Deutschland

Ifo-Chef: Rezession könnte schlimmer werden als bei Finanzkrise

Der erwartete Konjunktureinbruch in Deutschland könnte nach Ansicht von Ifo-Chef Clemens Fuest in diesem Jahr noch heftiger werden als im Jahr 2009 nach der Finanzkrise.
18.03.2020 10:13
Aktualisiert: 18.03.2020 10:13
Lesezeit: 1 min
Ifo-Chef: Rezession könnte schlimmer werden als bei Finanzkrise
Clemens Fuest (r), Präsident des ifo Instituts, und Andreas Peichl, Leiter des ifo Zentrums für Makroökonomik, bei einer Pressekonferenz. (Foto: dpa) Foto: Kay Nietfeld

Clemens Fuest, Präsident des ifo-Instituts, hat sich für drastische Maßnahmen ausgesprochen, um der Wirtschaft in der Coronakrise zu helfen. „Wir müssen verhindern, dass die Wirtschaft durch kollabierende Unternehmen, Jobverluste und Panik im Finanzsektor in einen Abwärtsstrudel gerät“, schreibt er in einem Beitrag im Handelsblatt. „Die Antwort besteht in einer Kombination massiver Stützungsmaßnahmen, bei denen es auf Zielgenauigkeit und schnelles Handeln ankommt.“

„Mit der Coronakrise gerät Deutschland in eine komplexe Wirtschaftskrise, deren Dimensionen derzeit viele noch unterschätzen. Die deutsche Wirtschaft ist einem simultanen Angebots- und Nachfrageschock ausgesetzt. Darüber hinaus besteht die Gefahr, dass die Kreditversorgung der Wirtschaft gestört wird und die Staatsschuldenkrise im Euroraum zurückkehrt“, schreibt Fuest.

„Wenn die Wirtschaftsaktivität nur für zwei Monate auf 65 Prozent des Normalniveaus zurückgeht und danach wieder wächst wie erwartet, würde die Wirtschaftsleistung für das Gesamtjahr um 5 Prozent schrumpfen. Das wäre ein Einbruch wie im Finanzkrisenjahr 2009. Es kann aber auch deutlich schlimmer kommen.“

Fuest schreibt: „Für viele Selbständige sowie kleine und mittlere Unternehmen sinken die Umsätze auf null.“ Für diese Betroffenen sollten daher für einige Monate alle Steuerzahlungen ausgesetzt werden. Zusätzliche Hilfen für Beschäftigte, die ihr Einkommen verlören, seien dringend notwendig. Liquiditätshilfen und staatliche Garantien könnten eine Insolvenzwelle abwenden. Dass davon auch ausländische Banken profitierten, dürfe kein Hinderungsgrund sein.

Fuest fügt hinzu: „Banken müssen mit Kreditausfällen rechnen. Wenn sie dadurch Eigenkapital verlieren, könnten die Kapitalregulierungen erzwingen, auch andere Kredite zu kündigen. Das würde die Krise verschärfen. Die Bankenaufsicht sollte die Spielräume der Banken deshalb vorübergehend erweitern.“

„Akute Gefahr droht den Staatsfinanzen im Euroraum. Bei hoch verschuldeten Ländern könnte es zu einem Kollaps des Vertrauens kommen (…) Die Staaten des Euroraums einschließlich der EZB müssen klar signalisieren, dass alle Länder konsequent gestützt werden und Ausfälle bei Staatsschulden ausgeschlossen sind.“

Das Institut für Wirtschaftsforschung (Ifo) legt am Donnerstag seine neue Konjunkturprognose für Deutschland vor. Die Bundesregierung, die 2020 bislang mit einem Anstieg des Bruttoinlandsprodukts (BIP) von 1,1 Prozent gerechnet hat, signalisierte jüngst, dass die Wirtschaft schrumpfen werde.

Mehr zum Thema
Bleiben Sie über das Thema dieses Artikels auf dem Laufenden Klicken Sie auf [+], um eine E-Mail zu erhalten, sobald wir einen neuen Artikel mit diesem Tag veröffentlichen
Anzeige
DWN
Finanzen
Finanzen Finanzielle Freiheit braucht einen starken Partner

Vermögen eröffnet Möglichkeiten – und bringt zugleich Entscheidungen mit sich: Wie lässt sich das Erreichte bewahren, gezielt...

DWN
Wirtschaft
Wirtschaft IWF-Warnung: Warum der KI-Boom eine neue Krise auslösen könnte
16.10.2026

Die Weltwirtschaft wächst, doch unter der Oberfläche braut sich eine gefährliche Mischung zusammen: Staaten häufen Rekordschulden an,...

DWN
Finanzen
Finanzen Goldpreis-Prognose: Einer der größten Käufer beginnt zu verkaufen
16.10.2026

Jahrelang kauften Zentralbanken Gold in außergewöhnlichem Umfang. Nun schlägt mit Kasachstan einer der größten Käufer einen anderen...

DWN
Politik
Politik Deal um Verbrenner-Aus: Deutschland und Frankreich vor Einigung?
16.10.2026

Deutschland setzt sich dafür ein, dass weiter Neuwagen mit Verbrennungstechnologie zugelassen werden können. Frankreichs Präsident...

DWN
Politik
Politik Frühstartrente: Bundestag entscheidet über zehn Euro für Kinder
16.10.2026

Mit der Frühstartrente will der Staat Kindern monatlich zehn Euro für ein langfristiges Aktiendepot geben. Wer zuerst von der...

DWN
Politik
Politik Wer ist wer in den Kriegen im Nahen Osten
16.10.2026

Zehn Punkte zu Staaten, Rebellen und politischen Gruppen, die für Kriege, Lieferwege und Energiepreise entscheidend sind.

DWN
Politik
Politik Energiewende: CO2-Preis soll stabil bleiben im nächsten Jahr
16.10.2026

Der CO2-Preis, der Heizen und Tanken teuer macht, soll mit dem Jahreswechsel nicht steigen. Das soll Verbraucher vor Preissprüngen...

DWN
Finanzen
Finanzen Unicredit: EZB genehmigt Übernahme von Commerzbank-Anteilen
16.10.2026

Seit zwei Jahren pirscht sich die Unicredit an die Commerzbank heran. Mit einem Übernahmeangebot im Sommer verfehlte sie eine Mehrheit nur...

DWN
Finanzen
Finanzen Reform Erbschaftsteuer: Firmenerben bevorzugt? Karlsruhe prüft Steuervorteile
16.10.2026

Die Erbschaftsteuer soll reformiert werden, zumindestens in dem Punkt ist sich die schwarz-rote Koalition einig. Das...