Finanzen

Eines der besten Quartale seit der Finanzkrise 2008 bei Grundstücks-Auktionen

Das Augsburger Investmenthaus GBC AG hat angesichts der Frühjahrsauktionen 2020 ein Interview Michael Plettner, Vorstandsvorsitzender der Deutsche Grundstücksauktionen AG, geführt. Plettner wörtlich: “Objektiv war das eines der besten Quartale seit der Finanzkrise 2008”.
06.04.2020 11:49
Aktualisiert: 06.04.2020 11:49
Lesezeit: 3 min
Eines der besten Quartale seit der Finanzkrise 2008 bei Grundstücks-Auktionen
Im Sitz der Norddeutschen Grundstücksauktionen AG in Rostock (Mecklenburg-Vorpommern) liegt der Auktionshammer neben dem aktuellen Katalog. (Foto: dpa) Foto: Bernd W

Die Deutsche Grundstücksauktionen AG hat am 31.03.2020 die Ergebnisse der Frühjahresauktionen veröffentlicht. Hierüber sprechen wir mit Herrn Michael Plettner, Vorstandsvorsitzender der Deutsche Grundstücksauktionen AG, und über seine Einschätzung zum weiteren Verlauf der Unternehmensentwicklung.

GBC AG: Auf den Frühjahrsauktionen 2020 der Deutschen Grundstücksauktionen AG und ihrer Tochtergesellschaften wurden Immobilien in Summe von 32,3 Millionen Euro versteigert bzw. im Maklerbereich verkauft. Wie schätzen Sie das Ergebnis des ersten Quartals 2020 ein?

Michael Plettner: Objektiv war das eines der besten Quartale seit der Finanzkrise 2008. Es gab nur zwei Bessere, Q 1 2018 mit 37 Millionen Euro und Q 3 2015 mit 35,4 Millionen Euro. Wir haben angesichts der guten Nachfrage zwar mit einem guten Auktionsverlauf gerechnet, aber dass es unter den gegebenen Schwierigkeiten und Unsicherheiten so gut läuft hätten wir nicht gedacht. Gegenüber dem Vorjahr stieg der Objektumsatz im 1. Quartal um rund 38 Prozent. Auch die erzielten Netto-Einnahmen lagen deswegen mit etwa 3,18 Millionen Euro deutlich über dem Vorjahresniveau (2,46 Millionen Euro).

GBC AG: Also konnte ein sehr gutes Ergebnis erzielt werden. Welche Maßnahmen ergreifen Sie, um den Anforderungen des Corona-Virus gerecht zu werden und wie ist die DGA von der Corona-Krise betroffen?

Michael Plettner: Die Live-Auktionen des ersten Quartals fanden zwischen dem 28. Februar und 27. März statt und waren daher in unterschiedlichem Maße von den Auswirkungen der Corona-Krise betroffen.

Die von den Einschränkungen nicht betroffene Sächsische Grundstücksauktionen AG erzielte den bisher höchsten Objektumsatz bei einer Auktion in der Unternehmensgesichte. Die folgenden Live-Auktionen der Plettner & Brecht Immobilien GmbH und der Norddeutschen Grundstücksauktionen AG verliefen zufriedenstellend. Die Westdeutsche Grundstücksauktionen AG konnte aufgrund der lokalen Verordnungslage ihre Auktion nicht wie geplant abhalten. Stattdessen wurde diese drei Tage später als reine Internet-Auktion über die Plattform der Deutschen Internet Immobilien Auktionen GmbH abgewickelt. Die Auktionen der Deutschen Grundstücksauktionen AG wurden aufgrund der Eindämmungsmaßnahmenverordnung des Berliner Senats ohne Publikum im Saal durchgeführt und stattdessen per livestream ins Internet übertragen. Gebote wurden ausschließlich telefonisch, mittels Bietungsaufträgen für Mitarbeiter im Rahmen der Bietungsschritte und über das Internet in unserem Bieterportal abgegeben. Die Reso-nanz war ausgesprochen gut, etwa 250 Interessenten verfolgten die gesamte Auktions-übertragung. Zahlreiche Objekte konnten mit teils phänomenalen Steigerungsraten veräußert werden.

