gericht eine Niederlage hinnehmen. Doch das...

DWN
Finanzen
Finanzen Olympische Winterspiele in Milano Cortina 2026: Diese Olympia-Aktien profitieren
10.02.2026

Die Olympischen Winterspiele 2026 in Mailand Cortina sind in vollem Gange, für das deutsche Olympia-Team gab es bereits mehrere Medaillen,...

DWN
Finanzen
Finanzen Rückenwind für die BASF-Aktie: Konjunkturhoffnung, Analysteneinstufung und BASF-Aktienrückkaufprogramm
10.02.2026

Die BASF-Aktie startet stark ins Börsenjahr 2026: Konjunkturhoffnungen, ein laufendes Aktienrückkaufprogramm und steigende Kurse treffen...