GBC AG: Es könnte somit zu weiteren Online-Auktionen kommen, welche offensichtlich auch gut angenommen werden. Für die weitere Entwicklung sollte die Einlieferung von guten und steigerungsfähigen Objekten maßgeblich entscheidend sein. Wie ist Ihr aktueller Eindruck hierzu und wie verhält es sich mit der gewonnenen Ausschreibung für die Bundesanstalt für Immobilienaufgaben und die BVVG Bodenverwertungs- und -verwaltungs GmbH?

Michael Plettner: Klar, das wird die Herausforderung der nächsten Monate sein: Objekte für die kommenden Auktionen einzuwerben, von denen man noch nicht sagen kann, auf welche Art sie stattfinden werden. Derzeit bereiten wir unsere Sommer-Auktionen vor. Diese werden wir planmäßig durchführen. Ob dann wie gewohnt oder erneut in alternativer Form hängt von der weiteren Entwicklung ab. Wir können jedoch die Abgabe von Geboten - wie in einer Live-Auktion - sicherstellen, was unsere Frühjahrs-Auktionen eindrucksvoll bewiesen haben.

Die gewonnene Ausschreibung hat bereits wesentlich zum Erfolg beigetragen. Eines der spektakulärsten Objekte war ein Bauerwartungsland in Berlin, das wir für die BVVG versteigert haben und welches von 395.000 Euro Auktionslimit auf 3.300.000 Euro Zuschlagspreis gesteigert wurde. Insgesamt haben wir für die Bundesanstalt für Immobilienaufgaben und die BVVG Bodenverwertungs- und -verwaltungs GmbH in diesem Jahr bereits Objekte für über 5,8 Millionen Euro verkauft.

GBC AG: Für die zukünftige Entwicklung sind Sie technisch also sehr gut aufgestellt. Fraglich ist, wie es im Rahmen der allgemeinen Marktentwicklung bezüglich des Corona-Virus weiter geht. Welche Einschätzungen können Sie aktuell hierzu abgeben?

Michael Plettner: Das hängt natürlich maßgeblich davon ab, wie lange die Krise anhält. Immerhin wird in dieser Zeit das wirtschaftliche, wie auch das soziale Leben zunehmend eingeschränkt - für uns alle eine völlig neue Situation.

Was noch auf uns zukommt, ist schwierig zu prognostizieren. Die Experten senken Ihre Erwartungen für die Weltwirtschaft, über eine Delle hin bis zur Prognose einer globalen Rezession. Das wird zu Unsicherheiten führen, die sich auch auf das Verhalten der Marktteilnehmer negativ auswirken können. Auch die Unsicherheiten über die Preisentwicklung am deutschen Immobilienmarkt haben sich natürlich erhöht.

Wer hier als Verkäufer schnell reagieren möchte, ist bei uns natürlich goldrichtig, denn von der Einlieferung bis zum Verkauf bei unseren Auktionen vergehen ja nur wenige Wochen.

Man muss wohl kein Prophet sein, um zu prognostizieren, dass die Preise für Gewerbeimmobilien stärker leiden werden als die für wohnwirtschaftliche Objekte. Die globale Flucht in sichere Anlagen dürfte für die Wohnimmobilien tendenziell preissteigernd wirken. Temporär ist aber infolge des Wirtschaftseinbruchs auch mit Preis- oder Nachfragerückgängen zu rechnen.

Hinzu kommen Sonderfaktoren wie z.B. der für Berlin beschlossene Mietendeckel. Wir gehen davon aus, dass es bei wohnwirtschaftlich genutzten Berliner Renditeobjekten zu einem anhaltenden Nachfrage- und Preisrückgang kommt, solange es keine Sicherheit im Hinblick auf die verfassungsrechtliche Zulässigkeit Mietendeckels gibt.

GBC AG: Ich danke ihnen für das Gespräch.

Das Interview führte Matthias Greiffenberger von der GBC AG.
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